Von Stephanie Munk
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Um einen Krieg abzuwenden, schicken der Iran und die USA heute hochrangige Verhandler in den Oman. Ein Nahost-Experte schätzt die Lage als prekär ein.
„Das größte Problem ist fehlendes Vertrauen“: So bewertet der Nahost-Experte Andreas Böhm von der Universität St. Gallen die heutigen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA im Oman. Und für Vertrauen besteht auch kein Anlass: Die USA haben in den vergangenen Wochen massiv Militär am Golf zusammengezogen . Das Regime in Teheran reagierte mit Drohungen und Provokationen. Ein neuer Krieg schwebt im Raum, falls die Verhandlungen heute scheitern.
Verhandlungen zwischen den Iran und USA am 6. Februar im Oman sollen den Konflikt zwischen den beiden Staaten eindämmen.
© Imago (Montage)
Teheran gehe davon aus, dass das Scheitern der Gespräche und eine Eskalation durch US-Präsident Donald Trump bereits eingeplant sind, so Nahost-Experte Böhm gegenüber der Frankfurter Rundschau : „Die Iraner nehmen an, die Verhandlungen seien nur ein Vorwand, um ein Scheitern zu provozieren und dann einen Angriff zu legitimieren.“ Genauso groß sei das Misstrauen aufseiten der Amerikaner. Die Trump-Regierung glaube, „dass der Iran nur auf Zeit spielen und die Verhandlungen bis zum Sankt-Nimmerleinstag ausdehnen will“.
Verhandlungen heute im Oman: Erwartungen der USA und des Iran seien grundverschieden Doch was ist das Ziel der Verhandlungen? Die Erwartungen gehen „grundlegend auseinander“, so Böhm. Der Iran will die Gespräche strikt auf das iranische Atomprogramm beschränken und ist laut dem Nahost-Experten auch nur gewillt, bei der Urananreicherung Kompromisse einzugehen. Und die USA? „Die Amerikaner wollen einen umfassenden Deal, insbesondere weil Israel auf der Raketenfrage besteht.“
Nahostexperte Dr. Andreas Böhm von der Universität St. Gallen.
© Privat
Teheran soll nach Willen Washingtons sein Raketenprogramm begrenzen. Doch das sei für den Iran ein „No-Go“, betont Böhm: „Gerade die Raketen sind das letzte verbliebene Mittel der Abschreckung.“ In Reichweite der Kurz- und Mittelstreckenraketen Teherans liegen nicht nur alle Golfstaaten und Israel, sondern auch die Straße von Hormus, wo Unmengen an Erdöl global verschifft werden. Verzichtet der Iran darauf, verliert er ein entscheidendes globales Druckmittel.
Auch von der Unterstützung der „Achse des Widerstands“, also den israelfeindlich gesinnten Milizen im Libanon, Irak, Jemen und Syrien, werde der Iran nicht ablassen, glaubt der Experte von der Uni St. Gallen: „Grundsätzlich wird Chamenei sich eher auf einen Krieg einlassen, als die Fundamente seines Regimes am Verhandlungstisch aufzugeben.“
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran Am 13. Juni 2025 startete die israelische Armee Luftangriffe auf die Islamische Republik Iran unter dem Codenamen „Operation Rising Lion“. Ziel der Angriffe waren die Atomanreicherungsanlagen des Landes sowie Zentren der Macht des Mullah-Regimes. Doch auch Irans Hauptstadt Teheran geriet unter Beschuss, wie dieses Bild einer Frau auf dem Haft-e Tir Platz in Teheran zeigt. © afp Befohlen hatte Israels Angriff auf den Iran Premierminister Benjamin Netanjahu. Er begründete den Angriff auf das Mullah-Regime mit der atomaren Gefahr, die von diesem für den jüdischen Staat ausgehen würde. Teheran sei kurz davor, eine Atombombe fertigzustellen. Und solange der Iran die Vernichtung Israels als Teil seiner Staatsdoktrin verstehe, könne man mit Blick auf den Iran in Jerusalem kein Risiko eingehen. © Bernd von Jutrczenka/dpa Noch am selben Tag schlug der Iran zurück. Unter dem Codenamen „Operation True Promise III“ flogen Raketen Richtung Israel, die auch die Regionen rund um Tel Aviv trafen. Hier zu sehen ist ein Rettungshelfer mit einem Kind auf dem Arm in der Stadt Ramat Gan, einem Vorort der Millionenmetropole am Mittelmeer. © Ilia Yefimovich/dpa Sowohl im Iran als auch wie hier in der israelischen Großstadt Tel Aviv waren die Schäden der gegenseitigen Luftangriffe enorm. Laut unbestätigten Meldungen sollen im Iran bis zum 16. Juni 2025 etwa 800 Menschen getötet worden sein. In Israel sollen nach offiziellen Angaben acht Menschen infolge der Raketenangriffe aus dem Iran gestorben sein. © Oded Balilty/dpa Nahostkonflikt - Trump über Angriff auf iranische Atomanlagen Doch wer sind die wichtigsten Akteure im Israel-Iran-Krieg? Und gibt es eine Opposition im Mullah-Regime? Antworten auf diese Frage finden Sie in den folgenden Bildern.
Neben dem bereits erwähnten Benjamin Netanjahu steht auf der einen Seite Donald Trump. Der US-Präsident befahl am 22. Juni 2025 einen koordinierten Angriff aus der Luft und von der See auf die Atomanreicherungsanlagen des Iran. Die Operation lief unter dem Codenamen „Operation Midnight Hammer“. Die US-Streitkräfte nahmen die iranischen Atomanlagen in Fordo, Natanz und Isfahan unter Beschuss. Laut Trump, hier bei der Verkündung der Operation und in Begleitung von Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth, wurden alle drei Anlagen vollständig zerstört. © Carlos Barria/dpa US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat nach Donald Trump im Pentagon für die Fernsehkameras US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat nach Donald Trump im Pentagon für die Fernsehkameras. Hegseth nannte die Militäroperation gegen den Iran einen vollen Erfolg. An dem Angriff waren laut dem Verteidigungsministerium insgesamt rund 125 Flugzeuge beteiligt, darunter sieben B-2-Bomber, mehrere Tankflugzeuge sowie Aufklärungs- und Unterstützungsmaschinen Ebenfalls beteiligt an dem Angriff war laut Hegseth ein U-Boot, das im Golf von Oman stationiert war und insgesamt 30 Tomahawk-Raketen auf Ziele im Iran abfeuert. © Alex Brandon/dpa Israel Katz, seit November 2024 Verteidigungsminister im Kabinett von Benjamin Netanjahu Ein weiterer Protagonist im eskalierenden Nahostkonflikt ist Israel Katz, seit November 2024 Verteidigungsminister im Kabinett von Benjamin Netanjahu. Beide gehören der rechtskonservativen Likud-Partei an. Katz gilt parteiintern als Konkurrent Netanjahus. In Sachen israelischer Außenpolitik vertritt er aber ähnliche Position. So lehnt Katz, hier bei einem Truppenbesuch an der israelischen Grenze zum Libanon, eine Zweistaatenlösung im Konflikt mit den Palästinensern ebenso ab wie Netanjahu. © Ariel Hermoni/dpa Majorgeneral Amir Hatami, hier mit Admiral Mahmoud Mousavi (rechts) und Admiral Habibollah Sayyari Ein mächtiger Mann im Iran ist Verteidigungsminister und Majorgeneral Amir Hatami, hier mit Admiral Mahmoud Mousavi (rechts) und Admiral Habibollah Sayyari bei einer Sitzung im Hauptquartier in der iranischen Stadt Zolfaghar. Hatami drohte Israel nach deren Raketenangriff mit Vergeltung und warf der „zionistischen Armee“ Versagen im Bodenkampf vor, weshalb sie ihre Angriffe auf die Luft beschränken würden. © imago Als noch mächtigerer Militärvertreter im Iran galt zeit seines Lebens Qasem Soleimani Als noch mächtigerer Militärvertreter im Iran galt zeit seines Lebens Qasem Soleimani. Er war seit 1998 Kommandeur der Quds-Einheit, einer Unterabteilung der iranischen Revolutionsgarde, die Spezialeinsätze außerhalb des Irans durchführt. Er galt als Vertrauter von Ajatollah Ali Chamenei und als einer der Hauptverantwortlichen für die Ausweitung des iranischen Einflusses auf weite Teile des Nahen Ostens. Am 3. Januar 2020 wurde Soleimani während eines Besuch im benachbarten Irak auf Befehl von US-Präsident Donald Trump von einer Drohne des US-Militärs getötet. An jedem Jahrestag veranstaltet das Mullah-Regime in Teheran eine große Gedenkdemonstration. © Ameer Al Mohammedaw/dpa Esmail Qa‘ani zum Oberbefehlshaber der Quds-Brigaden Nach dem Tod von Qasem Soleimani wurde sein Stellvertreter Esmail Qa‘ani zum Oberbefehlshaber der Quds-Brigaden des Iran ernannt. © imago Der mächtigste Mann auf der anderen Seite ist Irans „Oberster Führer“ Ajatollah Ali Chamenei. Der mächtigste Mann im Iran ist der „Oberste Führer“ Ajatollah Ali Chamenei. Der Anführer des Mullah-Regimes, hier bei einer Zeremonie im Rahmen des „Festivals der Engel“ im Jahr 2023, ist seit 1989 das politische und religiöse Oberhaupt des schiitisch geprägten Iran. Diese Position macht Chamenei auch zum „Revolutionsführer“. Er ist außerdem die höchste geistliche Instanz im Range eines Ajatollah und der Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte in der Islamischen Republik Iran. © imago Ruhollah Khomeini, besser bekannt als Ajatollah Khomeini. Sein Vorgänger im Amt des Ajatollahs war Ruhollah Khomeini, besser bekannt als Ajatollah Khomeini. Er führte die Islamische Republik Iran seit der Islamischen Revolution 1979 bis zu seinem Tod 1989 an. Hier betet Khomeini im französischen Exil, aus dem heraus er die Revolution in seinem Heimatland organisierte, und das er erst am 1. Februar 1979 in Richtung des Iran wieder verließ. © imago Ajatollah Ali Chamenei tat dies zuletzt im Jahr 2024 in Teheran Dem obersten Führer des Landes kommt auch die Aufgabe zu, die Präsidentschaftswahlen im Iran zu eröffnen. Ajatollah Ali Chamenei tat dies zuletzt im Jahr 2024 in Teheran. In der Hochsicherheitszone der Hauptstadt der islamischen Republik gab das Staatsoberhaupt seine Stimme ab. © Arne Immanuel Bänsch/dpa Der Wächterrat, hier bei einer Sitzung im Jahr 2009 Von einer freien Wahl kann bei der Präsidentschaftswahl im Iran aber keine Rede sein. Der Wächterrat, hier bei einer Sitzung im Jahr 2009, entscheidet unter dem Vorsitz des Ajatollahs, welche Kandidaten überhaupt an der Wahl teilnehmen dürfen. Von insgesamt 80 Bewerbungen blieben gerade einmal sechs Kandidaten übrig, bei denen es sich allesamt um systemtreue Politiker handelte. © imago Die Präsidentschaftswahl 2024 im Iran gewann Massud Peseschkian. Die Präsidentschaftswahl 2024 im Iran gewann Massud Peseschkian. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2021 hatte der Wächterrat der Islamischen Republik Iran seine Kandidatur noch verhindert. Peseschkian gilt innerhalb des Irans als eher moderate Kraft. Er versprach eine Öffnung seines Landes hin zum Westen und betonte, der Iran strebe keine Atomwaffen an. Gleichzeitig forderte auch Peseschkian das „Verschwinden des zionistischen Regimes [Israel] von der Landkarte“ und feierte die iranischen Raketenangriffe auf Israel im Jahr 2024. © imago Trauerfeier für Irans Präsident und Außenminister Ebrahim Raisi Eigentlich hätte die Präsidentschaftswahl im Iran erst 2025 stattfinden sollen. Doch weil der amtierende Präsident, der ultrakonservative Ebrahim Raisi, im Mai 2024 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam, wurde die Wahl nach vorverlegt. © dpa Hossein Amir-Abdollahian, Außenminister des Iran Bei dem Hubschrauberabsturz kam auch Hossein Amir-Abdollahian, Außenminister des Iran und hier beim Weltwirtschaftsforum in Davos, ums Leben. © Hannes P Albert/dpa Abbas Araghtschi (m.), der hier gemeinsam mit dem iranischen Botschafter in Russland, Kazem Jalali, auf Staatsbesuch bei Präsident Wladimir Putin Nachfolger von Massud Peseschkian im Amt des Außenministers wurde Abbas Araghtschi (m.), der hier gemeinsam mit dem iranischen Botschafter in Russland, Kazem Jalali, auf Staatsbesuch bei Präsident Wladimir Putin im Kreml aufschlägt. Russland gilt als strategischer Verbündeter der Islamischen Republik Iran. Die beiden Länder bilden gemeinsam mit Armenien eine diplomatische Achse im Kaukasus und sind militärische Partner bei den Konflikten in Syrien, Irak und Afghanistan. Russland ist aber nicht der einzige internationale Verbündete des Mullah-Regimes. © Alexander Kazakov/dpa OIC-Sitzung in Istanbul mit Irans Außenminister Ein weiterer, wenn auch deutlich weniger enger, Verbündeter des Iran ist Pakistan. Hier unterhält sich der iranische Außenminister Abbas Araghtschi (r) mit seinem pakistanischen Amtskollegen Ishaq Dar während der Sitzung des Außenministerrats der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). © Khalil Hamra/dpa die islamistische Terrormiliz Hisbollah im Libanon Einer der engsten internationalen Verbündeten des Mullah-Regimes im Iran ist die islamistische Terrormiliz Hisbollah im Libanon. Der Iran unterstützt die Gruppierung mit bis zu einer Milliarde US-Dollar pro Jahr. Wie die Führer der Islamischen Republik Iran gilt auch die Hisbollah als schiitisch geprägte Organisation und als Teil der „Achse des Widerstands“ gegen den Einfluss der USA und Israels in der Region. © imago mehrere tausend Pager wie den im Bild und andere elektronische Geräte der Hisbollah im Vorfeld mit dem Sprengstoff Nitropenta zu präparieren Dem israelischen Geheimdienst Mossad gelang im September 2024 ein empfindlicher Schlag gegen die Hisbollah-Miliz. Den Mossad-Agenten gelang es, mehrere tausend Pager wie den im Bild und andere elektronische Geräte der Hisbollah im Vorfeld mit dem Sprengstoff Nitropenta zu präparieren und nahezu zeitgleich explodieren zu lassen. Mindestens 37 zum Teil hochrangige Mitglieder der Hisbollah starben, rund 3.000 Menschen wurden teils schwer verletzt. © imago Huthi-Rebellen im Jemen Ebenfalls zu der „Achse des Widerstands“ gehören die Huthi-Rebellen im Jemen. Die schiitische Terrororganisation zettelte dort 2004 einen Bürgerkrieg an. 2014 eroberten sie jemenitische Hauptstadt Sanaa, 2015 schließlich die Kontrolle über den Rest des Landes. Der Iran ist bislang das einzige Land, das die Huthis als legitimie Herrscher des Jemen anerkennen. Während die alte Regierung im Jemen von dem sunnitisch geprägten Königshaus in Saudi-Arabien unterstützt wurde, erhalten die Huthi-Rebellen finanzielle, militärische und logistische Hilfe aus dem Iran. Im Gegenzug vertreten die Huthis die Interessen der Mullahs in der Region und führen für sie einen Stellvertreterkrieg gegen Israel und die USA im Roten Meer. © imago die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas Das letzte Mitglied der „Achse des Widerstands“ ist die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas, die seit 2006 über den Gazastreifen herrscht, und die seit den 1990er Jahren von der Islamischen Republik Iran unterstützt wird. Laut israelischen Geheimdiensten erhält die Hamas bis zu 350 Millionen US-Dollar jährlich aus dem Iran - obwohl die palästinensische Terrororganisation sunnitisch geprägt ist und damit im Gegensatz steht zum schiitisch dominierten Mullah-Regime im Iran. © imago Hamas-Führer Yahya Sinwar Geeint sind die palästinensische Hamas und die iranischen Mullahs in ihrem Hass auf Israel. Der äußerte sich in seiner ganzen Grausamkeit am 7. Oktober 2023, als Terror-Einheiten der Hamas den Süden Israels überfielen, 1.200 Menschen töteten und 200 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. Geplant wurde der Angriff durch den mittlerweile verstorbenen Hamas-Führer Yahya Sinwar (m.), der dabei umfangreiche Hilfe aus dem Iran erhielt. Unter anderem wurden mehr als 500 Hamas-Kämpfer im Vorfeld der Attacke im Iran ausgebildet. © imago Proteste gegen die Regierung des Iran im Jahr 2009 Doch bei weitem nicht alle Menschen im Iran stehen hinter der Herrschaft des autoritären Mullah-Regimes. Das bewiesen zuletzt die Proteste gegen die Regierung im Jahr 2009. In Teheran kam es im Zuge dessen zu gewaltsamen Ausschreitungen. © imago Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi Das bekannteste Gesicht der iranischen Opposition ist Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Der Schah-Erbe lebt im Exil in den USA und ruft von dort aus seine Landsleute regelmäßig zum Widerstand gegen das Mullah-Regime auf. © Thomas Padilla/dpa Reza Pahlavi, hier als sieben Jahre alter Kronprinz des Iran, verließ das Land 1978 und reiste für seine Ausbildung in die USA Reza Pahlavi, hier als sieben Jahre alter Kronprinz des Iran, verließ das Land 1978 und reiste für seine Ausbildung in die USA. Ein Jahr später kam es zur Islamischen Revolution im Iran und dem Ende der dortigen Schah-Herrschaft. © imago Mohammed Reza Pahlavi, Schah im Iran Sein Vater, Mohammed Reza Pahlavi, regierte den Iran als letzter Schah seit 1941. Nach der Islamischen Revolution in seinem Heimatland und der Machtübernahme der Mullahs floh Pahlavi mit seiner Frau nach Kairo. © imago Mohammed Reza Pahlavi regierte als autoritärer Herrscher im Iran und besuchte in dieser Funktion 1967 auch Deutschland. Mohammed Reza Pahlavi regierte als autoritärer Herrscher im Iran und besuchte in dieser Funktion 1967 auch Deutschland. Während seines Besuchs in Berlin kam es zu heftigen Protesten gegen die Schah-Monarchie der noch jungen Studentenbewegung. Anhänger des Schah-Regimes und Agenten des iranischen Geheimdienstes prügelten unbehelligt auf Demonstranten und Passanten ein. In die gewalttätigen Auseinandersetzungen schaltete sich die schließlich die Berliner Polizei ein. Im Zuge dessen erschoss der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. Kurras wurde 2009 als Stasi-Agent enttarnt. © imago Yasmine Pahlavi und Iman Pahlavi in Washington DC Im Gegensatz zu seinem Vater strebt Reza Pahlavi nach eigener Aussage den Aufbau einer demokratischen Regierung im Iran an. Dafür tritt er immer wieder auf öffentlichen Kundgebungen auf, wie hier in Washington DC im April 2025. Zu der Veranstaltung begleiteten den Schah-Erbe seine Frau Yasmine Pahlavi und die gemeinsame Tochter Iman Pahlavi. © imago Ein weiteres prominentes Gesicht der iranischen Opposition ist Maryam Rajavi. Ein weiteres prominentes Gesicht der iranischen Opposition ist Maryam Rajavi. Die 71 Jahre alte Politikerin lebt im Exil in Paris und ist Präsidentin des „Nationalen Widerstandsrates im Iran“ (NWRI). Zu Beginn der Islamischen Revolution im Iran im Jahr 1979 stand Rajavi noch auf der Seite der Mullahs. Zum Bruch kam es erst ab 1981. Ein Jahr später verließ Rajavi den Iran. Die Politikerin will einen Regimewechsel im Iran durch das iranische Volk und bietet laut einem Interview mit Fox News eine „demokratische und inklusive Alternative“ zum Mullah-Regime. © imago Rudy Giuliani. Der ehemalige Bürgermeister von New York sprach auf einer Kundgebung von Reza Pahlavi in Washington DC. Hinter Maryam Rajavi stehen auch prominente Figuren der US-Politik aus dem Umfeld von Donald Trump. Dazu gehört unter anderem Rudy Giuliani. Der ehemalige Bürgermeister von New York sprach auf einer Kundgebung vor Anhängerinnen und Anhängern Rajavis in Washington DC. © imago Elahe Tavakolian auf einer Demonstration gegen das Mullah Regime im Iran Ohnehin ist ein Großteil der Führungspersönlichkeiten der iranischen Opposition weiblich. Zum Symbol des weiblichen Widerstands gegen das patriarchale Mullah-Regime wurden seit den 2010ern Augenverletzungen. Zahlreiche Demonstrantinnen erlitten diese infolge der Aufstände gegen die Islamische Republik Iran. Eine solche erlitt auch Elahe Tavakolian, die mittlerweile in Italien lebt und dort regelmäßig an Demonstrationen teilnimmt. © imago Studentin Kosar Eftekhari aus dem Iran Auch die Studentin Kosar Eftekhari erlitt eine solche Verletzung und verließ den Iran infolgedessen. Sie lebt mittlerweile in Berlin und engagiert sich dort in der iranischen Oppositionsbewegung. © imago Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad Eine weitere bekannte Persönlichkeit der iranischen Opposition ist die Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin Masih Alinejad, die hier auf einer Kundgebung in Washington DC spricht. Die heute 48 Jahre alte Frau wurde 1994 im Iran verhaftet, weil sie regierungskritische Flugblätter in Umlauf gebracht haben soll. Heute lebt Alinejad in den USA und gründete dort im Jahr 2010 die Gruppe IranNeda, in der sich Schritstellerinnen und Schriftsteller sowie Intelektuelle aus dem Iran gemeinsam gegen das Mullah-Regime engagieren. © imago 2009 in Teheran verstorbenen Neda Agha-Soltan Der Name IranNeda leitet sich von der 2009 in Teheran verstorbenen Neda Agha-Soltan ab. Die iranische Studentin wurde während einer Demonstration gegen das Mullah-Regime von einem Mitglied der Bürgermiliz Basidsch erschossen. Ihr Vorname, der auf persisch „Stimme“ oder „Ruf“ bedeutet, wurde zum Symbol und Kampfbegriff der iranischen Oppositionsbewegung. © imago Sara Seyed ist Schauspielerin, Autorin, Produzentin und internationale Menschenrechtsanwältin. Gegen das Mullah-Regime im Iran kämpft auch Sara Seyed. Sie ist Schauspielerin, Autorin, Produzentin und internationale Menschenrechtsanwältin. © imag Verhandlungen mit dem Iran: Wie weit geht Trump? USA stehen unter Druck Es hängt bei den Verhandlungen also auch an der Haltung von Trump: Wird er seine Forderungen auf das iranische Atomprogramm beschränken? Oder stellt er weitere Bedingungen, die rote Linien für den Iran sind und die Eskalation vorantreiben? Der Druck auf den US-Präsidenten ist hoch: Trump kündigte in den vergangenen Wochen mehrmals an, er werde im Iran eingreifen. Während der Proteste gegen das unterdrückerische Mullah-Regime im Land, bei denen tausende Menschen starben, kündigte er an: „Hilfe ist unterwegs“. Trump schreckte dann aber – offenbar in letzter Minute – vor einem Militärschlag zurück. Mitte Januar sagte Trump gegenüber Politico dann wiederum: „Es ist Zeit, nach einer neuen Führung im Iran zu suchen.“
Das Mullah-Regime im Iran
Seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 wird der Iran von einem islamischen „obersten Führer“ autoritär regiert, seit 1989 von Ali Chamenei. Das Regime kontrolliert jeden Aspekt des Alltags in Hinblick auf die Einhaltung von Religion und Ideologie. Dafür wurde ein totalitäres System der Unterdrückung geschaffen, mit schweren Verletzungen der Menschenrechte. Zu westlichen Staaten besteht eine offene Feindschaft, vorrangig gegenüber den USA und Israel.
Einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen, sei jedoch utopisch, ist sich Experte Böhm sicher: „Um einen Umsturz einzuleiten, müsste eine aufwändige, länger andauernde Mission durchgeführt werden, für die massive Ressourcen eingesetzt werden, was nicht in Trumps Kalkül passt und wofür es in den USA keine Unterstützung gäbe.“ Wahrscheinlicher sei eine beschränkte oder nur symbolische Militäraktion der USA. Dies würde zwar „Trumps hehre Worte unterfüttern“, aber keine nachhaltige Wirkung erzielen.
Mullah-Regime im Iran kämpft um Überleben – Verhandlungen über Atomwaffen heute im Oman Dass sich der Iran jetzt überhaupt auf die Verhandlungen einlässt, dürfte daran liegen, dass das Mullah-Regime sich zwar nach außen stark und geschlossen gibt, aber mit seinem Überleben kämpft: Harte Wirtschaftssanktionen haben das Land in die wirtschaftliche Katastrophe gestürzt. Durch einen Deal mit Trump beim Atomwaffenprogramm dürften die Mullahs auf Lockerung der Sanktionen hoffen. Das Regime könnte so auch seine verarmte Bevölkerung, die sich immer wieder zu verzweifelten Protesten versammelt, vorerst besänftigen.
Wenn es einen Deal gibt, den Trump verkaufen kann, besteht eine Chance. Sonst kommt es zum Konflikt.
Nahost-Experte Andreas Böhm Bei den Verhandlungen heute in der omanischen Hauptstadt Maskat nehmen von Seiten der USA Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und sein Sondergesandter Steve Witkoff teil. Trumps unkonventionelles Zweier-Team jettet seit Amtsantritt des US-Präsidenten in die Krisenherde der Welt, um zu vermitteln. Auch in Gaza und der Ukraine suchten sie schon nach Lösungen.
Auch wenn die Lage schwierig ist: Eine Eskalation zwischen den USA und Iran könnte die neuen Verhandlungen durchaus noch verhindern, so Böhm: Ein „Hoffnungsstreifen“ sei, dass Trump öffentlich nur auf das Ziel, die Urananreicherung im Iran zu begrenzen, hingewiesen habe. Über die anderen Ziele herrscht weitgehend Unklarheit. Dass es Trump vorrangig um Menschenrechte und Repressionen im Iran gehe, glaubt Böhm nicht. „Wenn es einen Deal gäbe, den Trump so verkaufen kann, dass die Atomfrage für alle Zeiten gelöst ist, besteht eine Chance. Sonst kommt es zum Konflikt.“ (Quellen: eigene Recherche, Politico, dpa) (smu)
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