Putin setzt Machthaber unter Druck

Rückzug aus Syrien: Russland verlegt Militär in neues Mittelmeer-Land

  • schließen

Es sieht so aus, als würde Russland seine Streitkräfte aus Syrien in ein benachbartes Land verlegen, um seinen Mittelmeer-Zugang nicht zu verlieren.

Moskau – Nach dem Sturz des Ex-Diktators Baschar al-Assad und der Machtübernahme der HTS-Rebellen um Abu Mohammed al-Dscholani bleibt unklar, ob Russland seine zwei Militärstützpunkte in Syrien behalten wird. Das schreibt die Moscow Times. In den vergangenen Tagen berichteten internationale Medien, dass der russische Präsident Wladimir Putin seine Streitkräfte wohl weiterhin in Syrien behalten könnte. Diese Behauptung könnte sich nun als Kreml-Propaganda erweisen.

Denn: Satellitenbilder zeigen, wie sich russische Militärtransporte innerhalb Syriens bewegen, berichtet unter anderem die Tagesschau. Russland ziehe wohl Fahrzeuge und Luftabwehrsystems aus anderen syrischen Gebieten auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim zusammen. Ob die Transporter und Waffen das Land verlassen werden, ist zurzeit unklar.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie.  © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama.
Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads.
Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel
Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo.
Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern.
Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee.
Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien.
Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam
Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln.
496721846.jpg © Omar Albam / dpa
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren.
Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam
Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt.
Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo.
Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist.
Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt.
Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee.
Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt.
Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad
Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama.
Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug.
Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft.
Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz.
Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold

Satellitenbilder zeigen: Russlands Schiffe verlassen Tartus in Syrien

Zudem zeigten weitere Satellitenbilder, dass die russischen Militärschiffe den Hafen von Tartus verlassen haben. Dort waren zuletzt sechs Schiffe stationiert, sagten Militärexperten.

Bereits die Sowjetunion nutzte Tartus als Marinestandort. Putins Armee unterstütze den mittlerweile nach Moskau geflohenen Assad – der sich nun erstmals zu Wort meldete - im Bürgerkrieg in Syrien. Der Hafen ist der einzige direkte Mittelmeer-Zugang für Moskau. Falls der Kreml den Standort verlieren würde, wäre das ein großer geopolitischer Rückschlag für Russland – auch für die Aktivitäten in Afrika.

Vor Kurzem hatte Peskow davon gesprochen, dass es eine Weile dauern werde, bis die Instabilität in Syrien vorüber sei. Erst dann seien ernsthafte Gespräche mit den neuen Machthabern möglich. Zur Frage der Militärstützpunkte hatte Peskow erklärt, dass es „keine endgültigen Entscheidungen in dieser Angelegenheit“ gebe. Die russische Führung stehe in Kontakt mit „Vertretern jener Kräfte, die derzeit die Lage im Land kontrollieren“ – und: „All das“ werde „im Rahmen des Dialogs geklärt“, so Kreml-Sprecher.

Offenbar verlegt Russland seine Kriegsschiffe aus Tartus (Syrien) nach Libyen (Archivfoto).

Sprecher in Syrien: Russland sollte seine Präsenz und Interessen überdenken

Nun hätten russische Diplomaten der Moscow Times erklärt, dass ein vollständiger Abzug Russlands aus Syrien – einschließlich der Militärstützpunkte - wahrscheinlich sei.

„Wir fühlen uns nicht unsicher und hoffen auf freundschaftliche Beziehungen mit der neuen Regierung, sobald sie eine rechtmäßige Regierung ist“, sagte ein Vertreter des russischen Militärs in Hmeimim in einem Guardian-Interview.

Die neuen starken Kräfte in Syrien scheinen Russland sehr kritisch gegenüberzustehen. Sie haben nicht vergessen, wie rücksichtslos vor allem Putins Luftwaffe politische Gegner und die syrische Zivilbevölkerung bombardiert hatte, um Assad an der Macht zu halten. Der Sprecher der syrischen Übergangsregierung, Obeida Arnaout, sagte:

Ich denke, dass Russland seine Präsenz auf syrischem Territorium und seine Interessen überdenken sollte. Seine Interessen waren mit dem kriminellen Assad-Regime verbunden.

Obeida Arnaout

Russland verlegt seine Streitkräfte offenbar nach Libyen

Aber: Offenbar will Russland seine Ambitionen im Mittelmeer nicht aufgeben. Putins Streitkräfte verlegen Truppen von Syrien nach Lybien, berichtet CNN – unter Berufung auf anonyme US-amerikanische Beamte. Russland betrachte den Seehafen von Benghazi als Alternative zum syrischen Marinestützpunkt Tartus und den libyschen Luftwaffenstützpunkt Al Khadim als Ersatz für Hmeimim.

Putin versucht den Befehlshaber der libyschen Armee, Khalifa Haftar, unter Druck zu setzen. Haftar ist der starke Mann im Osten Libyens. Im Westen regiert Premierminister Abdul Hamid Dbeiba. Der Kreml hat Haftar mehrmals unterstützt – insbesondere mit Waffen und Söldnern, schreibt Defense Express. (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare