Der russische Oligarch Juri Woronow wurde in der Nacht zu Dienstag in St. Petersburg mit einem Kopfschuss tot aufgefunden. Es ist nicht der einzige mysteriöse Todesfall eines reichen Geschäftsmanns in diesem Jahr.
St. Petersburg - Der russische Oligarch Juri Woronow wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag in einem wohlhabenden Vorort von St. Petersburg tot im Pool seiner Villa aufgefunden. Das berichtete die russische Zeitung The Moscow Times am Dienstag. Der 61-Jährige hatte offenbar eine Schusswunde im Kopf, in der Nähe sollen mehrere Patronenhülsen gefunden worden sein. Die russischen Ermittlungsbehörden stuften den Tod als „Streit unter Geschäftspartnern“ ein. Doch es ist nicht der erste mysteriöse Todesfall eines russischen Oligarchen in diesem Jahr.
Russischer Oligarch mit Gazprom-Verbindungen soll Verluste mit seinem Unternehmen gemacht haben
Der 61-jährige Juri Woronow war der Geschäftsführer einer Logistikfirma, die Verträge mit dem weltweit größten Erdgasförderunternehmen Gazprom unterhielt. Sein Transportunternehmen Astra Shipping war Angaben der Firmenwebseite zufolge an Projekten mit dem russischen Staatskonzern Gazprom in der Arktis beteiligt.
Die Frau des Verstorbenen soll gegenüber der Polizei ausgesagt haben, dass der Geschäftsmann zuvor aufgrund von Konflikten mit Auftragnehmern und Partnern Geld verloren hatte. Astra-Shipping verzeichnete 2020 einen Verlust von 95 Millionen Rubeln (1,5 Millionen Euro), 2021 lag das Minus demnach bei 65 Millionen Rubeln (eine Million Euro), wie aus Angaben der russischen Finanzauskunft SPARK-Interfax hervorgeht.
Gazprom-Oligarch tot aufgefunden: Es ist nicht der erste ungeklärt Todesfall dieser Art
Insgesamt kamen in diesem Jahr bereits mindestens sechs Oligarchen unter mysteriösen Umständen zu Tode, wie The Moscow Times berichtet. Woronow ist demnach der vierte Geschäftsmann mit direkten Gazprom-Verbindungen und der mindestens sechste Todesfall mit Verbindungen zur russischen Gasbranche.
Im Januar wurde etwa der Leiter des Transportdienstes von Gazprom Invest, Leonid Shulman, tot in seinem Badezimmer aufgefunden. Eine Nachricht neben seinem Leichnam deutete auf Selbstmord hin - Gazprom kündigte an, den Fall untersuchen zu wollen. Einen Monat später starb der stellvertretende Direktor einer Unterfirma von Gazprom, Alexander Tjulakow. Angaben eines am Fall beteiligten Ermittlers zufolge sollen während der forensischen Ermittlungen Gazprom-Sicherheitsleute übernommen und die Polizei ausgeschlossen haben. Wassili Melnikow, wurde im März zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen tot aufgefunden.
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Im April verübten der ehemalige Vizepräsident der Gazprombank, Wladislaw Awajew, und der ehemalige Top-Manager des Energieriesen Novatek, Sergej Protosenja, innerhalb von 24 Stunden offenbar Selbstmord. Die beiden Geschäftsmänner waren weit voneinander entfernt - in Moskau und in Spanien - aber innerhalb des gleichen Tages zusammen mit mehreren Familienangehörigen tot aufgefunden worden - die Frauen und Töchter wurden offenbar ermordet.
Weitere mysteriöse Todesfälle reicher russischer Geschäftsmänner stehen zwar nicht direkt mit Gazprom in Verbindung, aber teilweise mit der russischen Gasbranche. Etwa jener des in der Ukraine geborenen russischen Milliardär Michail Watford, oder der Tod des ehemaligen Lukoil-Managers Alexander Subbotin, der Anfang Mai außerhalb von Moskau bei einer Schamanenbehandlung verstarb. Viele dieser Todesfälle wurden nie ganz aufgeklärt. Geheimhaltung scheint eine Spezialität des ehemaligen KGB-Agenten Putin zu sein, wie auch das Versteckspiel um sein wahres Vermögen zeigt.
Ehemals reichster Mann Russlands: „Wenn Putin eine Entscheidung trifft, werde ich kaum überleben“
Oligarchen in Russland kamen Anfang der 90er-Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Privatisierung staatlicher Firmen zu ihrem Reichtum - oder später durch ihre Beziehungen zu Wladimir Putin. Doch diese Nähe zum russischen Präsidenten könnte auch gefährlich sein, glauben Kritiker. Einer der ersten Todesfälle, die auch im Westen Aufmerksamkeit erregten, war der Anschlag auf den russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko. Er wurde mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergiftet und machte noch auf seinem Sterbebett Wladimir Putin dafür verantwortlich: „Sie mögen Erfolg damit haben, einen Mann zum Schweigen zu bringen, doch die Protestschreie aus der ganzen Welt werden Ihnen, Herr Putin, bis ans Lebensende in den Ohren klingen.“
Der Putin-Gegner Alexei Nawalny überlebte einen Giftanschlag auf ihn nur knapp, der russische Oligarch Boris Beresowski starb 2013. Er soll eigenen Angaben zufolge Putin zunächst ins Amt geholfen, sich wenig später jedoch mit ihm überworfen haben. Wer Putin widerspricht, gerät ins Fadenkreuz, deutet auch der ehemals reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski, an. Der Oppositionelle sagte unlängst in einem Interview mit dem Stern, Putin könnte ihn jederzeit umbringen lassen. „Wenn Putin eine Entscheidung trifft, werde ich kaum überleben“, so der russische Oligarch. Doch bei einem Besuch der Stern-Journalisten waren weder Bodyguards vor Ort, noch gab es Metalldetektoren. „An diesen Zustand bin ich gewöhnt“, gab sich der Kremlkritiker furchtlos.