VonAlexander Eser-Rupertischließen
Bei der Frage, was er von Mobbing-Vorwürfen gegen Vize-Premier Dominic Raab wusste, schlingert Rishi Sunak – und versteift sich auf „formale“ Beschwerden.
London – Rishi Sunak betont, er habe von formalen Beschwerden über das Verhalten seines Justizministers Dominic Raab nichts gewusst, als er diesen in sein Kabinett holte. Auf die Frage, was ihm über informelle Beschwerden bekannt gewesen sei, kommt wenig. Kritikern drängt sich der Verdacht auf, der Premier könnte mehr Kenntnisse über die Anschuldigungen besessen haben, als er zugeben möchte.
Sunak stellt sich derweil hinter seinen Minister doch ruft Beamte mit Bedenken gegen Raab auf, sich zu melden. Der selbst geht in die Offensive: Er fordert eine unabhängige Untersuchung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Englands Premierminister Rishi Sunak will von „formalen Beschwerden“ gegen Raab nichts gewusst haben
Englands Premierminister Rishi Sunak bleibt weiterhin klare Antworten auf eine Frage schuldig: Was wusste er von den Mobbing-Vorwürfen gegen seinen Justizminister und Vize-Premier Dominic Raab? Sunak, der Raab in sein neues Kabinett geholt hatte, betont eines: Er habe keine Kenntnis von „formalen“ Beschwerden gegen Raab gehabt. Der Premier erklärt, als „Bully“ habe er Raab nie wahrgenommen, Beamte sollten sich jedoch bei Bedarf des offiziellen Beschwerdeverfahrens bedienen, so Sunak laut Guardian.
Der BBC erklärte er: „Ich hatte und habe keine Kenntnis über formelle Beschwerden zu Dominics Verhalten. Aber ich würde sagen, dass Menschen, die Bedenken haben, egal gegen welche Person, sich melden und mit anderen darüber sprechen sollten.“ An anderer Stelle sagte Sunak, eine formale Untersuchung der Vorwürfe sei ohne Zeugen nicht möglich.
Liz-Truss-Nachfolger Rishi Sunak zu Dominic Raab: Interessant ist, was er nicht sagt
Interessant ist derweil nicht nur was der Liz-Truss-Nachfolger Rishi Sunak über Dominic Raab zu sagen hat, sondern eben gerade auch, was er nicht sagt: Sunak bezieht sich immer wieder auf seine Unkenntnis formaler Beschwerden, ob er allerdings Kenntnis über informelle Beschwerden gehabt habe, lässt er unbeantwortet. Raab wird Mobbing in mehreren Ministerien vorgeworfen. Die Vorwürfe stammen von verschiedenen Quellen – laut einer von ihnen soll Raab „erniedrigend“ sowie „sehr unhöflich und aggressiv“ aufgetreten sein, so der Guardian.
Die Zeitung hatte zudem berichtet, dass der Ex-Staatssekretär des Außenministeriums, Simon McDonald, Raab wegen seines Umganges mit Mitarbeitenden kontaktiert haben soll. McDonald soll den Fall auch der zuständigen Stelle für Anstand und Ethik im Kabinettsamt mitgeteilt haben. Nicht zum ersten Mal bringen Rishi Sunaks Personalentscheidungen den Premierminister in seiner noch jungen Amtszeit in die Bredouille.
Dominic Raab bittet Rishi Sunak um unabhängige Untersuchung seines Falles
Justizminister und Vize-Premier Dominic Raab bittet Rishi Sunak unterdessen selbst um eine unabhängige Untersuchung seines Falles. Das Kabinettsmitglied, das einigen Berichten zufolge für eine „Stimmung der Angst“ verantwortlich gewesen sein soll, ist sich keiner Schuld bewusst.
Raab erklärte laut Guardian, er habe dem Premier geschrieben, um diesen „um eine unabhängige Untersuchung zweier formeller Beschwerden gegen mich zu bitten“. Seine Ämter als Vize-Premierminister, Justizminister und Lordkanzler will Raab indes weiter ausüben. Erst kürzlich hatte mit Gavin Williamson ein Minister aus dem Kabinett Sunaks zurücktreten müssen – ebenfalls wegen Mobbing.
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