Neue Umfrage verstärkt die Angst vorm Rechtsruck in Spanien
VonRobert Wagner
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Die Konservativen können laut einer Umfrage ihren Vorsprung ausbauen. Auf ein Zusammengehen mit den Rechtspopulisten von Vox wären sie aber immer noch angewiesen.
Madrid - Zwei Wochen vor der Spanien-Wahl am 23. Juli baut die konservative Volkspartei (PP) von Oppositionsführers Alberto Núñez Feijóo ihren demoskopischen Vorsprung gegenüber der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) von Ministerpräsidenten Pedro Sanchez aus, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Um die absolute Mehrheit zu erreichen, wäre sie aber weiterhin auf ein Zusammengehen mit der rechtspopulistischen Vox-Partei angewiesen.
Umfrage zur Spanien-Wahl: Konservative sind klar in Führung, Rechtspopulisten verlieren
Laut einer für die spanische Zeitung La Vanguardia zwischen dem 3. und 6. Juli durchgeführten und am Sonntag (9. Juli) veröffentlichten Umfrage unter 2.000 Personen käme die oppositionelle PP auf 35 % der Stimmen, während die PSOE nur 28 % erreichen würde. Damit würden die Konservativen mit 138 bis 147 Abgeordneten in das spanische Parlament einziehen, was ein deutlicher Zugewinn wäre. Auf die regierende PSOE kämen hingegen nur noch 102 bis 113 Sitze. Insgesamt umfasst das spanische Unterhaus 350 Abgeordnete
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez hat keine guten Aussichten, sein Amt zu behalten - sofern die konservative Volkspartei tatsächlich ein Bündnis mit der rechtspopulistischen Vox-Partei eingeht.
Die Plätze drei und vier im parlamentarischen Wettrennen belegen zu fast gleichen Teilen die linksradikale Sumar-Partei mit 13 Prozent und die rechtsradikale Vox-Partei mit 12,6 Prozent. Sumar käme damit auf 31 bis 39 Sitze im Parlament, Vox auf 32 bis 39. Die Rechtspopulisten würden nach dieser Umfrage einen herben Verlust hinnehmen müssen, da sie aktuell 52 Abgeordnete stellen.
Spanien-Wahl: Rechtsruck in Spanien droht weiterhin
Auch die Umfragen zur Spanien-Wahl, die andere große Zeitungen in Auftrag geben, zeigen einen deutlichen Vorsprung der oppositionellen PP gegenüber den regierenden Sozialdemokraten, wie das spanische Nachrichtenportal El Independiente berichtet. Laut einer für die Tageszeitung ABC erstellten demoskopischen Befragung würde die konservative Volkspartei 83 Prozent der Wahlkreise für sich gewinnen. Die Tageszeitung El Mundo weist ihr auf Grundlage einer anderen Umfrage ebenfalls bis zu 147 Parlamentssitze zu.
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Trotz dieses großen Vorsprungs wäre die PP aber weiterhin auf eine Koalition mit der rechtsradikalen Vox-Partei angewiesen, um eine Regierungsmehrheit bilden zu können. Laut der von La Vanguardia veröffentlichten Umfrage würde eine solche Rechtskoalition aus PP und Vox zusammen bis zu 180 Sitze erringen, was für eine absolute Mehrheit reichen würde. Diese Möglichkeit eines Rechtsrucks prägt aktuell die politische Debatte in Spanien. Ein Linksbündnis aus PSOE und Sumar käme auf nicht mehr als 150 Sitze.