In Bachmut toben seit Wochen die härtesten Kämpfe im Ukraine-Krieg. Beide Seiten beklagen schwere Verluste. Trotzdem ziehen sich die Wagner-Söldner nicht zurück.
Bachmut - Die russischen Wagner-Söldner unter Chef Jewgeni Prigoschin stehen für Angst und Schrecken im Ukraine-Krieg. Vor allem in Bachmut, einer schwer umkämpften Stadt im Osten der Ukraine, sind sie stark vertreten. Dort erklären ukrainische Soldaten, die Wagner-Truppen seien ihre härtesten Gegner an der Front - was daran läge, dass die Mitglieder der Privatarmee aus Russland körperliche Strafen fürchten müssen, würden sie sich zurückziehen oder gar verlieren. Das sagten ukrainische Streitkräfte der New York Times. „Sie haben Angst, aufzugeben und ihre Stellungen zu verlassen. Sie ziehen es vor, hier zu sterben“, so der ukrainische Oberst Yevhen Mezhevikin.
Das stelle einen großen Unterschied zu anderen russischen Einheiten in der Stadt dar, die oftmals keine Kampfmoral besitzen würden. „Es ist einfacher, sie zu bekämpfen. Sie laufen weg“, führte Mezhevikin weiter aus. Die Wagner-Gruppe hat die russische Offensive in Bachmut in den letzten Monaten maßgeblich vorangetrieben. Allerdings erleidet auch sie schwere Rückschläge und verliert immer mehr Soldaten. Trotzdem würden sich noch immer rund 6.000 Wagner-Soldaten in der Stadt befinden, wie der Vorsitzende der US-Generalstabschefs, General Mark Milley, am Mittwoch (29. März) vor US-Gesetzgebern bekanntgab. Das berichtete CNN.
Streit zwischen Putin und Prigoschin: Russlands Präsident schwächt Einfluss des Wagner-Chefs
Da es in letzter Zeit häufig zu öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Wagner-Boss Prigoschin und Russlands Präsident Wladimir Putin kam, spekuliert Milley, die Anzahl der in der Stadt kämpfenden Wagner-Söldner könnte ein Versuch der russischen Militärführung sein, die Gruppe zu „verausgaben“. Zu dieser Einschätzung kamen auch andere Experten: Es sei möglich, dass das russische Regime Prigoschins Soldaten verbraucht und damit seine Macht und seinen Einfluss schwächt. „Sie erleiden eine enorme Anzahl von Verlusten in der Region Bakhmut“, so Milley. „Die Ukrainer fügen diesen Leuten eine Menge Tod und Zerstörung zu.“
Milley stellte fest, dass die Russen in den letzten drei Wochen keine Fortschritte in der vollständig zerstörten Stadt gemacht haben. „Es ist ein Schlachtfest für die Russen“, sagte er. „Sie werden in der Gegend von Bachmut vernichtend geschlagen und die Ukrainer haben sehr, sehr gut gekämpft.“ Neben den etwa 6.000 tatsächlichen Wagner-Söldnern seien „vielleicht weitere 20.000 oder 30.000 Rekruten“ vor Ort, „die sie bekommen, von denen viele aus Gefängnissen kommen.“
Abnutzungskampf in Bachmut: Ukrainische Regierung will Stadt nicht aufgeben - Putin würde sonst „drängen, drängen, drängen“
Die ukrainische Regierung gibt nicht auf, die Stadt in der Region Donezk zu verteidigen. Einen Rückzug lehnte sie wiederholt vehement ab. Sollte Bachmut fallen, würde Putin „diesen Sieg dem Westen, seiner Gesellschaft, China und dem Iran verkaufen“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Dienstag. Wenn Russlands Präsident „etwas Blut spürt - riecht, dass wir schwach sind - wird er drängen, drängen, drängen“, sagte Selenskyj gegenüber der Associated Press. Am Mittwochabend aber musste der ukrainische Generalstab der Streitkräfte einräumen, dass die russischen Soldaten bei ihren Versuchen, Bachmut einzunehmen, „teilweise Erfolg“ hatten. „Die ukrainischen Verteidiger halten die Stadt jedoch tapfer, da sie zahlreiche feindliche Angriffe abwehren“, fügte der Generalstab in einem Update hinzu.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Am Donnerstag meldete der Generalstab dann „weitere Versuche“, die Stadt einzunehmen, wobei die Ukraine am Mittwoch wohl insgesamt 28 Angriffe zurückschlug. Die russischen Streitkräfte seien am Dienstag und Mittwoch im Süden und Südwesten von Bachmut vorgerückt, wie die Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) mitteilte. Trotzdem erklärte das britische Verteidigungsministerium am Mittwoch, Moskaus Angriffe auf die umkämpfte Stadt seien „immer noch auf einem niedrigeren Niveau als in den letzten Wochen“. Auf Twitter äußerte das Ministerium Zweifel an russischen Berichten, wonach Rekruten der Wagner-Gruppe den AZOM-Fabrikkomplex nördlich des Zentrums von Bachmut eingenommen hätten. Am Dienstag hätten Wagner-Kräfte den Komplex jedoch „wahrscheinlich besetzt“, erklärte das ISW am Mittwoch.
Ukraine plant Gegenoffensive im Frühjahr - mit westlichen Kampfpanzern
Unterdessen bereitet sich die Ukraine laut Berichten auf eine baldige Gegenoffensive im Frühjahr vor. Dabei könnten westliche Kampfpanzer wie der deutsche Leopard-2 eine wichtige Rolle spielen. Europa wie auch die USA unterstützen die Ukraine seit einiger Zeit mit militärischer Ausrüstung. Einige Experten meinen, die russischen Panzern könnten mit denen aus dem Westen nicht mithalten - vor allem, da Russland langsam die Reserven ausgehen würden. Deshalb schließen viele Kommentatoren eine Niederlage der russischen Armee nicht aus. (ale)