Kurz vor Weihnachten

Hohe Armut in Großbritannien: Wegen großer Nachfrage stoßen Tafeln an Grenzen

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Viele Briten rutschen in die Armut. Gemeinnützige Helfer, wie die Tafel, stoßen an ihre Grenzen.
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Trübe, statt festliche Stimmung: Viele Briten rutschen in die Armut und haben Versorgungsprobleme. Gemeinnützige Helfer stoßen an ihre Grenzen.

London – Viele Menschen freuen sich, dass Weihnachten bald vor der Tür steht – bis auf die Bürger in Großbritannien. Für Geringverdiener wird es eine Herausforderung, während der Festtage und darüber hinaus über die Runden zu kommen. Grund sind die gestiegenen Lebensunterhaltskosten. Immer mehr Bedürftige sind auf gemeinnützige Hilfeleistungen, wie Wärmestuben oder die Tafeln angewiesen. Doch auch diese stoßen an die Grenzen und können die hohe die Nachfrage kaum bewältigen.

Armut in Großbritannien wächst: Tafeln können hohe Nachfrage kaum noch bewältigen

Brexit, Pandemie und die Folgen des Ukraine-Krieges sind in Großbritannien deutlich zu spüren. Vielen Briten können sich das Lebensnotwendigste nicht mehr leisten und sind auf Hilfen, wie unabhängige Tafeln angewiesen. Die Tafeln in Großbritannien sind allerdings von der größten Nachfrage ihrer Geschichte überwältigt und kommen kaum hinterher. „Das ist die geschäftigste Zeit, die unabhängige Tafeln in Großbritannien jemals erlebt haben, und vielen bereitet die wachsende Nachfrage Probleme“, sagte Sabine Goodwin, die Chefin der Dachorganisation Independent Food Aid Network, der Deutschen Presse-Agentur.

Angesichts der Inflation und des Ukraine-Kriegs sind Fixkosten in die Höhe geschnellt. Kunden erleben Preisschock beim Gas und auch die Strompreise erreichen eine undenkbare Höhe. Viele Verbraucher blickten mit Sorge auf Weihnachten und den Winter. Sie fragen sich, ob das Gas im Winter überhaupt ausreichen wird.

Um Heizkosten zu sparen: Briten benutzen Bibliotheken als Wärmequelle

Vor allem in Großbritannien sind die Heizkosten für einige Menschen kaum noch bezahlbar. Um die Heizkosten zu sparen, fahren einige in Bibliotheken und wärmen sich dort auf. Mary Obomese, Angestellte beim National Health Service (NHS), hält sich regelmäßig in der Woolwich Centre Library auf. Die Bibliothek fungiert als eine von 3000 bei der Kampagne „Warm welcome“ registrierten Wärmestuben in Großbritannien. „Es ist eine Schande, dass es in der heutigen Zeit überhaupt Wärmestuben existieren müssen“, sagte Bücherei-Leiterin Amy Jackson dem Spiegel.

Obomese und ihre Familie hätten die Zahlung für die Heizkosten diesen Monat aufschieben müssen, erzählte sie dem Spiegel. Wenn ihre Kinder frieren, schaltet Obomese die Heizung für 30 Minuten wieder ein und dann wieder aus. „Es ist wirklich hart“, sagte Obomese im Interview mit dem Spiegel. Als Arbeiterin beim britischen Gesundheitssystem NHS verdiene sie umgerechnet 1700 Euro im Monat. Für Heizkosten oder Geschenke sei das unzureichend. Ihre Tochter, die am ersten Weihnachtstag Geburtstag hat und ein Geschenk erwartet, habe Obomese vertrösten müssen.

Wirtschaftskrise führt zu Massenproteste in Großbritannien mit erheblichen Auswirkungen

In den vergangenen Tagen trieben die wirtschaftlichen Probleme viele Bürger für Proteste auf die Straßen Großbritanniens. Arbeiter beim NHS, wie Mary Obomese, legten am Dienstag, 20. Dezember und Mittwoch ihre Arbeit zum ersten Mal in ihrer Geschichte nieder. Der Streik der NHS-Mitarbeiter hatte zu Ausfällen beim Rettungsdienst geführt, weshalb eine Frau 24 Stunden auf eine Ambulanz warten musste. Trotz der dramatischen Auswirkungen protestierten die Mitarbeiter weiter. Im Dezember sollen weitere Streiks von Pflegekräften folgen.

Die schlechten Arbeitsbedingungen und leere Brexit-Versprechen haben bei den Arbeitnehmern Spuren hinterlassen. Sunak hatte zwar engere Beziehungen zur EU angedeutet, doch dann hatte der britische Premierminister die Diskussionen um eine Rückkehr des Brexits abgewürgt. Der Unmut gegenüber Sunak und seiner Regierungspartei, den Tories, wächst unter der Bevölkerung.

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