Nahost-Konflikt

Abkommen zwischen Israel und Hamas vor Abschluss: 33 Geiseln könnten bald in Freiheit sein

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Noch immer befinden sich israelische Geiseln nach ihrer Entführung im Gazastreifen. Ein Abkommen zwischen Israel und der Hamas soll kurz vor dem Abschluss stehen.

Frankfurt – Wenn dieser Tage in Israel von „Optimismus“ die Rede ist, ist das für manche fast ein Alarmsignal. Zu oft hieß es in der Vergangenheit, man sei einem Deal zur Freilassung der Geiseln aus Hamas-Gewalt und einer Waffenruhe in Gaza nahe. Quellen für diese Behauptungen waren meist Verhandlerkreise in Doha. Bald nach den Medienberichten zerbröselte stets der Konsens, und alle waren nur noch damit beschäftigt, der Gegenseite die Schuld zuzuweisen: Israel der Hamas, die Hamas Israel. Inzwischen sind 15 Monate vergangen, seit das verheerende Hamas-Massaker vom 7. Oktober die Region in den längsten Krieg seit Israels Staatsgründung stürzte.

Angehörige von israelischen Geiseln demonstrieren in Tel Aviv.

33 Geiseln vor Freilassung – Verhandlungen zwischen Israel und Hamas vor Durchbruch

Jetzt könnte aber tatsächlich der Durchbruch gelingen, wenn man den Berichten aus den intensiven Verhandlungen in Katar glaubt. Laut einem Entwurf, der nun Israel und der Hamas vorgelegt wurde, sollen in einem ersten Schritt 33 Geiseln freigelassen werden. Diese erste Phase soll den Menschen in Gaza einen Waffenstillstand von 42 Tagen bringen und der Hamas die Freilassung von mehr als Tausend Gefangenen aus israelischen Gefängnissen.

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Vieles ist noch unklar. Niemand weiß, wie viele von den 33 freizulassenden Geiseln noch am Leben sind. Israel drängt auf einen möglichst hohen Anteil an Lebenden, die Hamas weigert sich vehement, alle Lebenden freizulassen. Diese Frage dürfte der hartnäckigste Streitpunkt sein.

Im Tausch gegen Hamas-Geiseln: Israel könnte Tausend Häftlinge freilassen

Zäh verlaufen offenbar auch die Gespräche über die palästinensischen Gefangenen. Dass es mehr als Tausend sind, die Israel verlassen dürfen, ist offenbar unstrittig. Schwieriger gestaltet es sich bei der Frage, welche Namen Israel noch von der Hamas-Liste wegverhandeln kann. Gewichtige Terror-Drahtzieher in die Freiheit zu entlassen, ist nicht nur der israelischen Bevölkerung schwer zu vermitteln. Es birgt auch die Gefahr, dass damit militärische Erfolge im Kampf gegen die Hamas zunichte gemacht werden. Immerhin sollen rund 200 der Tausend Terroristen zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt worden sein.

Die Hamas drängt zudem auf einen weitgehenden Rückzug der israelischen Truppen und eine Rückkehr der Binnenflüchtlinge in den Norden des Gazastreifens. Israel soll zu einem Teilrückzug bereit sein, besteht aber auf anderen Sicherheitsgarantien – etwa einer von Israel kontrollierten Pufferzone entlang der Grenze.

Gaza: Grenznahe Städte unter Militärbesatzung?

Dies würde bedeuten, dass einige grenznahe Städte in Gaza unter permanente israelische Militärbesatzung kommen. Auch den Netzarim-Korridor, eine von Israel geschaffene, stark militärisch gesicherte West-Ost-Achse in Zentralgaza, will die Armee nicht räumen.

Trotz dieser Differenzen soll man einem Deal so nahe sein wie selten zuvor, heißt es. Innerisraelische Hürden könnten diesmal ebenfalls überbrückbar sein.

Widerstand kommt wie üblich aus den rechtsextremen Koalitionsparteien unter Finanzminister Bezalel Smotritsch und Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir, aber auch von ein paar Hardlinern in Benjamin Netanjahus Likud-Partei.

Israels Ministerpräsident selbst soll dieses Mal deutlich weniger zurückhaltend sein, was Zugeständnisse betrifft. Der aktuelle Entwurf deckt sich in weiten Teilen mit dem Biden-Plan vom vergangenen Mai. Was jetzt anders ist: Hamas-Führer Yahya Sinwar ist tot, US-Präsident Joe Biden auf dem Rückzug, und – wohl am wichtigsten – Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus. In Doha sind Entsandte von Biden und Trump am Verhandlungstisch.

Antrittsgeschenk für Trump? Netanjahu wohl bereit für Zugeständnisse in Gaza

Netanjahu soll, so wird es in Israel kolportiert, seine Regierungsmannschaft aufgerufen haben, im kleinen Gaza Zugeständnisse zu machen und auf das „big picture“ zu achten, für das man Trumps Wohlwollen noch brauche. Gemeint ist damit wohl der Iran, aber nicht nur: Auch Expansionspläne im Westjordanland werden unter Trump eher auf wenig Widerstand stoßen.

So will Netanjahu seine rechtsextremen Koalitionskollegen davon überzeugen, Trump dieses eine Antrittsgeschenk in Form eines Geisel-Deals zu bereiten, um sich die Aussicht auf Gegengeschenke zu eröffnen. Sollten die Rechtsextremen hart bleiben, hat er sich wichtige Stimmen der Opposition schon gesichert: Benny Gantz kündigte an, seine Partei werde dem Deal im Parlament „vollen Rückhalt“ geben.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Von Jubel ist bei den Angehörigen der Geiseln trotz alledem wenig zu bemerken. Er fühle im Moment gar nichts, sagt Yonatan Dekel-Chen, Vater des von der Hamas entführten und festgehaltenen Sagi Dekel-Chen, im Interview mit Ynet. „Ich werde etwas fühlen, wenn die Verschleppten nachhause zurückkehren.“

Die Euphorie, die viele in Israel angesichts der nahenden Trump-Ära empfinden, kann der US-israelische Doppelstaatsbürger nicht teilen. Trumps Drohung, er werde im Falle eines Scheiterns des Deals „die Hölle“ über Gaza bringen, erfüllt ihn mit Angst: Denn in dieser Hölle befinden sich dann auch die Geiseln. „Darum ist es so wichtig, dass Israels Regierung das beendet, bevor Trump ins Amt kommt.“

Rubriklistenbild: © dpa

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