Rob Jetten gilt als Gewinner der Niederlande-Wahl – sein Plan gegen Wilders funktionierte
VonStephanie Munk
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Die D66 von Rob Jetten steht bei der Niederlande-Wahl gleichauf mit der PVV von Geert Wilders. Ein Experte erklärt das gute Ergebnis.
Den Haag – Die Niederlande haben gewählt und für eine große Überraschung gesorgt. „Das Ergebnis der Wahl ist historisch, unter anderem, weil eine Partei mit an der Spitze steht, die nie so weit vorne war: die D66. Sie hat ihr historisch bestes Ergebnis erzielt“, sagte Politologe Markus Wilp vom Zentrum für Niederlande-Studien an der Universität Münster am Tag nach der Niederlande-Wahl im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Bei der Regierungsbildung in den Niederlanden wird laut den Ergebnissen an der D66 so schnell niemand vorbeikommen.
Die D66 erreichte bei der letzten Parlamentswahl 2023 nur neun Mandate, diesmal liegt ihr Ergebnis bei prognostizierten 26 Sitzen. Das ist der erste Platz, gemeinsam mit Geert Wilders, Frontmann der rechtspopulistischen PVV. Was für die D66 allerdings ein Triumph bedeutet, ist für Wilders nach ersten Ergebnissen ein Schlag ins Gesicht: Er war bei der Wahl 2023 mit 37 Mandaten klarer Wahlsieger gewesen und hat laut vorläufigem Ergebnis elf Sitze verloren.
Wegen Rob Jetten wurde die Partei D66 zum Gewinner der Niederlande-Wahl laut Ergebnis
Niederlande-Experte Wilp glaubt, dass die Partei D66 es vor allem ihren Spitzenkandidaten Rob Jetten zu verdanken hat, dass sie jetzt bei der Niederlande-Wahl diesen historischen Aufschwung erlebte: „Vor drei Wochen hatte man auf gar keinen Fall damit gerechnet, dass die Partei so stark wird“, schilderte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber dann waren drei Wochen voller TV-Debatten und voller Talkshows und da war Rob Jetten sehr, sehr präsent. Er ist der Politiker, der vielleicht sogar die meiste Medienzeit hatte und er war bei seinen Auftritten sehr überzeugend.“
Rob Jetten verfolgte Strategie gegen Wildersbei Niederlande-Wahl – „Positive Botschaften“
Wie aber überzeugt Rob Jetten bei der Niederlande-Wahl? Politologie Wilp glaubt, er versprühte einen Optimismus für das Land, die viele Wählerinnen und Wähler angesprochen hat. „Jetten ist den Schreckens- und Untergangsszenarien, die Wilders immer wieder vermittelt, mit ganz vielen positiven Botschaften entgegengetreten. Er hat gesagt, es kann eigentlich alles doch auch gut werden, wenn wir unsere Kräfte bündeln und gemeinsam Lösungen für unsere Probleme erarbeiten. Er wollte den Negativismus, den man jetzt seit 20 Jahren von Wilders hört, endgültig beenden.“
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Dazu passend war der Wahlslogan der D66 für die Niederlande-Wahl: „Het han wél“, zu Deutsch: „Es geht doch.“ Rob Jetten bezeichnete das Ergebnis nach der Niederlande-Wahl als „Sieg über den Hass“ und „Abschied von politischer Negativität“.
Rob Jetten als überraschende Gewinner der Niederlande-Wahl – Wofür steht die Partei D66?
Was aber ist der Überraschungs-Gewinner D66 für eine Partei? Laut Wilp steht sie genau in der Mitte der stark zersplitterten Parteienlandschaft der Niederlande. Mit einer Partei in Deutschland sei sie eigentlich nicht zu vergleichen – am ehesten noch mit dem sozialliberalen Flügel der FDP. Dass die D66 genau im Zentrum des Parteiensystems stehe, bringe den Vorteil, dass sie aus verschiedenen Lagern – sowohl von rechts als auch links – Stimmen ziehen könne. Wichtig ist dies gerade angesichts der vielen Wechselwähler in den Niederlanden. „Es gibt offene Türen in viele Richtungen“, so der Niederlande-Experte. Das zeigten auch Daten zur Wählerwanderung nach der Niederlande-Wahl: Jetten hat sowohl Wähler von links als auch rechts abgeworben hat.
Rob Jetten vertrat härteren Asylkurs und warb bei Niederlande-Wahl Wähler von Wilders ab
Rob Jetten wiederum ist laut Markus Wilp mit 38 Jahren ein junger, aber doch auch erfahrener Politiker, der schon seit einigen Jahre im Parlament sitzt. Unter Ex-Premierminister Mark Rutte war er Klima- und Energieminister. Vor der Niederlande-Wahl am Mittwoch habe er die Partei nach rechts geöffnet, heißt es in einer Analyse des Handelsblatts. Jetten verknüpfte das Thema Migration mit Wohnraummangel und vertrat einen härteren Asylkurs als es für die D66 in der Vergangenheit üblich war.
Rob Jetten unterließ aber vor der Niederlande-Wahl islamfeindliche Parolen, die für Geert Wilders typisch sind. Sehr präsent ist Rob Jetten auch in den sozialen Medien – auf TikTok liegt er klar vor allen anderen niederländischen Spitzenkandidaten, auf Instagram hat nur Geert Wilders mehr Follower. (Quellen: eigene Recherche, Handelsblatt). (smu)