SPD-Ministerin appelliert an Union

Streit um Rente: Bas appelliert an Junge Gruppe und fürchtet Ampel-Déjà-vu

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Die Renten-Debatte spaltet die Koalition: Arbeitsministerin Bas pocht auf Stabilität und fordert von der Jungen Gruppe Zustimmung.

Berlin – In der Koalition brodelt es: Der Streit um das Renten-Paket wirft nicht nur inhaltliche Fragen auf. Auch über die Frage, wie es mit dem Regierungsbündnis aus Union und SPD weitergehen soll, wird Berichten zufolge innerhalb der Union bereits diskutiert. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) äußert sich nun alarmiert und appellierte an die Junge Gruppe der Unionsfraktion: Die Abgeordneten dürften aus dem Thema keine Koalitionsfrage machen, sagte Bas am Dienstag (18. November) bei einer Veranstaltung der Süddeutschen Zeitung in Berlin. „Dann wird es unruhig werden.“ Doch die Ministerin räumte auch ein: „Es ist schon unruhig.“

Blockade des Renten-Pakets: Arbeitsministerin Bärbel Bas besorgt über Zustand der Koalition – „Unruhig“. (Symbolbild)

Die Kritik der Jungen Gruppe an dem Renten-Vorhaben der Regierung ist nicht neu; der Streit darüber jedoch in den vergangenen Tagen hochgekocht. Die 18 Abgeordneten aus den Reihen von CDU und CSU fürchten mit dem Paket erhebliche Mehrkosten nach 2031 und kritisieren: Die Pläne gingen über das im Koalitionsvertrag vereinbarte hinaus. Heikel ist die Situation vor allem durch die knappe Mehrheit von Union und SPD im Bundestag von nur zwölf Stimmen. Die Junge Gruppe droht, das Vorhaben zu blockieren.

Junge Gruppe für Verschiebung des Rentenpakets – Merz will am Zeitplan festhalten

Bislang gelang es Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) trotz wiederholter Versuche am Wochenende nicht, die jungen Abgeordneten auf Linie zu bringen. Aus Kreisen der Jungen Gruppe hieß es am Montagabend: An ihrer Position habe sich nichts geändert – die Ablehnung des Pakets in jetziger Form stehe. Gegenüber dem Magazin Stern unterstützte der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Union, Pascal Reddig, einen Vorschlag, der zuvor bereits aus den Reihen der Union gekommen war: „Vielleicht sollte man den Gesetzentwurf verschieben, um dann gleichzeitig zu Reformen und zur Sicherung der Haltelinie zu kommen.“

SPD und auch Kanzler Merz wollen das Paket jedoch noch in diesem Jahr auf den Weg bringen. Das bekräftigte Merz noch einmal am Dienstag nach seinem Antrittsbesuch in Sachsen-Anhalt in Halle an der Saale. Damit bleibt für eine Lösung in dem festgefahrenen Streit noch höchstens ein Monat: Am 19. Dezember ist der letzte Sitzungstag – spätestens dann müsste der Bundestag abstimmen. „Wir führen im Augenblick natürlich Gespräche in der Koalition“, erklärte Merz. Doch blickt man auf die Äußerungen von SPD und der Jungen Gruppe der vergangenen Tage, scheint eine Lösung noch Zukunftsmusik.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

SPD-Ministerin Bas äußert Unverständnis im Renten-Streit und erinnert an Ampel-Koalition

Arbeitsministerin Bas zeigte sich am Dienstag verständnislos für die Abgeordneten der Jungen Gruppe. Man habe das Rentenpaket in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD beschlossen: „Ich verstehe den Konflikt in der Sache nicht“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP die SPD-Chefin. Es brauche nun Stabilität und Vertrauen in der schwarz-rotem Regierung, forderte Bas: Sonst hätten die Bürger das Gefühl, der Streit der vorherigen Ampel-Koalition gehe einfach weiter.

Auch SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt erinnerte die Junge Gruppe in einem Statement am Montag an „ihre Verantwortung“: „Ich erwarte von den Abgeordneten der Union, dass sie ihrem Kanzler folgen und zu ihrer Verantwortung stehen, gemeinsam gefundene Vereinbarungen zu tragen.“ Nur so könne „verlässliche Regierungsarbeit“ funktionieren, „auf die sich die Menschen in diesem Land verlassen können“.

Spahn glaubt an Renten-Einigung in diesem Jahr – auch SPD müsse sich bewegen

Doch während Sozialdemokraten von der Junge Gruppe Gefolgschaft für den Kanzler fordern, zeigt man sich in der Union optimistisch, dass auch die SPD zum Nachjustieren bereit sein könnte. So erklärte Unionsfraktionschef Jens Spahn in der ntv-Sendung „Pinar Atalay“: Auch mit dem Koalitionspartner SPD werde man eine Einigung finden, dafür müssten sich jedoch beide Seiten bewegen. „Wenn jeder nur einfach seine Maximalposition hat und keiner sich bewegt, dann funktioniert's nicht.“ Und wie der Kanzler zeigte sich auch Spahn sicher: Die Koalition werde an der Rentenfrage nicht zerbrechen. (Quelle: Stern, dpa, AFP) (pav)

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