„Konflikt wird herbeigeredet“

Scheitert Rentenpaket an Gruppe von Union-Politikern? Klingbeil nimmt Spahn in die Pflicht

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Das Rentenpaket könnte die nötige Mehrheit im Bundestag verfehlen. Im Streit zwischen Union und SPD setzt Lars Klingbeil auf Jens Spahn.

Berlin – Entweder komplett oder gar nicht. Für SPD-Chef Lars Klingbeil kommen beim Rentenpaket offenbar keine halben Sachen in Frage. Vor allem nicht, wenn seine Partei den Kürzeren ziehen würde. Geht es nach dem Vizekanzler, kommen die Erhöhung der Mütterrente und die neue Aktivrente nur zusammen mit einem bis 2031 vereinbarten stabilen Rentenniveau von 48 Prozent. Die ersten beiden Projekte liegen CSU-Chef Markus Söder respektive der CDU um Bundeskanzler Friedrich Merz sehr am Herzen. Die Rentengarantie für sechs weitere Jahre gilt als Anliegen der Sozialdemokraten.

Bekommt er die Bundestagsabgeordneten der Union auf eine Linie? SPD-Chef Lars Klingbeil (r.) hofft auf die Führungsstärke von CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn.

Im Gesetzentwurf für das neue Rentenpaket hat Arbeitsministerin Bärbel Bas, die sich den SPD-Vorsitz mit Klingbeil teilt, festgelegt, dass die Rente nicht unter das bisherige Niveau fallen darf. Dabei hat sie allerdings die Rechnung anscheinend ohne die 18 Abgeordnete starke Junge Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gemacht. Weshalb ein SPD-Wahlversprechen zu scheitern droht.

Renten-Streit in Merz-Regierung: Bas-Paket könnte Mehrheit im Bundestag verfehlen

Doch das will Klingbeil verhindern, der laut Bild während des Rückflugs eines US-Besuchs feststellte: „Ich bin mir sicher, dass Merz und Söder ein großes Interesse daran haben, dass alle Bausteine durch den Bundestag kommen.“ Würden tatsächlich alle 18 Mitglieder der Jungen Gruppe der Regierung in diesem Fall die Gefolgschaft entsagen, hätte Schwarz-Rot nicht die nötige Mehrheit im Bundestag beisammen. Angesichts von 328 Abgeordneten aus CDU, CSU und SPD im 630 Sitze umfassenden Parlament, kann sich die Regierung maximal zwölf Abweichler erlauben.

Klingbeil sieht daher den CDU/CSU-Fraktionschef im Bundestag in der Pflicht, seine Reihen hinter sich zu einen: „Die Führungsverantwortung von Jens Spahn ist es, dafür zu sorgen, dass seine Fraktion das verabredete Paket mitträgt.“

Rente für Auswanderer: Die begehrtesten Länder für Deutsche im Ruhestand

Den ersten Platz belegt Österreich mit Zahlungen an knapp 29.000 deutsche Rentner.
Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt Österreich mit Zahlungen an knapp 29.000 deutsche Rentner den ersten Platz als Auswanderland für Ruheständler. (Stand 31.12.2023) Besonders beliebt sind die Metropolen Wien, Salzburg und Innsbruck. Für Deutsche ist das Nachbarland vergleichsweise mit geringen Hürden verbunden, schließlich müssen sie keine neue Sprache erlernen. © SEPA.Media/IMAGO
An andere Berechtigte wurden 2023 rund 98.000 Zahlungen getätigt.
An Renten-Berechtigte aus anderen Ländern wurden 2023 rund 98.000 Zahlungen nach Österreich getätigt, wie der Rentenatlas 2024 zeigt. Kein Wunder, schließlich kürte die Unternehmensberatung Mercer Wien im Jahr 2023 zur lebenswertesten Stadt weltweit.  © Zoonar/IMAGO
Die Schweiz ist mit rund 26.000 Zahlungen das zweitbeliebteste Land.
Die Schweiz ist mit rund 26.000 Renten-Auszahlungen das zweitbeliebteste Land für Ruheständler. Die Höhe der bezogenen deutschen Rente ändert sich zwar nicht, wer in der Schweiz lebt. Aber Portale mit Informationen zum Auswandern in die Schweiz weisen auch daraufhin: Für einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz müssen Deutsche, die nicht der EU/EFTA-Staaten angehören, eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. © Panthermedia/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Beteiligte sind jedoch im Vergleich zu anderen Ländern mit knapp 34.000 wenig.
Zahlungen an ausländische Rentner, die in der Schweiz leben, sind jedoch im Vergleich mit knapp 34.000 wenig. Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind deutlich höher als beispielsweise in Deutschland. © Imagebroker/IMAGO
Knapp 23.000 deutsche Rentenzahlungen gingen nach Spanien. Das drittbeliebteste Land.
Knapp 23.000 deutsche Rentenzahlungen gingen nach Spanien. Damit ist es laut der Statistik der deutschen Rentenversicherung das drittbeliebteste Land. Deutsche Rentner können in Spanien von günstigeren Lebenshaltungskosten profitieren. © Westend61/IMAGO
Im Vergleich dazu wurden rund 178.000 Rentenzahlungen an andere ausländische Berechtigte mit Wohnsitz in Spanien ausbezahlt.
Im Vergleich dazu wurden rund 178.000 Rentenzahlungen an ausländische Berechtigte mit Wohnsitz in Spanien ausbezahlt. Eine hohe Zahl – das milde Klima und die vielfältigen Landschaften locken Auwandernde. © NurPhoto/IMAGO
Auf dem vierten Platz landet Amerika mit knapp 21.000 deutschen Zahlungen.
Auf dem vierten Platz landen laut Rentenatlas die USA mit knapp 21.000 deutschen Rentenzahlungen. Die wichtigste Voraussetzung für ein Leben dort: eine Aufenthaltsgenehmigung. Es existiert kein Rentenvisum für die Vereinigten Staaten, wie americandream.de erklärt. Eine Green Card ermöglicht einen dauerhaften Aufenthalt. © Pond5 Images/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Berechtigte sind in Amerika bei rund 43.000.
Zahlungen an ausländische Berechtigte liegen laut Deutscher Rentenversicherung in den USA bei rund 43.000. Durch die englische Sprache sind die USA für viele niederschwelliger als andere Länder – das US-Gesundheitssystem ist allerdings komplex und Krankheiten können teuer werden. © Zoonar/IMAGO
In Frankreich gab es rund 18.000 Zahlungen an deutsche Rentner.
In Frankreich gab es rund 18.000 Zahlungen an deutsche Rentner, wie die Statistik zeigt. Wie „Connexion Emploi“ beschreibt, ist eine Aufenthaltserlaubnis nicht zwingend erforderlich, kann aber beantragt werden.  © blickwinkel/Imago
Die Zahl an anderen ausländischen Berechtigten betragen in Frankreich knapp 88.0000.
Die Zahl an ausländischen Rentner betragen in Frankreich knapp 88.0000. Mehr also als in der Schweiz oder den USA. © Propaganda Photo/IMAGO
Urlauber müssen sich in den Niederlanden nächstes Jahr auf eine mögliche Änderung einstellen.
In die Niederlande gingen 2023 knapp 10.000 Zahlungen an Deutsche, womit das Land auf Platz sechs rutscht. © Manngold/Imago
Dagegen gingen in diesem Land knapp 59.000 Zahlungen an andere ausländische Berechtigte.
Für ausländische Rentner sind die Niederlande aber offenbar attraktiv: Laut der deutschen Rentenversicherung werden 59.000 Zahlungen dorthin geleistet. © SOPA Images/IMAGO
Nach Kanada gingen rund 7.900 Zahlungen an deutsche Rentner.
Nach Kanada gingen rund 8000 Zahlungen an deutsche Ruheständler, wie die deutsche Rentenversicherung berichtet. Es gibt laut kanadischer Einwanderungsbehörde verschiedene Einwanderungsmöglichkeiten für Rentner, unter anderem Express Entry, Provincial Nominee Program und Familiensponsoring. Für Rentner könnten auch das Business/Investor Programs oder das Self-employed Program infrage kommen. Das Super-Visum berechtigt für einen Aufenthalt für fünf Jahre. © Cavan Images/IMAGO
An andere Berechtigte gingen knapp 29.000 Zahlungen.
An ausländische Rentenberechtigte gingen knapp 29.000 Zahlungen nach Kanada. © Addictive Stock/IMAGO
Die Zahlungen an deutsche Berechtigte in Italien waren bei rund 7.800.
Ein anderes Nachbarland zu Deutschland zieht Rentner deutlich weniger an: Nach Italien werden laut Rentenversicherung rund 8000 Renten ausgezahlt.  © Bihlmayerfotografie/IMAGO
Die Zahlungen an andere ausländische Berechtigte sind hier vergleichsweise mit knapp 349.000 am Höhepunkt.
Im Gegensatz zu den Deutschen ist Italien bei Rentnern anderer Länder durchaus attraktiv. Die Zahlungen an ausländische Berechtigte sind hier mit knapp 349.000 vergleichsweise am Höhepunkt. © Steinsiek.ch/IMAGO
Nach Polen wurden rund 6.000 Zahlungen an deutsche Berechtigte geleistet.
Nach Polen wurden rund 6000 Zahlungen an deutsche Rentner geleistet. Laut Deutscher Rentenversicherung muss einmal jährlich ein Lebensnachweis erbracht werden. © NurPhoto/IMAGO
Dagegen gab es knapp 37.000 Zahlungen an andere ausländische Berechtigte in Polen.
Dagegen gab es knapp 37.000 Zahlungen an ausländische Renten-Berechtigte in Polen, wie der Rentenatlas 2024 zeigt. © Dreamstime/IMAGO
In die Türkei gingen knapp 4000 Zahlungen an deutsche Berechtigte.
In die Türkei gingen nur knapp 4000 Zahlungen an deutsche Rentner. Bei einem Aufenthalt länger als 90 Tage ist ein Visum erforderlich. © NurPhoto/IMAGO
Im Gegensatz dazu gingen rund 84.000 Zahlungen an andere ausländische Rentner.
Im Gegensatz zu deutschen Ruheständlern gingen aber rund 84.000 Zahlungen an andere ausländische Rentner. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, sich vor dem Umzug in die Türkei beraten zu lassen, um mögliche Probleme zu vermeiden. © Zoonar/IMAGO
Nach Griechenland sind laut deutscher Rentenversicherung knapp 3000 Zahlungen gegangen.
Nach Griechenland sind laut deutscher Rentenversicherung nur knapp 3000 deutsche Rentenzahlungen gegangen. Griechenland hat eine lange Geschichte wirtschaftlicher Krisen, was für Rentner ein Unsicherheitsfaktor sein könnte. © NurPhoto/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Berechtigte gab es rund 90.000.
Zahlungen an andere ausländische Renten-Berechtigte gab es rund 90.000.  © Imagebroker/IMAGO
Nach Kroatien wurden wiederum knapp 1500 Zahlungen geleistet, womit Kroatien unter mit unter die drei letzten Plätze fällt.
Kroatien ist zwar eines der Top-Urlaubsländer für Deutsche – doch Ruheständler zeiht es nicht so sehr zum Auswandern dorthin, wie in andere Länder. Gerade einmal 1500 Rentenzahlungen werden laut Rentenatlas dorthin geleistet. Kroatien fällt damit unter die drei letzten Plätze.  © Pixsell/IMAGO
In Serbien gingen 655 Zahlungen an deutsche Berechtigte. Damit belegt dieses Land den vorletzten Platz.
In Serbien gingen 655 Zahlungen an deutsche Berechtigte. Damit belegt dieses Land den vorletzten Platz. Immerhin: Etwa 41.000 Zahlungen an ausländische ausgewanderte Rentner flossen laut Deutscher Rentenversicherung in das Land. © Despositphotos/IMAGO
Mit 333 Rentenzahlungen (Stand 31.12.2023) an Deutsche gehen laut der deutschen Rentenversicherung die wenigsten nach Bosnien Herzegowina.
Bosnien Herzegowina bildet mit nur 333 Rentenzahlungen an Deutsche das Schlusslicht. Laut der Deutschen Rentenversicherung gehen aber etwa 37.500 Rentenzahlungen an ausländische Rentner. © Capital Pictures/IMAGO

Rentenniveau: Klingbeil sieht anders als Junge Gruppe der Union keinen Generationenkonflikt

Die Junge Gruppe, zu der Junge-Union-Chef Johannes Winkel und Mecklenburg-Vorpommerns Landesgruppen-Chef Philipp Amthor zählen, stört sich am Rentenniveau über das Jahr 2031 hinaus. Der Spiegel berichtete aus einem Beschluss, in dem die 18 Politiker betonten, infolge der längeren Niveaustabilisierung würde das Rentenniveau dauerhaft um ein Prozent höher liegen, als es sich nach geltendem Recht ergäbe.

Von Mehrkosten in Höhe von mehr als 115 Milliarden Euro ist für die Jahre von 2032 bis 2040 die Rede. Die Merz-Regierung würde daher „das teuerste Sozialgesetz dieses Jahrhunderts beschließen“. Pascal Reddig (CDU), Vorsitzender der Jungen Gruppe, warnte im Nachrichtenmagazin vor einer „dauerhaften Milliardenlast auf den Schultern der jungen Generation“.

Klingbeil kann die Aufregung nicht nachvollziehen. „Da wird ein Generationenkonflikt herbeigeredet, den es gar nicht gibt“, moniert der Finanzminister und verweist auf die Stimmung in der Bevölkerung: „Junge Leute, die ich treffe, wollen alle, dass ihre Eltern und Großeltern eine ordentliche Rente bekommen, wenn sie ihr Leben lang hart gearbeitet haben.“

Uneinigkeit über das Rentenniveau: Philipp Amthor gehört zu jenen Union-Politikern, die den Gesetzentwurf von Bärbel Bas für falsch halten.

Weiter erwähnte er, Bas habe „mit ihrem Gesetzentwurf das umgesetzt, was im Koalitionsvertrag steht, was im Koalitionsausschuss und im Kabinett von allen bestätigt wurde“. Im von CDU, CSU und SPD verabredeten Koalitionsvertrag wurde festgehalten: „Wir werden die Alterssicherung für alle Generationen auf verlässliche Füße stellen. Deshalb werden wir das Rentenniveau bei 48 Prozent gesetzlich bis zum Jahr 2031 absichern.“

Rentenpaket von Schwarz-Rot wackelt: Bas verteidigt Plan gegen Junge Gruppe der Union

In seinen Ausführungen zum Rentenpaket betonte das Arbeitsministerium, die sogenannte Haltelinie solle eine Entkoppelung der Renten von den Löhnen und Gehältern verhindern. Nach 2031 würde zwar wieder die Rentenanpassungsformel greifen und das Rentenniveau sinken. Dieses geschehe aber von einem höheren Ausgangspunkt aus, als es ohne Haltelinie der Fall sein würde. „Somit profitieren von der Sicherung des Rentenniveaus nicht nur Rentnerinnen und Rentner, sondern auch alle, die noch mitten im Berufsleben stehen“, steht weiter geschrieben.

Befürchtet ausufernde Kosten des SPD-Plans zum Rentenniveau: Pascal Reddig führt die 18 Abgeordnete starke Junge Gruppe der Union an.

Im Bundestag wurde zuletzt heftig über das Rentenpaket gestritten. „Wenn das Rentenniveau sinkt, trifft das auch diejenigen, die in 20 oder 30 Jahren alt sind“, machte Bas am Donnerstag (17. Oktober) klar. Die Regelung sorge für „Gerechtigkeit für Millionen Menschen, die sich auf die gesetzliche Rente verlassen. Wer gegen die Haltelinie ist, der will die Renten kürzen, das soll er dann auch so sagen.“

Reddig konterte, indem er ausführte, das im Raum stehende Rentenpaket würde dazu führen, „dass Beiträge steigen, dass Steuern steigen“. Während schon im kommenden Jahr die Bundeszuschüsse für die Rente mit 127 Milliarden Euro ein Viertel des Bundeshaushalts ausmachen würden, wären es 2029 bereits 154 Milliarden Euro. Dem Staat bleibe dann „immer weniger finanzieller Spielraum zu Lasten der nächsten Generation“. (Quellen: Bild, Spiegel, Koalitionsvertrag, Bundesarbeitsministerium) (mg)

Rubriklistenbild: © IMAGO / dts Nachrichtenagentur, IMAGO / Andreas Gora

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