- VonEileen Kelpeschließen
Russland will die Kontrolle über die Privatarmeen übernehmen. Jetzt droht der Kleinkrieg zwischen Prigoschin und der Militärführung zu eskalieren.
Kiew/Moskau – Das russische Verteidigungsministerium unter Minister Sergei Schoigu will die Privatarmeen, die im Krieg gegen die Ukraine agieren, unter seine Kontrolle bringen. Bis zum ersten Juli müssen die Einheiten einen entsprechenden Vertrag unterzeichnen. Dafür sollen sie im Gegenzug staatliche Unterstützung und Schutzmaßnahmen wie reguläre Soldaten erhalten, berichtete unter andrem die Nachrichtenagentur Reuters.
Mittlerweile sollen rund 40 Freiwilligenverbände unterschrieben haben, darunter auch die tschetschenische Privatarmee Achmat unter Ramsan Kadyrow. Doch eine zweite wichtige Söldnertruppe weigert sich bislang: die Wagner-Gruppe.
„Meuterei“ der Wagner-Gruppe: Prigoschin stellt sich gegen Schoigu
Der Unternehmer Jewgeni Prigoschin, Gründer der Wagner-Gruppe, veröffentlichte am Sonntag (11. Juni) über seinen Telegram-Kanal eine Sprachnachricht, in der er betont, sich nicht unter der Kontrolle des Verteidigungsministeriums stellen will, berichtet die dpa.
Progoschin warf dem russischen Verteidigungsminister Schoigu vor, dass dieser bisher nicht in der Lage gewesen sei, seine eigenen Truppen zu führen. Wagner werde daher keine Verträge mit Schoigu unterzeichnen. Der frühere russische Befehlshaber Igor Girkin, der sich mittlerweile zum Putin-Kritiker entwickelt hat, warf Prigoschin daraufhin „Meuterei“ vor: „Das ist ein Akt der Meuterei, wenn man das Wort beim Namen nennt“, schrieb Girkin am Sonntag in einem Telegram-Beitrag.
Prigoschin wirft russische Armee „Unfähigkeit“ vor
Es könne sein, dass Wagner keine Waffen und Munition erhalte, sollte er seine Weigerung aufrechterhalten. Doch nur so lange, bis das Ministerium die Hilfe der Privatarmee brauche, so Prigoschin. Außerdem betonte er mit Blick auf die Befehlsgewalt, dass er sich Präsident Wladimir Putin als Oberbefehlshaber und den Interessen Russlands unterordne.
Dagegen hatte er Schoigu und dem russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow angesichts einer Vielzahl an Niederlagen im Ukraine-Krieg bereits zuvor Unfähigkeit vorgeworfen. Eine Reaktion von offizieller Seite in Moskau auf Prigoschins Weigerung gab es laut dpa zunächst nicht. (eike/dpa)
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