„Kampf gegen Arbeitgeber“

Rentenstreit entflammt: CDU-Wirtschaftsexperte will Bas-Entlassung

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Die Auseinandersetzung beim Rentenpaket eskaliert. Arbeitsministerin Bärbel Bas sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt. Rücktrittsforderungen nehmen zu.

Berlin – Der Streit um das Rentenpaket erreicht nach dem Jusos-Bundeskongress nun eine neue Eskalationsstufe. Die Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) steht unter massivem Beschuss. Aus der CDU kommt inzwischen sogar eine Rücktrittsforderung. Auslöser der politischen Schockwellen war Bas’ Auftritt beim Arbeitgebertag.

Aussagen in der Kritik: Arbeitsministerin Bärbel Bas sprach beim Bundeskongress.

Dort hatte sie mit Aussagen über das Rentenpaket für spürbaren Unmut gesorgt – einige ihrer Sätze wurden auf offener Bühne ausgelacht. Die Ministerin zeigte sich danach kämpferisch, sprach selbst von einem „Schlüsselerlebnis“. „Weil da besonders deutlich geworden ist, gegen wen wir gemeinsam kämpfen müssen“, so Bas bei ihrem Auftritt beim Bundeskongress der SPD-Nachwuchsorganisation (Jusos). Der Arbeitgebertag habe gezeigt: Die Linien im Land „verlaufen nicht zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Arm und Reich“.

CDU-Mann fordert Bas-Rücktritt – Junge Union übt scharfe Kritik

Im Anschluss an den Bundeskongress äußerte sich der CDU-Wirtschaftspolitiker Christian von Stetten besonders deutlich: „Wenn die Arbeitsministerin öffentlich zum Kampf gegen Arbeitgeber aufruft, ist sie eine Fehlbesetzung im Amt“, sagte von Stetten der Bild.

Von Stetten ist Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag sowie Chef des mächtigen Parlamentskreises Mittelstand, dem rund zwei Drittel der Unionsabgeordneten angehören – seine Worte haben Gewicht. Die implizierte Forderung: Bas solle ihren Posten räumen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Auch der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, attackierte die Arbeitsministerin, laut der dpa: „Regierungsfähigkeit heißt Reformfähigkeit“, sagte er vor einer Sitzung des CDU-Vorstands in Berlin. „Und wenn Bärbel Bas am Wochenende nochmal zu gemeinsamem Kampf gegen die Arbeitgeber in Deutschland aufruft, dann sagt das alles über die Reformfähigkeit der SPD aus.“ Aus der Jungen Union ertönte zuvor besonders starke Kritik an den geplanten Rentenreformen.

Rentenstreit ist heikles Regierungs-Thema – CDU-Generalsekretär versucht Beschwichtigung

Kritik an den Aussagen gab es auch vom Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Die Äußerungen der Arbeitsministerin seien eine „Zumutung“, sagte er laut der AFP. „Die Behauptung, Arbeitgeber denken nur an sich, ist schlicht falsch.“ Für die Bundesregierung aus SPD, CDU und CSU ist der Rentenstreit ein heikles Thema.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann versuchte, die jungen Ausreißer im Rentenstreit zur Zustimmung zu bringen. Es gehe am Ende auch um eine Abwägungsfrage, so Linnemann nach Beratungen in Berlin. Auch Bas knüpfte das Gelingen des Rentenpakets trotz aller Kritik an das Fortbestehen der Regierungskoalition.

Im Rentenstreit gegen Junge Union: Jusos stärken Bas den Rücken

Trotz eigener Kritikpunkte, besonders zum Thema Bürgergeld, stärkten die Jusos der Arbeitsministerin Bas im Rentenstreit den Rücken. Es sei gut, dass Bas standhaft bliebe. Türmer betonte, die Junge-Unions-Politiker sprächen nicht für ihre Generation, sondern führten die Debatte „aus der Perspektive von Trustfund-Babies, die Barbour-Jacken tragen“.

In einem Seitenhieb gegen Friedrich Merz (CDU) sagte der am Vorabend erneut gewählte Juso-Chef Philipp Türmer: „Unser Bundeskanzler ist doch das beste Beispiel, dass man vielleicht nicht bis 70 arbeiten sollte“. In der Bundesregierung brauche es andere Führungsspieler – solche aus der SPD.

Arbeitsministerin Bärbel Bas „im Orkan“ der Kritk – SPD-Politikerin will kein Mitleid

Arbeitsministerin Bas ist sich dem Sturm der Kritik offenbar bewusst. „Ich stehe gerade nicht nur im Wind, sondern im Orkan“, sagte sie laut der Berliner Zeitung in Bezug auf die Kritik der Jusos zur Bürgergeldreform. Mitleid wolle sie trotzdem nicht, betonte die SPD-Politikerin. Die Jusos ließen auf dem Bundeskongress durchscheinen, dass sie sich auch im Thema Bürgergeld mehr Mumm gewünscht hätten. „Bullshit“, nannte die Chefin des NRW-Landesverbands der Jusos, Nine Gaedike, den Entwurf. (Quellen: dpa, AFP, Bild, Berliner Zeitung, eigene Recherche) (lismah)

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