„Foltern ihn tot weiter“: Nawalny-Witwe Julija wirft Kreml Satanismus vor – Putin von Rache getrieben
VonVictoria Krumbeck
schließen
Nawalnys Witwe wirft Putin in einer Videobotschaft unchristliches Verhalten vor. Er instrumentalisiere die Kirche zu seinen Gunsten.
Moskau – Auch eine Woche nach dem Tod von Kremlgegner Alexej Nawalny kämpft Nawalnys Familie weiterhin um den Leichnam des Verstorbenen. Nachdem der 47-Jährige am 16. Februar in einem sibirischen Straflager zusammengebrochen und gestorben war, wird sein Körper von den Behörden und Ermittler:innen festgehalten. Seine Frau Julija Nawalnaja wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einer Videobotschaft Satanismus vor und macht ihm schwere Vorwürfe.
Julija Nawalnaja und ihre Tochter forderten Putin mit Nachdruck auf, Nawalnys Leiche für eine menschenwürdige Beerdigung herauszugeben. Putin, der sich selbst als gläubiger Christ bezeichne, verhöhne die Überreste des Toten und lege einen „offenen Satanismus“ an den Tag, so die Witwe in einer am Samstag (24. Februar) veröffentlichen Videobotschaft. „Geben Sie Alexej heraus. Sie haben ihn lebendig gefoltert und foltern ihn tot weiter“, sagte sie. „Sie brechen jedes menschliche und göttliche Gesetz.“ Auch hunderte Gläubige forderten Putin auf, Nawalnys Körper herauszugeben.
„Gebt Oma den Körper meines Vaters“, schrieb Nawalnys Tochter Darja im sozialen Netzwerk X (vormals Twitter) am Samstag. Ihre Großmutter Ljudmila Nawalnaja hatte am Donnerstag in einem Video erklärt, dass Putins Behörden sie zu einer geheimen Beerdigung zwingen wollten und ihr gedroht hätten, der Leiche etwas anzutun. Zuvor war es ihr möglich gewesen, den Leichnamen ihres Sohnes zu sehen. Nawalnys Witwe warf Putin vor, Alexejs Mutter weiter zu quälen und brechen zu wollen.
Putin hält Nawalnys Leiche zurück: „Es ist Satanismus, Heidentum“
Putin inszeniere sich zwar mit Kerze in der Hand in russisch-orthodoxen Kirchen und küsse Ikonen, sei aber in Wahrheit von Hass und Rachegelüsten getrieben, sagte Nawalnaja. „Nein, es ist nicht einmal Hass, es ist Satanismus, Heidentum.“ Im Glauben aber gehe es um Güte, um Barmherzigkeit, um Erlösung. „Und kein wahrer Christ könnte jemals tun, was Putin jetzt mit dem toten Alexej tut.“
Alexej Nawalny ist tot: Protest, Anschläge, Gefängnis – sein Leben in Bildern
Zugleich verurteilte die 47-Jährige Putins Krieg gegen die Ukraine, für den er ebenfalls die Kirche instrumentalisiere. Der Kremlchef führe den Feldzug unter Berufung auf traditionelle Werte gegen den Westen. „Aber Sie töten einfach nur, bombardieren schlafende Zivilisten nachts mit Raketen, die in der Kirche gesegnet wurden“, sagte Nawalnaja. Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill, ist ein Vertrauter Putins und ein glühender Unterstützer des Krieges gegen die Ukraine. Geistliche segnen immer wieder öffentlich Raketen. (vk/dpa)