VonVictoria Krumbeckschließen
Russlands Militärgeheimdienst soll in Polen Spione rekrutiert haben. Ein Ziel soll die Störung von Waffenlieferung über Polen an die Ukraine sein.
Warschau – Die Lage in Polen ist mit Blick auf den belarussischen Nachbarn und seinem Verbündeten Russland ziemlich angespannt. Wagner-Söldner befinden sich seit dem Putschversuch von Jewgeni Prigoschin in Belarus. Mehr als hundert Wagner-Kämpfer sollen der polnischen Grenze immer näher kommen. Als Maßnahme hat Polen seine Grenze zu Belarus zunehmend abgesichert. Doch laut einem Bericht der Washington Post soll Russland Mitarbeitende in Polen für den russischen Militärgeheimdienst GRU rekrutiert haben. Die Waffenlieferung in die Ukraine sollten sabotiert werden.
Russlands Militärgeheimdienst rekrutiert Agent:innen in Polen – Störung von Waffenlieferungen
Wie die Washington Post am 17. August schrieb, sollen zunächst Stellenangebote im Netz aufgetaucht sein. Dort wurden Aufgaben wie das Aushängen von Flugblättern und Schildern von einem anonymen Arbeitgeber beschrieben. Doch eigentlich handelte es sich dabei um das Verbreiten von pro-russischer Propaganda. Für diejenigen, die sich dazu entschlossen, die Arbeit anzunehmen, wurde es gefährlich. Wie polnische Ermittler angaben, wurden die Rekrutierten nach wenigen Wochen damit beauftragt, Kameras an Eisenbahnstrecken anzubringen, polnische Seehäfen auszukundschaften und Ortungsgeräte in Militärfrachten zu verstecken.
Auch die Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) berichtete über den russischen Rekrutierungsversuch. Ein weiterer Auftrag im März 2023 lautete, Züge, die mit Waffen in die Ukraine unterwegs waren, zum Entgleisen zu bringen. Die Ermittler:innen vermuten, dass die GRU dahintersteckt und dass diese Operation auf Nato-Gebiet, die größte russische Bedrohung seit Beginn des Ukraine-Krieges darstellt. Russlands Ziel sei es gewesen, die Waffenpipeline, die durch Polen führt, zu unterbrechen. Laut der Washington Post werden rund 80 Prozent der Waffen an die Ukraine über Polen geliefert. Etwa 20 Prozent kommen über andere Länder in die Ukraine.
Russische Spionage in Polen: „Umfassende Bedrohung bleibt bestehen“
Polnische Beamtinnen und Beamte sind durch Russlands Arbeit alarmiert. „Dies ist das erste Anzeichen dafür, dass die Russen versuchen, Sabotage – sogar Terroranschläge – in Polen zu organisieren“, sagte der Sprecher des Koordinators der Geheimdienste, Stanisław Żaryn der Zeitung. Ein direkt am Fall beteiligter Ermittler des polnischen Inlandsgeheimdienstes ABW erzählte der Washington Post, dass die rekrutierten Menschen unter anderem auch mit der Durchführung von Brandanschlägen und einem Attentat beauftragt worden seien. „Diese Bedrohung wurde beseitigt, aber die umfassendere Bedrohung bleibt bestehen“, sagte er. Das zeigte auch zuletzt die Rhetorik des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die er gegenüber Polen anwendete.
Unter den festgenommenen Menschen, die für die GRU arbeiteten, befinden sich auch zwölf Geflüchtete aus der Ukraine. Offiziell gaben die Beamten dies aber nicht zu. Wohl, um eine von Russland beabsichtigte Gegenberichterstattung zu vermeiden, wie die Washington Post berichtet. Unter den festgenommenen Personen sollen sich noch ein russischer und drei belarussische Staatsbürger:innen befinden. Die polnischen Offiziellen gehen davon aus, dass das Motiv für die aus der Ukraine stammenden Menschen eher Geld als die Ideologie war. (vk)
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