Neue Sanktionen

Rostende Tanker als hybride Kriegswaffe: EU verschärft Kampf gegen Putins Öl-Armada

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Die Sanktionen gegen Putins Schattenflotte sollen verschärft werden. Die Schiffe sind längst zum globalen Problem und Teil des hybriden Kriegs geworden. Eine Analyse.

Update, 15:34 Uhr: Wie Reuters berichtet, hat sich die Europäische Union auf neue Sanktionen gegen Unternehmen und Einzelpersonen verständigt, die Russland bei der Umgehung westlicher Sanktionen gegen Ölexporte helfen sollen. Bislang hat die EU 19 Sanktionspakete verhängt. Russland setzt seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs auf die sogenannte Schattenflotte, die ein Großteil des russischen Öls exportiert und abseits der westlichen Schifffahrtsindustrie operiert.

Erstmeldung: Moskau/Brüssel – Sie rosten, gelten wegen unzureichender Wartung als potenzielle Gefahr für die Weltmeere und geraten immer wieder ins Visier westlicher Sanktionen: die Schiffe von Wladimir Putins Schattenflotte. Am Montag, dem 15. Dezember, beraten die Außenminister der EU-Staaten über eine weitere Verschärfung gegen die Schiffe, die das für Russlands Wirtschaft zentrale Ölgeschäft am Leben halten. Nach Angaben von Diplomaten sollen etwa 40 weitere Tanker auf die Liste mit Schiffen kommen, die nicht mehr in europäische Häfen einlaufen und nicht mehr versichert werden dürfen. Auch Sanktionen gegen Unterstützer sind vorgesehen.

Putins Schattenflotte ist ein bekanntes Problem. Nun soll es neue Sanktionen geben. (Symbolbild)

Die Schiffe der sogenannten Schattenflotte Russlands sind seit Jahren ein Instrument des Kreml, einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen. Dafür werden meist veraltete Schiffe und verschiedene Methoden, wie Ship-to-Ship-Transfers oder Flaggenwechsel, genutzt, um die Herkunft von Ölladungen zu verschleiern. Erst Anfang Dezember deckte ein deutscher Rechercheverbund auf, wie die Tanker und Frachter ohne funktionierende Ortungssysteme fahren. Doch die Risiken sind mittlerweile groß: Das Ölgeschäft Putins ist inzwischen zum Ziel der ukrainischen Drohnenarmee geworden. Und für Russland sind die rostigen Tanker längst zur Waffe in einem hybriden Krieg geworden.

Sanktionen gegen Putins Schattenflotte: Rostige Tanker als Gefahr auf der Ostsee

Die genaue Zahl der unzureichend versicherten oder fälschlich registrierten Schiffe, die zu Russlands Schattenflotte gehören sollen, ist unbekannt. Mit jedem Sanktionspaket der EU steigt die Zahl der verdächtigen Tanker und liegt inzwischen, je nach Quelle, deutlich vierstellig. Laut der Kyiv School of Economics sind es inzwischen 1378 Schiffe, denen eine Zugehörigkeit zu Russland angerechnet wird. Für den Kreml hat sich die Schattenflotte zur zentralen Lebensader der Wirtschaft entwickelt. Nach Schätzungen des Europäischen Parlaments sollen die Frachter im vergangenen Jahr für bis zu 70 Prozent der russischen Seeexporte verantwortlich sein.

Für die Schifffahrt ist die russische Schattenflotte längst zur großen Gefahr geworden. „Es ist das neue Normal in der Schifffahrt, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass das, was man auf der digitalen Navigationskarte sieht, auch der Wirklichkeit entspricht“, erklärt Elisabeth Braw von der Denkfabrik Atlantic Council gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ). Jeden Tag würde das Risiko eines Unfalls bestehen. Die Vorfälle von AIS-Lücken, bei denen die digitale Ortung der Schiffe für mehr als acht Stunden oder einer Fahrtstrecke von über 200 Kilometern ausgestellt ist, haben demnach gravierend zugenommen.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Laut der SZ nehmen die Zwischenfälle besonders auf der Ostsee zu. Spätestens durch den NATO-Anschluss der skandinavischen Länder hat sich die Schifffahrtsstraße längst zu einem geopolitisch bedeutenden Gewässer entwickelt. Dass die Ausfälle allein auf Defekte zurückzuführen sind, gilt als unwahrscheinlich. Vielmehr wird angenommen, dass Putins Schattenflotte so versucht, genaue Aktivitäten auf den Weltmeeren zu verschleiern. Hinzu kommt, dass inzwischen vermehrt das sogenannte Spoofing, also das bewusste Manipulieren der AIS-Signale, genutzt wird. Nach Einschätzung des regierungsnahen Estonian Centre for Strategic Studies ist Putins Schattenflotte inzwischen eine „strukturelle Komponente einer Staatskunst“ geworden.

Russlands Schattenflotte: Ostsee als Risiko für „NATO-Schlachtfeld“

Bereits 2024 vermuteten Sicherheitskreise, dass die Tanker von Putins Schattenflotte Überwachungsaufgaben in der Nähe von kritischer Infrastruktur durchführen könnten, um Vorteile im Ukraine-Krieg zu erreichen. Die schwedische Marine hatte vergangenes Jahr dokumentiert, dass verdächtige Schiffe möglicherweise Informationen sammeln, da einige von ihnen mit Geräten ausgestattet sind, die typischerweise zum Abfangen von Kommunikation verwendet werden. Zudem werden die Frachter auch in einzelnen Fällen mit Defekten an Unterseekabeln in Verbindung gebracht. Laut Guardian gelten die Seegebiete um Finnland und Schweden als potenzielles „NATO-Schlachtfeld“.

Dass die Schattenflotte womöglich über den Zweck der Absicherung von Russlands Wirtschaft hinausgeht, schrieb die Kyiv School of Economics bereits 2024. Doch die Gefahr besteht nicht nur für die globale Sicherheit: Da die Flotte laut Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik überwiegend aus „alten, oftmals ausrangierten Öltankern“ besteht, ist sie zu einem gewaltigen schwimmenden Risiko für die Umwelt geworden. Havarierte Schiffe, wie seit einem Jahr vor Rügen, könnten im schlimmsten Fall die Ursache für Umweltkatastrophen, wie eine Öl-Pest, werden.

Herausforderung für EU: Neue Sanktionen gegen Putins Schattenflotte

Doch wie kann wirksam gegen die russische Schattenflotte vorgegangen werden? Die EU-Staaten versuchen aktuell, mit neuen Sanktionen den Handlungsspielraum der Schiffe weiter einzuschränken. Im November schrieb Politico, dass es auch hilfreich sein könnte, die Befugnisse zum Entern verdächtiger Schiffe zu Inspektionszwecken zu stärken. Laut The Week besteht aktuell ein großes Hindernis darin, dass es mittlerweile zur Normalität geworden ist, Schiffe durch einfache Registervorschriften in bestimmten Ländern zu registrieren und so den Kontrollen zu entziehen.

Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs stellt Russland mit der Schattenflotte immer wieder exemplarisch die Grenzen westlicher Sanktionspolitik in einer globalisierten Welt unter Beweis. Trotz Maßnahmen zahlreicher Länder zeigt die Praxis, wie leicht sich Restriktionen unterlaufen lassen. Zugleich ist sie Ausdruck einer geopolitischen Verschiebung: Russland akzeptiert höhere Risiken – für Umwelt, Sicherheit und Recht – um staatliche Einnahmen zu sichern. Rostige Tanker mit Verbindung zum Kreml sind damit längst zu einer doppelten Herausforderung geworden. (Quellen: Süddeutsche Zeitung, Guardian, Atlantic Council, Kyiv School of Economics, Politico, The Week) (fbu)

Rubriklistenbild: © DAMIEN MEYER / AFP

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