- VonBettina Menzelschließen
Die Ukraine-Offensive hat den Frontverlauf um 250 Quadratkilometer verschoben. Doch Russland kontrolliert weiter ein Vielfaches – und hat ein Bollwerk errichtet.
Kiew – Der Vormarsch der ukrainischen Truppen in der Gegenoffensive ist langsam, aber stetig. Täglich komme man 50 bis 200 Meter in voran, hieß es von einem Sprecher eines Frontabschnitts in der Nacht zum Dienstag. Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) veröffentlichte am Montag (11. September) ihre täglich aktualisierte Karte vom Frontverlauf – sie zeigt die Fortschritte der ukrainischen Truppen im Ukraine-Krieg.
Ukraine-Krieg: Frontverlauf zeigt Fortschritte der ukrainischen Truppen
Das Vorankommen der ukrainischen Truppen geht mal schneller und mal langsamer. „Manchmal sind es Kilometer und manchmal gibt es überhaupt keine Bewegung, da wir uns festsetzen und unsere Truppen schützen müssen“, sagte Olexander Schtupun, der Sprecher des Frontabschnitts „Taurien“, in der Nacht zum Dienstag im ukrainischen Fernsehen, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete.
Insgesamt habe man seit Beginn der Offensive über 250 Quadratkilometer des Landes befreit, so Schtupun weiter und bezog sich dabei auf die Arbeit der operativ-strategischen Gruppe Tavria. Russische Truppen würden erfolglos versuchen, „verlorene Stellungen zurückzugewinnen oder unsere Einheiten abzulenken“, sagte der Sprecher. Aufgrund der Verluste müsse Russland immer wieder Reserven heranziehen.
— ISW (@TheStudyofWar) September 15, 2023
Neuer Frontverlauf: Ukraine festigt offenbar Stellungen südlich des Dorfes Robotyne
Anfang September war der Ukraine bei Robotyne der erste Einbruch in die russischen Verteidigungslinien gelungen. Man befinde sich derzeit zwischen der ersten und zweiten Verteidigungslinie, hieß es vom ukrainischen Militär dazu. Den neuen Frontverlauf scheint die Ukraine in dieser Region nun zu festigen: Generalstabssprecher Andrij Kowaljow hatte am Dienstag auf Facebook berichtet, dass sich die ukrainischen Einheiten auf den neu erreichten Positionen südlich und südöstlich des Dorfes Robotyne im Gebiet Saporischschja festsetzen.
Auch aufgrund der zögerlichen Waffenlieferungen des Westens hatte Russland rund ein Jahr Zeit gehabt, ein massives Bollwerk aus Panzersperren, Minenfeldern und Schützengräben aufzubauen, das Kiews Truppen in der Gegenoffensive nun mühsam durchbrechen müssen.
Gegenoffensive der Ukraine: 100.000 Quadratkilometer des Landes weiter russisch besetzt
Die Ukraine setzt ihre Gegenoffensive in den Oblasten Donezk und Saporischschja fort und rückte dem jüngsten ISW-Bericht zufolge in der Nähe von Bachmut und im Westen der Oblast Saporischschja weiter vor. „Befreit wurden im Abschnitt Bachmut im Verlaufe der vergangenen Woche zwei Quadratkilometer“, teilte Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar am Montag bei einem Pressebriefing mit. Im Donezker Gebiet seien 49 Quadratkilometer zurückerobert worden, im Gebiet Saporischschja südlich des Dorfes Robotyne und westlich des Ortes Werbowe lägen die Fortschritte bei 1,5 Quadratkilometern. In einer interaktiven Karte zeigt das ISW den Frontverlauf seit Beginn des Ukraine-Kriegs.
Trotz der Erfolge der Gegenoffensive kontrolliert Moskau - die 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim eingeschlossen - weiter mehr als 100.000 Quadratkilometer ukrainischen Staatsgebiets. Die Ukraine hat laut einer Einschätzung des US-Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency eine Chance von 40 bis 50 Prozent, die verbliebenen russischen Verteidigungslinien bis Ende des Jahres zu durchbrechen. Kyrylo Budanow, der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR), glaubt indes, dass Russland im Ukraine-Krieg nur noch „maximal ein Jahr“ durchhalten kann.
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