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Russland will Atomwaffen nach Belarus verlegen. Nach Einschätzung der USA gibt Lukaschenko zunehmend die Kontrolle über sein Land an Moskau ab.
Moskau/Minsk – Im März hatte Wladimir Putin ein Abkommen mit Alexander Lukaschenko verkündet, das die Stationierung sogenannter taktischer Atomwaffen Russlands in Belarus vorsieht. Doch die Kontrolle über die Atomwaffen liege auch dann weiter im Kreml, versicherte der russische Präsident.
Nun hat sich das US-Außenministerium zu den Plänen geäußert. Washington vermutet, dass sich Putin mit seinen Atomraketen zunehmend die Kontrolle über Belarus verschafft.
USA: Belarus gibt Kontrolle an Putin ab
Das Abkommen zwischen Russland und Belarus sei „ein weiteres Beispiel dafür, dass Lukaschenko verantwortungslose und provokante Entscheidungen trifft, um gegen den Willen der Bevölkerung mehr Kontrolle an den Kreml abzutreten“, sagte Matthew Miller, Sprecher des US-Außenministeriums. „Hinsichtlich Russland ist es ein weiterer verantwortungsloser Schritt des Kremls“, fügte er hinzu. Die USA würden die Durchführung der Pläne und die Folgen für die Region sowie den Krieg in der Ukraine genau verfolgen.
Die Atomwaffen würden gebraucht, um Belarus vor einem Angriff zu schützen. Der Westen versuche schon seit Jahren, das Land auseinander zu reißen, hatte Lukaschenko behauptet. „Die Bomben sind dreimal so leistungsstark wie die Bomben in Hiroshima und Nagasaki“, sagte der seit 1994 in Minsk herrschende 68-Jährige. „Etwa eine Million Menschen sterben sofort. Gott bewahre uns davor, diese Waffe einzusetzen“, sagte Lukaschenko. Im Kriegsfall könne er Putin jederzeit anrufen.
US-Präsident Joe Biden schätze das Abkommen als „extrem negativ“ ein. Die USA und Nato würden jedoch nach wie vor keine Anzeichen dafür sehen, dass Russland die Atomwaffen auch einsetzt. Putin sagte, die Stationierung der Raketen in Belarus würde am 7. oder 8. Juli abgeschlossen ein. Kurz darauf sollen sie mit nuklearen Sprengköpfen ausgestattet werden, von denen die ersten mittlerweile eingetroffen seien. „Alles läuft nach Plan“, sagte der russische Präsident vergangene Woche bei einem Treffen mit Lukaschenko in Sotschi.
Belarus ist Russlands engster Verbündeter – auch im Krieg gegen die Ukraine
Gegenüber Newsweek sagte die belarussische Opposition, dass die Stationierung von Atomraketen das belarussische Volk bei einem Konflikt mit dem Westen gefährden würde. Zudem würde es nur noch mehr Widerstand gegen Lukaschenkos Herrschaft schüren.
Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands und unterstützt die Großmacht im Ukraine-Krieg logistisch. Dabei stellt Lukaschenko belarussisches Territorium für den Angriff auf das Nachbarland im Süden zur Verfügung. Belarus erhält nach der freiwilligen Abgabe seiner Atomwaffen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erstmals seit den 1990ern Jahren wieder nukleare Raketen. Stationiert werden sollen Iskander-Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Auch mehrere belarussische Kampfflugzeuge wurden demnach auf die neuen Waffen umgerüstet. (lrg/dpa)
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