Russlands Gasproblem

Sanktionen treffen Russlands Wirtschaft: Putins Schattentanker bleibt offenbar im Eis stecken

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Um sein LNG-Geschäft fortzuführen, setzt Kremlchef Putin die berüchtigten Schiffe seiner Schattenflotte ein. Doch diese stehen offenbar vor Herausforderungen.

Moskau – Kremlchef Wladimir Putin will seine Handelspartner weiterhin mit sanktioniertem Flüssigerdgas beliefern. Doch Berichten zufolge stößt einer der beauftragten Tanker auf große Hindernisse. Der Tanker „Buran“, der zur russischen Schattenflotte gehört, erreichte sein Ziel erst gar nicht und konnte deshalb kein LNG verladen.

Russlands Wirtschaft will weiterhin LNG verkaufen – Putins Schattenflotte vor großen Problemen

Eigentlich sollte der Tanker Buran zur sanktionierten LNG-Anlage Arctic-LNG-2 fahren und dort produziertes Flüssigerdgas verladen. Wie Bloomberg unter Berufung auf Schiffsdaten berichtet, steuerte der Tanker die Anlage Ende November zwar an, näherte sich aber nur dem Golf von Ob und fuhr dann in Richtung der russischen Hafenstadt Murmansk. Grund ist laut Bloomberg das schwer zu durchbrechende, dicke Meereis, welches dem Tanker die Durchfahrt zur Anlage unmöglich machte.

Putins Tanker stehen vor Problemen bei den LNG-Geschäften.

Der Tanker Buran gehört zur sogenannten Eisklasse Arc4. Diese Schiffe können laut CREA (Center for Research on Energy and Clean Air) mittelschwere bis schwere Eisschichten mit einer Dicke von bis zu einem Meter durchbrechen. Das Meereis vor Putins Arctic-LNG-2-Anlage dürfte allerdings viel dicker sein. Deshalb wären eigentlich Tanker der Eisklasse Arc7 für den Transport nötig. Arc7 ist die höchste Klasse der eisbrechenden Schiffe.

Russlands Wirtschaft will Sanktionen umgehen – Weg zur wichtigen LNG-Anlage bleibt ein Problem

Besonders in den kalten Wintermonaten wird es für Tanker schwieriger, das Meereis zu durchbrechen. Putin will deshalb noch mehr Tanker der Kklasse Arc7 bauen lassen, um weiterhin sein LNG an seine Kunden zu verkaufen. Unterstützung könnte er dabei von China bekommen, einem der wichtigsten LNG-Abnehmer. Gegenüber der Wirtschaftswoche berichtete Paul-Albert Leroy, Leiter LNG beim französischen Schiffsbroker BRS, dass China in der Lage wäre, solche Tanker zu bauen.

Für Putin und seine Kriegswirtschaft sind LNG-Exporte eine wichtige Einnahmequelle. Infolge der Sanktionen setzt Russland immer stärker auf asiatische Käufer, wie eben China. So hat der russische Energieriese Gazprom laut Reuters trotz Sanktionen im Herbst dieses Jahres eine Ladung russisches LNG nach Peking geliefert. Daten der London Stock Exchange (LSEG) belegten, dass ein mit russischem Flüssigerdgas beladener Tanker den südchinesischen Hafen Tieshan Ende Oktober 2025 erreichte.

China könnte der russischen Wirtschaft beim LNG helfen – EU verschärft Sanktionen

Martin Senior, Leiter der Preisgestaltung bei der Agentur Argus, erklärte, dass die Exporte nach China im Winter zunächst auf etwa eine Lieferung pro Monat begrenzt sein könnten. Das liege daran, dass das Terminal nur über eine begrenzte Kapazität und keine direkt angebundenen Transportschiffe verfüge. Langfristig sollen grundsätzlich bis zu etwa drei Lieferungen im Monat möglich sein. Um künftig noch mehr Gas nach China zu liefern, will Putin neue Pipelines bauen lassen. Die Power-of-Siberia-2 wird somit das nächste große LNG-Projekt, wodurch der russischen Wirtschaft der LNG-Export vereinfacht werden soll.

Der Westen unternimmt indes weitere Schritte, um Putins LNG-Geschäfte einzudämmen. Die EU will beispielsweise die Einfuhr russischen LNGs bis Dezember 2026 komplett einstellen. Für Pipelinegas gilt der Stopp ab September 2027. Sollten Mitgliedstaaten Schwierigkeiten haben, die erforderlichen Speicherfüllstände zu erreichen, greift das Einfuhrverbot für Pipelinegas erst ab dem 1. November 2027 gelten.

Putins Schattenflotte umgehen nicht nur LNG-Sanktionen – auch für Öl-Exporte sind sie wichtig

Die Schattenflotte spielt bei den russischen Energiegeschäften eine wichtige Rolle. Anfangs griff Putin auf Schattentanker zurück, um westlichen Öl-Sanktionen, insbesondere die Preisobergrenze, zu umgehen. Laut einer Analyse des unabhängigen finnischen Forschungsinstituts Centre for Research on Energy and Clean Air exportierte Russland im Oktober 44 Prozent seines Öls mithilfe sanktionierter Tanker, die zur russischen Schattenflotte gehören. Rund 18 Prozent russischen Öls wurden mit nicht sanktionierten Schattenflottentankern transportiert. (Quellen: Bloomberg, Reuters, LSEG-Daten, CREA) (bohy)

Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/dpa/Friedemann Kohler/dpa (Archivbild)

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