„Normalität in der Ostsee“

Schattenflotte im Visier: EU will Putins Wirtschaft untergraben

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Unter Beobachtung: Der auf den Cookinseln registrierte Öltanker Eagle S ankerte am 13. Januar 2025 in der Nähe des Hafens Kilpilahti in Porvoo, Finnland, am Finnischen Meerbusen. Der Tanker steht im Verdacht, die finnisch-estnische Stromverbindung Estlink 2 gestört zu haben, und er wird auch verdächtigt, Teil der sogenannten russischen Schattenflotte zu sein.
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Russlands Öl wird weiter transportiert – durch die Ostsee auf gammeligen Schiffen. Europa beabsichtigt sogar, Festsetzungen auf hoher See vorzunehmen.

Brüssel – „Der Einsatz der Schattenflotte für Sabotageakte verschafft Russland mehrere Vorteile. Der wichtigste besteht darin, dass es die Möglichkeit hat, sie abzustreiten“, schreibt Henri van Soest. Der Analyst des Thinktanks RAND sieht in einem aktuellen Kommentar Handlungsbedarf gegen die Invasionsarme Wladimir Putins, die auch abseits der Ukraine ihren Claim absteckt. Auch die Ostsee-Anrainer haben inzwischen genug davon, sich von der Scharade Russlands vor ihrer Haustür an der Nase herumführen zu lassen.

„Jetzt ist die Frage … was können wir mit diesen Schiffen tun?“, fragt Margus Tsahkna. Gegenüber dem Magazin Politico äußerte der Außenminister Estlands Ängste bezüglich den drohenden Umweltgefahren und potenziellen Angriffen auf die Unterwasserstruktur der Ostsee-Anrainer. Um der Bedrohung durch die Schattenflotte zu begegnen, sei eine vielschichtige Strategie erforderlich, die Sanktionen, Marineschutz und direkte Abschreckung unter Wahrung des Völkerrechts in Einklang zu bringen habe, schreibt van Soest. Ansonsten bleibe Putins Russland eine nimmer endende Drohung.

Ukraine-Krieg wandert aufs Wasser: „eine neue Normalität in der Ostsee“

Im „Nato-Meer“ tobe ein Schattenkrieg, schreibt Christiane Kühl. Ihrer Meinung sei die Ostsee zu einem sicherheitspolitischen Brennpunkt geworden, wie die China-Expertin in der Wochenzeitung Das Parlament notiert. Marode Tanker, russische Kampfjets, Störmanöver, zählt sie auf. Parallel prophezeit das Magazin Politico eine „Katastrophe, die nur darauf warte, zu geschehen“ – als Folge des Ukraine-Krieges ist Wladimir Putin gezwungen, seine Schiffe durch die Ostsee zu schmuggeln, um unter dem Radar der Nato zu bleiben. Dort braut sich etwas zusammen. Und möglicherweise sucht Putin den Konflikt auch, um aus einer Opferhaltung zu operieren.

„Westliche Regierungen könnten sich insbesondere an die italienischen Carabinieri und die Guardia di Finanza wenden, die über einzigartiges Fachwissen bei der Ermittlung organisierter Kriminalität ... verfügen. Dies würde eine abschreckende Wirkung auf diese Personen haben, da ihre Beteiligung an der Schattenflotte auf der Annahme beruht, dass sie nicht identifiziert und schon gar nicht bestraft werden.“ 

Elisabeth Braw, Atlantic Council

Die Schattenflotte rutscht nämlich immer wieder aus der Rolle des geheimen Provokateurs in die für beide Seiten ungewollte Position des Hauptdarstellers, wie RadioFreeEurope / Radio Liberty berichtete über die jüngste Beschädigung eines Unterseekabels zwischen Lettland und Schweden – „dies schürte die Angst vor einer Einmischung und rückte Moskaus sogenannte Schattenflotte ins Rampenlicht“, formuliert Autor Reid Standish. Er sieht in den Vorfällen „eine neue Normalität in der Ostsee“.

Was die EU-Anrainer aber eben verhindern wollen – und offenbar auch Ideen für Lösungen hätten; die allerdings müssten auch umgesetzt werden. Gegenmaßnahmen gegen einzelne Schiffe der Schattenflotte beispielsweise. Die maroden Tanker Russlands verschiffen Öl und finanzieren Putins Krieg gegen die Ukraine. Experten gehen davon aus, dass die Frachter neben Öl aber auch Informationen transportieren – sie also spionieren. Grundsätzlich hätte sich die „dunkle Flotte“ oder „Schattenflotte“ im Verlauf des Ukraine-Krieges gebildet, um die europäischen Sanktionen zu umfahren und russisches Öl gen Asien zu verfrachten. Das Nachrichtenmagazin Spiegel ging im Juli von einer Größe von 600 bis 1.400 Schiffen innerhalb dieser Flotte aus – unter Rückgriff auf Angaben des Versicherers Allianz Commercial.

Russland ausbluten: Regierungen könnten sich an die italienischen Carabinieri und die Guardia di Finanza

„Deshalb würden Gegenmaßnahmen gegen die Schattenflotte wirklich dazu beitragen, Ergebnisse zu erzielen, die wir mit dem Sanktionsregime nicht erreichen können“, sagte gegenüber Politico Žygimantas Vaičiūnas. Der litauische Energieminister verspricht sich davon einen wirksamen Weg, Putin finanziell ausbluten zu lassen. Die Bundeswehr als Polizei auch des Ostseeraumes nennt insgesamt 291 Schiffe mit Bezug zu Russland auf der Sanktionsliste der Europäischen Union, der USA und Großbritanniens. Für Elisabeth Braw der größte und stabilste Anker für Maßnahmen gegen die Schattenflotte.

Die Analystin des Thinktanks Atlantic Council fordert, die Regierungen der Anrainer-Staaten und deren Verbündete sollten die Personen kennen, die an der Verwaltung und dem Besitz der Schiffe beteiligt sind. „Westliche Regierungen könnten sich insbesondere an die italienischen Carabinieri und die Guardia di Finanza wenden, die über einzigartiges Fachwissen bei der Ermittlung organisierter Kriminalität und der Identifizierung der daran beteiligten Personen verfügen. Dies würde eine abschreckende Wirkung auf diese Personen haben, da ihre Beteiligung an der Schattenflotte auf der Annahme beruht, dass sie nicht identifiziert und schon gar nicht bestraft werden.“

Der nächste Schritt wäre die Beschlagnahme – was wohl schon längst in der EU diskutiert würde, wie Politico schreibt; die entsprechenden juristischen Szenarien seien wohl bereits abgesteckt. Erstens könnten Schiffe als lokale Umweltschädigung identifiziert werden. Da die meisten Schiffe bekannt sind als älter als 15 Jahre, liegen Ölverschmutzungen und damit weitreichende Umweltschädigungen im Rahmen des Möglichen. „Zweitens, ..., könnten die Behörden Pirateriegesetze nutzen, um Schiffe aufzustellen, die kritische Unterwasser-Infrastruktur bedrohen. Dies sei bereits seit Ende 2023 der Fall, als zahlreiche Schiffe wichtige Strom- und Internetkabel beschädigt hätten“, schreiben Victor Jack und Gabriel Gavin.

Strategie der EU: Estland oder Finnland Gründe geben werden, um Schiffe aufzubringen

Drittens, so die Politico-Autoren, könnten die Anrainer die nationalen gesetzlichen Regelungen so erweitern, dass Tanker in der Ostsee zur Kooperation mit bestimmten Versicherern genötigt würden. Diese Versicherer würden zumindest die Bedrohung durch befürchtete Schäden abfedern; und die Flotte in eine behördliche Sackgasse lotsen, um Reibereien auf hoher See zu vermeiden; beziehungsweise würden Partnern wie Estland oder Finnland manifeste Gründe gegeben werden, um Schiffe aufzubringen.

Allerdings nähme dieser Kunstgriff klaren Kurs auf Konfrontation, mahnt Henri van Soest. Möglicherweise dämme dieser Schritt weitere Sabotageakte ein. Van Soest hält aber die Festsetzung von Teilen der Flotte für rechtlich genauso gewagt, wie die Operationen der Schattenflotte rechtlich heikel seien. Die Möglichkeit zum Eingriff in den Handelsverkehr müssten dann alle westlichen Nationen gleichermaßen erhalten, um einigermaßen rechtlich einwandfrei handeln zu können. Allerdings inkludiert das möglicherweise Vergeltungsmaßnahmen feindlicher Nationen, die ihrerseits aus vorgespiegelten oder für sie stimmigen Gründen ihrerseits Schiffe westlicher Nationen festhielten.

Russlands Dilemma: Die Schattenflotte als Putins Armee an seiner weichen Flanke

Unter Abwägungen aller zu gehenden Schritte seitens de EU müssen sich die einzelnen Nationen bewusst darüber sein, dass jede ihrer Aktionen Gegenreaktionen provoziere; und die könnten den internationalen Handel beeinflussen und letztendlich jeder einzelnen Volkswirtschaft schaden, folgert von Soest. Wie schon der Verzicht auf russische Energie die deutsche Wirtschaft in Verlegenheit gebracht hat, leidet auch die russische, wie Politico berichtet. Die Schattenflotte sei Putins Armee an seiner weichen Flanke, zitiert das Magazin Isaac Levi.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow, der als Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus eigene Truppen befehligt. „Putins Bluthund“, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien bekannt ist, tat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervor. Mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen die militärische Führung seines Landes scharf und forderte weitreichende Konsequenzen. © Yelena Afonina/imago
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte, das Mindestalter für die Wahl des tschetschenischen Oberhaupts. Im März 2015 erhielt Kadyrow den russischen Orden der Ehre. Kadyrows diktatorische Amtsführung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen, Korruption und einem ausufernden Personenkult. Seit Oktober 2022 ist er darüber hinaus Generaloberst der russischen Streitkräfte. © Yelena Afonina/imago
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“. Seit März 2004 im Amt, verteidigt Lawrow seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder die Behauptung, dass Russland die Ukraine von den dort regierenden Nazis befreien zu wollen. Anfang Mai 2022 versuchte Lawrow im italienischen Fernsehen das Argument zu entkräften, als Jude könne der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kein Nazi sein: „Adolf Hitler hatte auch jüdisches Blut. Das heißt überhaupt nichts. Das weise jüdische Volk sagt, dass die eifrigsten Antisemiten in der Regel Juden sind.“ © Imago
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland. „Wenn wir über das sprechen, was in der Ukraine vorgeht, so ist das kein hybrider, sondern schon fast ein richtiger Krieg, den der Westen lange gegen Russland vorbereitet hat“, sagte Lawrow während einer Afrika-Reise im Januar 2023, die ihn u. a. auch nach Angola führte. Der Westen wolle alles Russische zerstören, von der Sprache bis zur Kultur, so Lawrow. © Imago
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten.
Als „Putins Marionette“ kann Dmitri Medwedew gelten. Der Gefolgsmann des russischen Präsidenten war von 2008 bis 2012 Präsident Russlands und anschließend bis 2020 Ministerpräsident der Russischen Föderation. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht Medwedew, inzwischen Vizechef des russischen Sicherheitsrates, ein ums andere Mal mit Verschwörungserzählungen und martialischen Äußerungen über die Ukraine und den Westen auf sich aufmerksam. Unter anderem drohte er mit dem „Verschwinden der Ukraine von der Landkarte“. © Artyom Geodakyan/imago
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt.
Der promovierte Jurist, der einst als Stimme der Vernunft galt, hat sich inzwischen zu einem radikalen Hetzer entwickelt. Gerne droht der Vizechef des russischen Sicherheitsrates den Nato-Staaten mit einem Angriff oder gar mit Atomschlägen. Im Sommer 2022 bezeichnete er die Regierung in Kiew als „vereinzelte Missgeburten, die sich selbst als ‚ukrainische Regierung‘ bezeichnen“, die US-Regierung waren für ihn „Puppenspieler jenseits des Ozeans mit deutlichen Anzeichen senilen Wahnsinns“. Ende 2022 versuchte er sich als Prophet für das Jahr 2023: In Deutschland entsteht demnach ein „Viertes Reich“, die EU zerfällt, in den USA bricht ein Bürgerkrieg aus. © Yekaterina Shtukina/imago
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren.
Seit vielen Jahren an Putins Seite ist Dimitri Peskow. Schon im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Pressesprecher des Präsidenten. Als Putin 2008 Ministerpräsident wurde, wechselte Peskow das Büro. Vier Jahre später kehrte er dann ins Präsidialamt zurück. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs setzte die EU ihn auf die Sanktionsliste und ließ sein gesamtes Vermögen einfrieren. © Sergei Ilnitsky/AFP
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“.
Alina Kabajewa ist wahrscheinlich so etwas wie „Putins Ballerina“. Die frühere Spitzensportlerin galt in der Rhythmischen Sportgymnastik jahrelang als Nonplusultra. Ihre Erfolge (Olympiagold 2004 in Athen, neun WM- sowie 15 EM-Titel) sprechen für sich. Von 2007 bis 2014 war sie Abgeordnete der Russischen Staatsduma für die Partei „Einiges Russland“, seit September 2014 ist sie Vorsitzende des Verwaltungsrates der Nationalen Mediengruppe (NMG). Sie gilt Medienberichten zufolge als Geliebte des russischen Präsidenten und soll mit diesem mehrere Kinder haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. © Imago
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten.
Schon seit Jahren gilt Kabajewa als heimliche Geliebte oder gar Ehefrau des russischen Präsidenten. Eine offizielle Bestätigung aus Russland hat es aber nie gegeben. Der britischen Regierung zufolge steht sie „in enger persönlicher Beziehung zu Putin“. Kabajewa soll mehrere Kinder von Putin haben, was von Kabajewa und russischen Regierungsstellen aber dementiert wird. 2015 soll sie in Lugano Zwillinge zur Welt gebracht haben, andere Quellen berichten von einer Geburt eines Jungen im Kanton Tessin und einer weiteren Geburt eines Sohnes in Moskau. Gesichert ist, dass Kabajewa nach 2015 für einige Jahre aus dem öffentlichen Rampenlicht verschwand und auch heute nur äußerst selten öffentlich auftritt. © Valery Sharifulin/imago
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg.
Wladimir Solowjow ist Putins Chefpropagandist im Ukraine-Krieg. Seine seit 2012 im Sender Rossija 1 ausgestrahlte politische Talkshow „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ gilt als vielleicht wichtigste innerrussischen Propagandasendung. Im Dezember 2022 drohte er dort zahlreichen europäischen Ländern mit militärischen Interventionen, weil diese die Ukraine unterstützen würden und Teil des europäischen Nazismus seien. Auch forderte er wiederholt den Einsatz von russischen Atombomben gegen Nato-Staaten. Im April 2022 bezeichnete er die Massaker von Butscha sowie Srebrenica als inszeniert. © Sergei Karpukhin/imago
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut
Solowjow wird in seiner Sendung oft laut, beschimpft die deutsche Regierung, streut deutsche Wörter ein und imitiert dabei eine schroffe Nazi-Aussprache. Einmal bezeichnete er Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als „Miss Ribbentrop“. Joachim von Ribbentrop war deutscher Außenminister unter Adolf Hitler, den Solowjow im Februar 2021 in seiner Sendung einmal als „sehr mutigen Menschen“ und „tapferen Soldaten“ bezeichnet hatte. Von seiner 2014 geäußerten Meinung, „Gott verbietet, dass die Krim nach Russland zurückkehrt“, hat er sich nach dem Euromaidan, der Revolution der Würde, schnell distanziert. © Artyom Geodakyan/imago
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wird von einem engen Weggefährten des Präsidenten geleitet. Schon in den 1970er Jahren war Alexander Bortnikow zeitgleich mit Putin in St. Petersburg für den KGB im Einsatz. Putin, der einst selbst Direktor des FSB war, ernannte ihn im Mai 2008 zum Chef des Geheimdienstes und sicherte sich so maximalen Einfluss. Es gilt als gesichert, dass Putin auch als Präsident entscheidende Befehle selbst übermittelt.  © Alexei Druzhinin/imago
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken.
Der FSB dient vor allem dazu, die Opposition gegen Putins Machtelite zu unterdrücken. Ein Beispiel ist der Anschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny, der nach Angaben des Recherchekollektivs Bellingcat zuvor monatelang von FSB-Agenten verfolgt worden war. Unter Bortnikow wurde die Macht des FSB durch mehrere Reformen immer stärker ausgeweitet. Zudem soll der FSB die prorussischen Separatisten im Osten des Landes unterstützt haben. Nach der Annexion der Halbinsel Krim ging der FSB gegen Medien und Kultur vor. © Mikhail Metzel/imago
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne.
Seit November 2012 hat der Armeegeneral Sergei Schoigu das Amt des russischen Verteidigungsministers inne. In Schoigus Amtszeit fallen zunächst die militärische Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine, die Annexion der Krim 2014 sowie das Eingreifen Russlands in den syrischen Bürgerkrieg aufseiten des Assad-Regimes. Wegen der Intervention zugunsten der Separatisten im Donbass eröffnete die Ukraine 2014 ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen ihn. Seit Februar befehligt Schoigu als Verteidigungsminister die russischen Truppen im Ukraine-Krieg. © Pavel Golovkin/dpa
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng.
Schoigus Verhältnis zu Putin gilt bisher als sehr eng. So verbringt er regelmäßig seinen Sommerurlaub zusammen mit dem russischen Präsidenten im südsibirischen Tuwa – Schoigus Heimatregion, wo sich die beiden, wie hier im Jahr 2017, auch schon mal ein Sonnenbad in einer Pause vom Angeln gönnen. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist offen. So wies das „Institute for the Study of War“ in einem Bericht im Herbst 2022 darauf hin, dass Putin Schoigu für die Fehler im Ukraine-Krieg verantwortlich macht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Putin seinen Vertrauten doch noch zum Sündenbock macht.  © Alexei Nikolsky/dpa
Russia s First Deputy Prime Minister Andrei Belousov
Schoigus Nachfolger soll der bisherige Vize-Regierungschef Andrej Beloussow werden. Die militärische Komponente im Verteidigungsministerium bleibe auch nach der Ernennung Beloussows unverändert. „Heute gewinnt auf dem Schlachtfeld derjenige, der offener für Innovationen und deren Umsetzung ist“, erklärte Kremlsprecher Peskow Putins Entscheidung für einen Zivilisten an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Beloussow sei nicht nur Zivilbeamter, sondern habe auch viele Jahre erfolgreich in der Politik gearbeitet und Putin in Wirtschaftsfragen beraten. © IMAGO/Alexander Astafyev
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kirill I. bekannt.
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist heute nur noch unter seinem Namen Kyrill I. bekannt. Bürgerlich heißt der Patriarch allerdings Wladimir Gundjajew – und hat eine bewegte Vergangenheit. Unter dem Decknamen „Michailow“ hat er laut dem schweizerischen Bundesarchiv in den 1970er Jahren in Genf als Agent für den früheren sowjetischen Auslandsgeheimdienst KGB gearbeitet. Diese Vergangenheit verbindet ihn mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. © Sergei Chirikov/dpa
Seit Februar 2009 ist Gunjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche.
Seit Februar 2009 ist Gundjajew als Kyrill I. Patriarch von Moskau und der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche. Er gilt als enger Verbündeter Putins, dessen Regentschaft er im Zuge der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 als „Wunder Gottes“ bezeichnete. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs fällt er zunehmend durch Hasspredigten auf. Einmal bezeichnete er die Gegner Russlands als „Kräfte des Bösen“, zudem sprach er der Ukraine ihr Existenzrecht ab. Verbal lässt Kyrill I., anders als im April 2017 in Moskau, jedenfalls keine Tauben fliegen.  © Alexander Zemlianichenko/dpa
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden.
Der rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin darf getrost als „Putins Denker“ bezeichnet werden. Dugin, der viele Bücher geschrieben hat, gilt als antiwestlicher Hassprediger und Kämpfer für die Idee einer slawischen Supermacht. In seinem Buch „Grundlagen der Geopolitik“ sprach er sich gegen die Ukraine als souveränen Staat aus. Kurz vor Beginn des Ukraine-Kriegs wurde diese Rhetorik aufgegriffen, als Putin das ukrainische Staatsgebiet in einem Aufsatz infrage stellte. © Kirill Kudryavtsev/afp
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat
Dugin wurde 1987 Mitglied der radikal-nationalistischen und antisemitischen Gruppierung Pamjat. Größere Bekanntheit erlangte er in den 1990er Jahren, als er über Radio und Fernsehen seine Ideologie verbreitete. Zugleich war Dugin auch Mitglied von esoterischen und okkulten Zirkeln. Unklar ist, wie nahe Dugin dem russischen Präsidenten steht. Putins Äußerungen geben aber oft die Rhetorik Dugins wider. Als Beispiel sei das Konzept „Noworossija“ („Neurussland“) geannnt, das Russland benutzt hat, um die Krim-Annexion zu rechtfertigen. Damals gab Dugin in einem Interview auch unmissverständlich kund, wie nun vorzugehen sei: „Töten, töten, töten, das ist meine Meinung als Professor.“ © afp
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew.
Zum engsten Putin-Zirkel gehört auch Nikolai Patruschew. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates war lange Jahre Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB und gilt als radikaler, europafeindlicher Hardliner. Patruschew verbindet viel mit Putin: Sie sind etwa gleich alt, beide kommen aus dem heutigen Sankt Petersburg, vor allem aber entstammen sie beide dem sowjetischen Geheimdienst KGB. Patruschew wird als engster Vertrauter Putins wahrgenommen und soll von diesem zu seinem Stellvertreter für den Fall einer zeitweiligen Verhinderung der Amtsausübung erkoren worden sein © Zubair Bairakov/imago
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben.
Patruschew wird als „Falke“ des Ostens beschrieben. Im Herbst 2021 bezeichnete er die Ukrainerinnen und Ukrainer als „Nicht-Menschen“. Noch Ende Januar 2022 bestritt er jede Kriegsabsicht Russlands als „komplette Absurdität“. Ende Februar 2022 beschuldigte er in einem Manifest die USA und die EU, in der Ukraine eine „Ideologie des Neonazismus“ zu unterstützen.  © Aram Nersesyan/imago
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt.
Als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR ist Sergei Naryschkin für seine bissigen Kommentare bekannt. Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges warf er den USA und anderen westlichen Staaten vor, Russland zerstören zu wollen: „Die Masken sind gefallen. Der Westen will Russland nicht nur mit einem neuen Eisernen Vorhang umgeben“, zitierte der SWR Anfang März 2022 seinen Chef. „Wir reden über Versuche, unseren Staat zu zerstören, über seine ‚Annullierung‘, wie heutzutage in einem ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Umfeld gesagt wird.“ Naryschkin gehörte zu jenen, die schon damals behaupteten, zwischen Russland und dem Westen tobe ein „heißer Krieg“. © Alexander Zemlianichenko/dpa
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten.
Wenige Tage vor Beginn dem russischen Einmarsch in die Ukraine war Naryschkin im Gespräch mit Wladimir Putin tüchtig ins Schlingern geraten. Der SWR-Chef sprach sich damals versehentlich für eine russische Einverleibung der Volksrepubliken Luhansk und Donezk aus. Putin korrigierte ihn bei der im Staatsfernsehen übertragenen Sitzung und betonte, dass die Frage nicht gestellt sei. „Wir sprechen über die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit oder nicht“, kanzelte Putin den SWR-Chef ab. © Valery Sharifulin/imago
Zu den engsten Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin zählt der russische Unternehmer Jewgeni Prigoschin.
Zu den engsten Vertrauten Wladimir Putins zählte Jewgeni Prigoschin. Russlands Präsident und der erfolgreiche Geschäftsmann kannten sich lange. Als Putin noch KGB-Offizier war und in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb trug der in den chaotischen 1990er Jahren in Russland zu Reichtum gekommene 61-Jährige den Beinamen „Putins Koch“. Auch wegen Raubes saß er in Haft.  © Mikhail Metzel/imago
Inzwischen ist Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet.
Lange war Prigoschin vor allem als Warlord der berüchtigten Schattenarme „Wagner“ im Auftrag des Kreml international gefürchtet. Putin ließ ihn lange schalten und walten, als hätte diese Schattenarmee, eine paramilitärische Organisation mit vielen verurteilten Verbrechern, längst das Zepter der Macht in der Hand. Vom 23 bis 24. Juni 2023 kam es zu einem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland. Danach bezeichnete ihn Putin als „Verräter“. Am 23. August 2023 kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. © Vyacheslav Prokofyev/imago

Laut dem Analysten des Thinktanks Centre for Research on Energy and Clean Air transportierten dieses Schiffe mehr als 80 Prozent des gesamten russischen Rohöls, und die Ostsee sei die Schlagader dieses illegalen Handels, sagt er gegenüber Politico. Ausgangshafen sei oft Ust-Luga bei St. Petersburg, dann dampften sie durch den Finnischen Meerbusen und über die Ostsee über die Nordsee zu den Weltmeeren. Allein die 348 von den baltischen Häfen aus auslaufenden Schiffe des vergangenen Jahre hätten fast die Hälfte der gesamten russischen Ölverkäufe ausgemacht, und damit ein Drittel des jährlichen russischen Verteidigungsbudgets, sagt Levi gegenüber dem Magazin.

Insofern ist das Handeln der EU existenziell wichtig für jeden einzelnen der europäischen Staaten. Das verlange aber Kontrolle, schreibt van Soest. Möglichst frühzeitige; und möglichst lückenlose. Was beides nahezu illusorisch sei aufgrund der knappen militärischen Kapazitäten der nationalen Seestreitkräfte – und was schon für alles über Wasser gilt, gilt ihm zufolge im Besonderen auch für alles weit unterhalb der Wasserlinie: „Die Überwachung verdächtiger Schiffe ist entscheidend, um Russlands glaubhafte Abstreitbarkeit zu unterbinden. Doch die proaktive Bewachung der gesamten Unterwasserinfrastruktur ist unpraktisch.“ (KaHin)

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