Sorge vor Eskalation: Trump droht Iran mit zweitem Flugzeugträger – „haben ihre Karten überreizt“
VonFelix Durach
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Droht die Eskalation zwischen den USA und Iran? Donald Trump drängt auf einen Deal, droht aber gleichzeitig mit der Entsendung weiterer Kriegsschiffe.
Die Entsendung eines Flugzeugträgers ist wohl die symbolträchtigste Drohgebärde, zu der die US-Regierung im Stande ist. Alleine die Präsenz einer dieser militärischen Kolosse in einem Krisengebiet kann zu einem Ende des Konflikts führen. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln in die Nähe des Irans zu verlegen, sorge deswegen für Aufregung. Doch plant Trump bereits die nächste Eskalationsstufe. Eine weitere Flugzeugträger-Kampfgruppe soll in den Nahen Osten verlegt werden.
Die Ankündigung machte der US-Präsident, während die Verhandlungen mit dem Iran eine neue Phase erreichen. „Wir haben eine Flotte, die unterwegs ist, und eine weitere könnte folgen“, sagte Trump dem US-Nachrichtenportal Axios. Der US-Präsident „denke darüber nach“, einen weiteren Flugzeugträger zu entsenden. Ein Insider bestätigte gegenüber Axios die Überlegungen. Die USS Abraham Lincoln mit ihrer Kampfgruppe, bestehend aus Kampfjets, Tomahawk-Raketen und mehreren Schiffen, befindet sich bereits in der Region. Ein weiterer der insgesamt elf Flugzeugträger der US-Streitkräfte könnte bald folgen.
Eskalation zwischen USA und Iran? Trump drängt vor Netanjahu-Besuch auf Deal
Die angedrohte militärische Verstärkung erfolgt parallel zu den diplomatischen Bemühungen. Vertreter der USA und des Irans hatten am Freitag in Omans Hauptstadt Maskat Gespräche begonnen – die ersten seit dem zwölftägigen Krieg im Juni 2025. Trump zeigte sich optimistisch über den diplomatischen Weg und behauptete, der Iran „will sehr gerne einen Deal machen“ und engagiere sich aufgrund der militärischen Bedrohung viel ernster als bei früheren Gesprächen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird heute bei seinem Treffen mit Trump in Washington auf spezifische Forderungen seines Landes pochen. „Ich werde dem Präsidenten unsere Sichtweise zu den Grundsätzen dieser Verhandlungen darlegen“, sagte Netanjahu vor seinem Abflug. Israel fordert, dass jegliche Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowohl eine Begrenzung ballistischer Raketen als auch eine Beendigung der Unterstützung iranischer Verbündeter in der Region beinhalten müssen.
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Nach Angaben der israelischen Zeitung Jediot Achronot will Netanjahu dabei auch aktuelle Geheimdienstinformationen über Irans Raketenprogramm mit Trump teilen und ihn warnen, dass Teheran Langstreckenraketen entwickle, die die Vereinigten Staaten treffen können. Israels Energieminister Eli Cohen hatte dem israelischen Armeeradio gesagt, Verhandlungen mit dem Iran seien wertlos: „Der Iran hat keine seiner Verpflichtungen erfüllt.“
„Sie haben ihre Hand überreizt“: Trump warnt Iran vor neuen Angriffen
Trump sieht die israelischen Bedenken gelassener. Er glaube nicht, dass Netanjahu wegen der Verhandlungen nervös sei, sagte er Axios. „Auch er will ein Abkommen. Er will ein gutes Abkommen.“ Das Treffen im Weißen Haus – das siebte seit Trumps Amtsantritt – ist für 11:00 Uhr Ortszeit (17:00 Uhr MESZ) angesetzt.
Die aktuellen Gespräche finden vor dem Hintergrund dramatischer Veränderungen in der regionalen Machtbalance statt. Israel hatte im Juni 2025 zwölf Tage Krieg gegen den Iran geführt und zusammen mit den USA iranische Atomanlagen bombardiert. Zudem hat Israel in den vergangenen zwei Jahren Irans Verbündete wie die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon militärisch stark geschwächt.
Trump verwies auch auf die Bereitschaft der US-Regierung, militärische Schläge gegen den Iran auszuführen: „Beim letzten Mal glaubten sie nicht, dass ich es tun würde. Sie haben ihre Karten überreizt.“ Damit verwies Trump auf die „Operation Midnight Hammer“ im vergangenen Sommer, als US-Bomber Angriffe auf drei Atomanlagen im Iran ausführten. Diesmal seien die Gespräche „sehr anders“. Ein Termin für eine mögliche Fortsetzung der Verhandlungen steht bisher nicht fest, Trump erwartet die zweite Runde für nächste Woche.
Verhandlungen zwischen USA und Iran – „Wir können einen großartigen Deal machen“
Israels früherer Botschafter in den USA, Michael Oren, warnte jedoch vor den Risiken eines Abkommens. Netanjahu sei besorgt, dass Trump einem Deal zustimmen könnte, der den Iran „vom Haken“ lasse, zitierte das Wall Street Journal. „Dieser militärische Sieg könnte zunichtegemacht werden, wenn dem Iran eine Lockerung der Sanktionen gewährt wird und er wieder zu einer großen regionalen Bedrohung wird, bewaffnet mit ballistischen Raketen und Terror unterstützend“, sagte Oren.
Der Iran hat mehrfach erklärt, ausschließlich über sein Atomprogramm verhandeln zu wollen, nicht aber über seine Raketen. Trump hingegen betonte, es sei „selbstverständlich“, dass jedes Abkommen das Atomprogramm abdecke, aber er denke auch, dass es Irans ballistische Raketenlager ansprechen sollte. „Wir können einen großartigen Deal mit dem Iran machen“, sagte er. Was droht, sollte man sich einem Deal verweigern, kann die iranische Führung in Teheran mit einem Blick aufs Arabische Meer erahnen. Dort könnten schon bald zwei Flugzeugträger als ultimative Drohgebärde geparkt werden. (Quellen: Axios, Wall Street Journal, dpa) (fdu)