VonPatrick Mayerschließen
Der ukrainische Geheimdienst bekennt sich zu einem Angriff auf die Krim-Brücke im Juli. Eine neue Drohne sei zum Einsatz gekommen, warnt er Russlands Armee.
Krim - Ein Rätsel im Ukraine-Krieg ist wohl gelöst, während Kiew am Mittwoch (16. August) die Einnahme des heftig umkämpften Dorfes Urozhaine im Donbass vermeldete.
Ukraine-Offensive: Angriff auf die Krim-Brücke mit einer Wasserdrohne
Die Ukrainer hatten die Krim am Wochenende mit einer regelrechten Drohnen-Welle überzogen. Nun gab der ukrainische Geheimdienst SBU erstmals auch den folgenschweren Angriff auf die Krim-Brücke Mitte Juli zu. Das berichtet der amerikanische Sender CNN auf seiner Website und verweist auf ein angebliches Video des Angriffs, das der Redaktion zugespielt worden sei.
Zum Einsatz kam demnach wohl eine Überwasser-Drohne im Jetski-Stil, wie zuvor schon bei mehreren Attacken auf die russische Schwarzmeerflotte in Sewastopol. Konkret wurde der Angriff den Angaben zufolge mit einer Wasserdrohne namens „Meeresbaby“ durchgeführt. Ein Tweet des BBC-Journalisten Euan MacDonald (siehe unten) soll die Drohne angeblich zeigen.
Ein Rückblick: In der Nacht auf den 17. Juli war es zu einer Aufsehen erregenden Explosion an der Krim-Brücke gekommen. Die Brücke verbindet die Halbinsel mit dem Festland Russlands in der Region Krasnodar. Die Detonation geschah wohl an einem Brückenpfeiler: Auf der Fahrbahn war kein Raketenkrater zu erkennen.
Angriff auf Krim-Brücke Russlands: Nachschublinie für russische Armee ist gesperrt
Ein Teil der Fahrbahn sackte nach der Explosion ab. Seither ist die Krim-Brücke gesperrt und muss erneut repariert werden, nachdem sie bereits ab Oktober mehrere Monate nach einem gewaltigen Sprengstoff-Anschlag geschlossen war. Eine wichtige Nachschublinie für die Truppen Moskaus auf der Krim entfällt damit immer wieder. Der Kreml lässt die russische Armee unterdessen angeblich mit einem Panzerzug in der Oblast Saporischschja auf der anderen Seite des Asowschen Meeres versorgen.
A Sea Baby marine attack drone of the type used in the latest attacks on the Crimean bridge (July 17) a Russian landing ship (Aug. 4) and Russian oil tanker (Aug. 5). SBU says Ukraine developed these drones, and there will be more "surprises" for the Russians in the Black Sea. pic.twitter.com/tO8rd1CAH1
— Euan MacDonald (@Euan_MacDonald) August 16, 2023
CNN soll nun exklusives Filmmaterial vorliegen, das den Moment im Juli zeigen soll, als die experimentelle Seedrohne die russische Brücke zur annektierten Krim trifft. Der ukrainische Geheimdienst SBU lasse mitteilen, dass weitere solcher Angriffe folgen könnten, heißt es in dem Bericht. Das Video soll den Bildschirm des Drohnen-Piloten unmittelbar vor dem Augenblick zeigen, in dem die mit angeblich bis zu 850 Kilogramm Sprengstoff beladene Drohne auf einen Betonpfeiler der Brücke prallt.
Mit diesen Drohnen haben wir kürzlich einen erfolgreichen Angriff auf die Krim-Brücke, das große Angriffsschiff Olenegorski Gornjak und den SIG-Tanker durchgeführt.
Angriff auf Krim-Brücke Russlands: Ukraine nutzte wohl Seedrohne „Meeresbaby“
Der Chef des SBU, Vasyl Maliuk, erklärte CNN, dass die eingesetzte Drohne„ Sea Baby“ genannt werde, zu Deutsch also „Meeresbaby“. Sie sei das Ergebnis monatelanger Entwicklungsarbeit, die unmittelbar nach der Invasion begonnen habe, erzählte Maliuk weiter: „Meeresoberflächendrohnen sind eine einzigartige Erfindung des Sicherheitsdienstes der Ukraine. Keines der privaten Unternehmen ist beteiligt. Mit diesen Drohnen haben wir kürzlich einen erfolgreichen Angriff auf die Krim-Brücke, das große Angriffsschiff Olenegorski Gornjak und den SIG-Tanker durchgeführt.“
Der SIG-Öltanker soll nach Angaben ukrainischer Beamter Treibstoff für das russische Militär transportiert haben. Der Angriff auf das russische Landungsschiff „Olengorski Gornjak“ erfolgte dagegen bei deutlich größerer Entfernung vor dem russischen Marinehafen Noworossisk an der Ostküste des Schwarzen Meeres. Das Marineschiff musste in den Hafen abgeschleppt werden, wo es Satellitenaufnahmen zufolge seither im Trockendock zur Reparatur liegt. (pm)
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