Bosnischer Serbenführer und Putin-Freund Dodik schäumt nach Haftstrafen-Urteil – „Schwachsinn“
VonChristoph Gschoßmann
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Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Das Urteil gegen ihn enthält eine zusätzliche „Sicherheitsmaßnahme“.
Sarajewo – Haftstrafe für Milorad Dodik: In einem mit Spannung erwarteten Urteil verhängte ein Gericht in Sarajevo am Mittwoch (26. Februar) eine einjährige Haftstrafe gegen den bosnischen Serbenführer Milorad Dodik wegen Missachtung des Hohen Repräsentanten der UNO. Dodik selbst, der sich über die internationalen Vorgaben zuvor offen hinweggesetzt hatte, kritisierte das Urteil scharf.
Bosnischer Serbenführer zu Gefängnis-Strafe verurteilt – Dodik kann das Urteil noch anfechten
Dodik, der das Urteil noch anfechten kann, ist Präsident der überwiegend von Serben bewohnten Republika Srpska, die neben der kroatisch-muslimischen Föderation Bosnien und Herzegowina einen bedeutenden Teil des Balkanstaates ausmacht. Hintergrund des Prozesses gegen den 65-jährigen nationalistischen Politiker, der als Verbündeter von Kremlchef Wladimir Putin gilt, waren Vorwürfe, dass Dodik Entscheidungen des von den Vereinten Nationen entsandten Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt, missachtet habe.
Bereits im Vorfeld des Urteilsspruchs hatte der Prozess die Sorge um die Stabilität in dem Westbalkanstaat geschürt, der seit 2022 EU-Beitrittskandidat ist. Dodik hatte angedroht, die Republika Srpska werde sich aus zahlreichen Institutionen der bosnisch-herzegowinischen Zentralregierung zurückziehen, sollte er verurteilt werden.
Hoher Repräsentant Schmidt: Bosnien und Herzegowina „nicht verhandelbar“
Unter anderem wolle er dann den Status von Armee, Polizei, Geheimdienst, Zoll, Steuer- und Justizbehörden „neu verhandeln“. Sollte dies nicht gelingen, werde er noch weitergehen und eine „Konföderation“ mit Serbien anstreben. Die internationale Gemeinschaft setze sich laut Schmidt „weiterhin entschlossen für Frieden und Stabilität“ in der Region ein, sagte er in Sarajevo. Bosnien und Herzegowina sei „nicht verhandelbar“.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
1995 wurde das Dayton-Abkommen geschlossen. Seitdem wacht der Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft, welcher von der UNO ernannt wird, über die Einhaltung des Friedensabkommens. Außerdem hat er weitgehende Befugnisse – darunter auch das Recht, Gesetze durchzusetzen oder aufzuheben und gewählte Vertreter zu entlassen. Seit 2021 hat der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt von der CSU das Amt inne.
Dodik wollte Gesetze verabschieden lassen, um den Hohen Repräsentanten zu umgehen
Dodik muss sich für seine Handlungen im Juni 2024 verantworten. Damals hatte er das Parlament der Republika Srpska dazu angestiftet, zwei Gesetze abzusegnen, mit denen die Umsetzung von Entscheidungen des bosnischen Verfassungsgerichts und des Hohen Repräsentanten verboten wird. Schmidt hob diese zwar umgehend wieder auf, Dodik aber verkündete sie trotzdem; auch wurden sie im Amtsblatt des serbischen Landesteils veröffentlicht.
Zusätzlich zu der einjährigen Haftstrafe entschied das Gericht, dass eine „Sicherheitsmaßnahme“ verhängt werde, die darin bestehe, „dass er sechs Jahre lang nicht das Amt des Präsidenten der Republika Srpska ausüben darf“, sobald das Urteil rechtskräftig wird. Dodik kritisierte das Urteil umgehend. „Ich bin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, für ihren Schwachsinn und ihr Gefängnis“, rief er nach der Urteilsverkündung bei einer Kundgebung in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska. „Sie sagen, dass ich schuldig sei, aber die Leute hier werden ihnen sagen, warum ich nicht schuldig bin“, fügte er hinzu. (cgsc mit afp)