Großbritannien

Sunaks Tories und der öffentliche Dienst: Auch Lehrerstreiks weiten sich aus

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Die Streiks der Lehrerinnen und Lehrer in Großbritannien weiten sich aus. Der öffentliche Dienst setzt die angeschlagenen Tories unter Druck.

London – Die Berichte über Streiks im britischen Gesundheitsdienst NHS halten an, doch auch andere Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes legen die Arbeit nieder – unter anderem die Angestellten im Bildungswesen. Viele von ihnen geraten in der angespannten wirtschaftlichen Situation – wo unzählige andere in Großbritannien in die Armut rutschen – in finanzielle Schieflage. Die Lehrerstreiks in Großbritannien dürften sich in den kommenden Monaten ausweiten.

Ebenso wie die Probleme von Rishi Sunak und seinem Kabinett, wenn sie den Streikenden weiter keine Lösungen bieten.

Streikwelle in Großbritannien: Auch die Lehrerinnen und Lehrer setzen Tories um Rishi Sunak unter Druck

Im britischen Bildungswesen wurden zuletzt bereits gestreikt. Über die kommenden Monate werden die Arbeitsniederlegungen allerdings noch weiter zunehmen: Die Mitglieder der National Education Union’s (NEU) haben sich entschlossen, im Februar und März 2023 Streiks in England und Wales durchzuführen. Streikwillig zeigen sich im Bildungswesen auch andere Vertretergruppen – in Nordirland stimmten weitere Gewerkschaften wie UTU, INTO und NASUWT für Streiks – das berichtet der Guardian. Die Mitglieder des Educational Institute of Scotland (EIS) hatten bereits kürzlich wiederholt gestreikt. Verschiedene Bereiche des öffentlichen Dienstes und die Konservativen um Premierminister Rishi Sunak stehen im offenen Konflikt.

Hunderte Demonstranten in London bei einer Solidaritäts-Kundgebung Streikende im letzten Jahr. (Symbolbild)

Die NEU, die größte Lehrerinnen- und Lehrergewerkschaft Großbritanniens, fordert gerechtere Löhne. Aus der Vereinigung gibt es Forderungen nach Lohnerhöhungen oberhalb der Inflation, die viele Angestellte des Bildungswesens in existenzielle finanzielle Notlagen bringt. Gefordert wird, dass die höheren Löhne aus dem Budget der Regierung um Rishi Sunak finanziert werden, nicht aus dem der Schulen. Der Guardian spricht in einem Bericht von „tired, overworked and undervalued“, frei übersetzt „müde, überarbeitet und zu wenig geschätzt“ – die Gründe für Lehrerstreiks auf der Insel sind die gleichen wie im Gesundheitswesen oder bei der Bahn.

Konservative und Rishi Sunak bieten dem öffentlichen Dienst bisher keine Lösungen

Die Reaktion der Regierung um Rishi Sunaks auf die Streiks im öffentlichen Dienst verhärtet die Fronten, denn es gibt nach wie vor kein nennenswertes Entgegenkommen, stattdessen jedoch Pläne, das Streikrecht einzuschränken. Auch bei der Nationalen Bildungsgewerkschaft NEU spricht man von „drakonischen“ Anti-Streik Gesetzen, statt Willen der politischen Führung, Streikursachen anzugehen. Ähnlich sieht man das offenbar auch im krisengeplagten Gesundheitssektor und anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

In einem Statement der NEU hieß es zuletzt: „Es geht nicht um eine Gehaltserhöhung, sondern um die Korrektur historischer Reallohnkürzungen. Die Lehrer haben seit 2010 real 23 Prozent und das Hilfspersonal im gleichen Zeitraum 27 Prozent verloren. Die durchschnittliche Gehaltserhöhung von fünf Prozent für Lehrer in diesem Jahr liegt etwa sieben Prozent hinter der Inflation zurück. Inmitten einer Krise bei den Lebenshaltungskosten ist dies eine unhaltbare Situation.“ Bildungsministerin Gillian Keegan bezeichnete den Streik derweil als „zutiefst enttäuschend für Kinder und Eltern“. Sie steht damit beispielhaft für den Umgang der Tories mit den Nöten der Beschäftigten.

Sunak fordert von Ministerinnen und Ministern Konzentration auf den NHS und die Inflation

Premierminister Rishi Sunak und seine Partei blicken hinsichtlich der nächsten Wahlen wohl düsteren Zeiten entgegen. Um die eigene Ausgangslage wieder zu verbessern, soll der Regierungschef seine Ministerinnen und Minister laut Guardian aufgefordert haben, sich auf die Inflation und den Gesundheitsdienst NHS zu konzentrieren. Die Not bei den Tories ist groß, auch weil die finanzielle Not der Beschäftigten in weiten Teilen des öffentlichen Dienstes noch viel größer ist. Unter ihnen dürften die Zustimmungswerte für die Konservativen kaum gestiegen sein – im Gegenteil. Für sie braucht es schnelle Antworten, die es von der Administration wohl nicht geben wird. Auch für die Konservativen hat das seinen Preis.

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