- VonBettina Menzelschließen
Ukrainische Drohnen erreichen Moskau und die Krim. Russland versucht, die unbemannten Fluggeräte mit dem kostengünstigen Störsender Peroed vom Himmel zu holen.
Kiew – Kiew setzt im Ukraine-Krieg auf Drohnen – ganz im Sinne der Taktik der „tausend Nadelstiche“. Russland versucht, bei der Luftabwehr dagegenzuhalten und entwickelte unter anderem den Störsender Peroed. Zwar bietet das System keinen hundertprozentigen Schutz für Putins Panzer. Dafür ist es laut Militärexperten deutlich günstiger als die Drohnen, die sie vom Himmel holen soll.
Ukraine-Krieg: Putins Störsender gegen ukrainische Drohnen – Einsatz in Russlands Schützengräben
Der neue Störsender Russlands ist den Angaben von Defense Express zufolge der tragbare Peroed Anti-Drohnen Jammer. Das System sieht aus wie ein länglicher, grüner Kasten, der auf einem Dreibein montiert ist. Aufgrund seiner kompakten Größe lässt sich der Störsender einfach transportieren und beispielsweise in Schützengräben einsetzen. Der Peroed-Jammer ist laut dem Fachportal ArmyInform speziell für die Abwehr kleinerer unbemannter Fluggeräte und FPV-Drohnen im Ukraine-Krieg ausgelegt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.
💥🇷🇺PŘIJÍŽDÍ NOVÝ RUSKÝ PROTIDRONOVÝ ELEKTRONICKÝ KOMPLEX PEROED PRO POUŽITÍ V ZÁKOPECH !
— Jarmila2222 (@jarmila2222) August 6, 2023
💥🇷🇺 Další ruský výtvor. Zákopová elektronická válka "Peroed".
Pracují jako komplex kompetentně, pod zemí. 🇷🇺💥 pic.twitter.com/QmhwFtCUSn
Putins Luftabwehr: Russlands neuer Störsender offenbar günstiger als die Kiews Drohnen
Geschätzter Kostenpunkt für den neuen russischen Störsender: 3000 US-Dollar – damit ist das Gerät günstiger als die meisten Drohnen der Ukraine. 100-prozentigen Schutz für Putins Panzer gibt es dafür allerdings nicht, was Russland nach Angaben von Defense Express offenbar selbst einräumt. Aus Russland hieß es indes am Mittwoch, man könne 99 von 100 „Terroranschlägen“ verhindern und den „Drohnen-Krieg gegen den kollektiven Westen“ gewinnen. Die russische Peroed-Taktik könnte sein, zunächst auf kostengünstige Quantität zu setzen und bei der Qualität Schritt für Schritt nachzubessern, so Defense Express.
Eine hundertprozentige Abschussquote ist allerdings ohnehin unrealistisch – auch aufseiten der Ukraine, die Hunderte Nato-Störsender im Einsatz hat. Wie hoch die Trefferquote des russischen Peroed-Systems genau liegt, war zunächst nicht bekannt. Der Funkelektronik-Experte Serhii Beskrestnow geht davon aus, dass der Jammer ein „Schild“ gegen ukrainische Drohnen darstellt, aber keine „Kuppel“. Drohnen-Angriffe lassen sich demnach nicht im 360-Grad-Radius abwehren, sondern nur in die Richtung, in die das Gerät deutet.
Ukraine-Krieg: Technische Details des tragbaren Peroed Anti-UAV Jammers
Ein Drohnen-Jammer stört in der Regel das Funksignal des unbemannten Fluggerätes durch das Aussenden elektromagnetischen Lärms, wodurch sich die Drohne nicht mehr orientieren kann. Oftmals fliegt das unbemannte Fluggerät dann zurück zu seinem Piloten, dessen Position der Gegner so herausfinden kann. In anderen Fällen landet das Gerät an Ort und Stelle der Störung.
| Leistung: | 20/40 Watt |
| Maximaler autonomer Betrieb: | 40 Minuten |
| Ladung über: | Autobatterie, Stromnetz, Generator |
| Geschätzte Kosten: | 3000 US-Dollar |
| Einsatzort: | Meist Schützengräben |
| Geschätzte Reichweite: | 15 bis 50 Meter |
Drohneneinsatz im Ukraine-Krieg unterstützt „Moskito“-Taktik Kiews
Während die Befehlsstruktur in der russischen Armee als hierarchisch und zentralisiert gilt, können in der ukrainischen Armee kleinere Einheiten im Rahmen der übergeordneten Strategie vergleichsweise autark handeln und Eigeninitiative im Ukraine-Krieg zeigen. Dieser taktische Unterschied in den Entscheidungsketten macht die ukrainische Armee weniger schwerfällig. Der Einsatz von Drohnen passt zu diesem Ansatz, hier ist auch von der „Moskito-Taktik“ die Rede.
Die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen sind vielfältig. So liefern die Fluggeräte einzelnen ukrainischen Einheiten Lagebilder von der Front. Auch Artillerieeinschläge lassen sich überwachen und damit besser ins Ziel lenken.
Drohnen mit großer Reichweite im Ukraine-Krieg: Angriffe auch auf von Russland besetzte Gebiete
Aufgrund der teils hohen Reichweite der Fluggeräte sind auch Angriffe auf die von Russland besetzten Gebiete möglich. Auf der Halbinsel Krim gelangen Kiews Truppen im Verlauf des Ukraine-Kriegs immer wieder Treffer – etwa auf Kraftwerke, Treibstofftanks und Brücken. Erst am Mittwochmorgen seien nach russischen Angaben zufolge erneut drei ukrainische Drohnen südwestlich von Moskau zerstört worden. Es sei der fünfte Drohnen-Angriff in der Region seit Monatsbeginn gewesen, hieß es vom Kreml.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte Ende Juni, allmählich komme der „Krieg auf das Territorium Russlands zurück – in seine symbolischen Zentren und Militärstützpunkte“. Russland setzt indes bei der Entwicklung von Kampfdrohnen nach: Die S-70 Ochotnik ist ein unbemanntes Fluggerät mit guten Tarnkappeneigenschaften, das offenbar selbst Kampfjets abschießen kann. In Kürze soll die Stealth-Drohne jüngsten Meldungen zufolge den russischen Truppen zur Verfügung stehen.