Deal mit Russland

Selenskyj hat nach Miami-Verhandlungen zwei bittere Optionen im Ukraine-Krieg

  • schließen

Unterhändler der Ukrainer und USA tagten nochmals in Florida für Gespräche. Die Verhandlungen sind nun vorbei. Selenskyj hat eine schwierige Position.

Update, 7. Dezember, 6:45 Uhr: Nach den Gesprächen der USA und der Ukraine in Miami über Eckdaten eines Friedensplans wird Selenskyj wieder seine Verbündeten aus Europa zu Verhandlungen treffen: Der britische Premierminister Keir Starmer lädt für morgen nach London ein, wie die Nachrichtenagentur PA meldete. Bundeskanzler Friedrich Merz wird an dem Treffen teilnehmen, ebenso Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. „Die Europäer werden notwendigerweise eine tragende Säule der gerechten und dauerhaften Lösung sein, die wir gemeinsam aufbauen“, schrieb Macron auf X. Russland attackierte die Ukraine am Wochenende trotz der Friedensbemühungen gnadenlos. Selenskyj bleiben nur noch wenige Optionen in den Ukraine-Verhandlungen, keine davon ist besonders positiv für sein Land.

Selenskyj hat nach Miami-Verhandlungen zwei bittere Optionen im Ukraine-Krieg

Erstmeldung: Kiew – Die Verhandlungen im Ukraine-Krieg laufen weiter – wenn auch bisher ohne konkrete Ergebnisse für einen Frieden. Gestern kamen Vertreter der Ukraine und der USA erneut in Florida zusammen. Der ukrainische Rundfunksender Suspilne meldete am Freitagmorgen (5. Dezember), dass die Gespräche inzwischen zu Ende sind und beruft sich auf Quellen in der Delegation von Wolodymyr Selenskyj. Details zu Ergebnissen sind noch nicht bekannt. Selenskyj ist in einer denkbar schwierigen Lage, mit mehreren Optionen, die aber alle große Nachteile für sein Land haben.

Bei den Ukraine-Verhandlungen mit den USA steckt Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Dilemma.

Nach Angaben ukrainischer Beamter verhandelten Selenskyjs Chefunterhändler Rustem Umerow in Miami mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Die beiden engen Vertrauten von US-Präsident Donald Trump waren bereits am Dienstag in Moskau gewesen, um mit Russlands Präsident Wladimir Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs zu verhandeln. Selenskyj hatte am Mittwoch in einer Videobotschaft gesagt, dass seine Delegation in Florida erfahren wolle, was genau bei dem Treffen zwischen Putin und den US-Unterhändlern besprochen worden sei.

Selenskyj in Zwickmühle: Trump bei Laune halten, Ukraine vor Kapitulation retten

Selenskyj steht vor der heiklen Frage, welche Strategie für ihn aktuell im Ukraine-Krieg die richtige ist. Es gilt, die USA bei ihrer Unterstützung für sein Land bei der Stange zu halten. Denn ohne Geheimdienstinformationen und Waffen von der Trump-Regierung ist sein Land chancenlos gegen Russland.

Gleichzeitig kann er Russlands Bedingungen, die an eine Kapitulation seines Landes heranreichen, nicht akzeptieren. Auch Gebietsabtretungen kann der ukrainische Präsident ohne Absegnung durch sein Parlament nicht einfach so unterschreiben. Selenskyj betonte vor dem Treffen in Miami kommende Woche: „Ein würdevoller Frieden ist nur möglich, wenn die Interessen der Ukraine berücksichtigt werden.“

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Selenskyj bleiben zwei Optionen bei Verhandlungen über Friedensplan

Wie der Spiegel analysiert, bleiben Selenskyj derzeit zwei Strategien: Er kann einerseits auf ein Scheitern des Friedensplans hinarbeiten, und dabei demonstrieren, dass es Putin ist, der einen gerechten Frieden nicht will. Zweitens könnte Selenskyj versuchen, den Friedensplan anzupassen und ihn dann mit weniger harten Bedingungen unterschreiben. „Man müsste dafür hässliche, schmerzhafte und gefährliche Kompromisse eingehen“, heißt es jedoch. Zudem habe Selenskyj keinerlei Garantien, dass er Putin vertrauen könne.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Selenskyj offenbar sogar gewarnt, dass Trump „die Ukraine verraten könnte“, wie aus einem geleakten Protokoll eines Telefonats zwischen europäischen Staats- und Regierungschefs hervorgeht. Macron soll gesagt haben: „Es besteht das Risiko, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine in der Frage des Territoriums verraten, ohne Klarheit über Sicherheitsgarantien.“

Was droht der Ukraine, wenn Friedensverhandlungen mit USA und Russland scheitern?

Lässt es Selenskyj, wie in Variante eins, auf ein Scheitern der Friedensgespräche ankommen, bleibt die Frage, was dann kommt. Der Ukraine-Krieg würde dann vielleicht noch Jahre weitergehen, Russland würde wahrscheinlich weitere Gebiete erobern und die Voraussetzungen der Ukraine bei einem späteren Waffenstillstand wären vielleicht noch viel schlechter als aktuell.

An der Front erzielt Russland derzeit mehr Fortschritte als die Ukraine und ist gerade dabei, die strategisch wichtige Stadt Pokrowsk zu erobern. In der ukrainischen Armee sinkt laut zahlreicher Medienberichte die Zuversicht, immer weniger junge Männer sind bereit, an der Font zu kämpfen und zu sterben.

Verhandlungen im Ukraine-Krieg: Zeitgewinn an Front ist für Selenskyj aktuell schlechte Option

Zeitgewinn erscheint daher derzeit nicht als attraktive Lösung für die Ukraine – im Gegensatz zu früheren Phasen des Kriegs, als sie sich noch Chancen ausrechnete, Russland aus dem Land zurückzudrängen. Auch Schläge gegen Russlands Wirtschaft durch Drohnenattacken auf Ölraffinerien im Hinterland änderten bisher nichts an Putins Willen, den Krieg in gleicher Härte fortzuführen.

Selenskyj scheint darauf zu hoffen, dass seine Partner in den USA und Europa, darunter auch Deutschland unter Kanzler Friedrich Merz, mehr Druck auf Russland machen. Selenskyj sagte am Mittwoch: „Die derzeitigen diplomatischen Aktivitäten in den Verhandlungen müssen durch den Druck auf Russland unterstützt werden.“

Ukraine-Verhandlungen: Trump sieht Putin bereit zu Frieden

Das fünf Stunden dauernde Gespräch zwischen Putin und den US-Verhandlern in Moskau hatte offenbar keinen Durchbruch im Ukraine-Krieg gebracht. Dennoch sieht US-Präsident Donald Trump bei Putin den Willen zu einem Frieden in der Ukraine. „Er will den Krieg beenden“, sagte Trump am Mittwoch in Washington. Laut dem US-Portal Axios sagte Trump aber auch, er wisse nicht, ob ein Deal mit Russland überhaupt möglich sei.

Aus dem Kreml hatte es zuvor geheißen, in der zentralen Frage zu Gebietsabtretungen an Russland sei „noch keine Kompromisslösung“ gefunden worden. Man sei zu weiteren Gesprächen mit der US-Regierung bereit. Russland besetzt derzeit rund 20 Prozent ukrainisches Territorium und fordert von Selenskyj die Überlassung auch von Regionen, die Russland noch gar nicht erobert hat.

Strittig ist auch ein möglicher künftiger NATO-Beitritt der Ukraine sowie Fragen der Sicherheitsgarantien. Denn die Ukraine und auch Europa befürchten, dass Putin erneut angreifen könnte, dann sogar umso heftiger. (Quellen: dpa, Axios, Spiegel) (smu)

Rubriklistenbild: © Imago

Kommentare