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In Syrien kommt es wohl beinahe zu Kämpfen zwischen russischen Soldaten und der Wagner-Privatarmee. Moskau soll Jewgeni Prigoschin weiter fürchten.
Latakia - Im Ukraine-Krieg bereitete er Kiew große Sorgen, nach seinem Tod sorgt sich dagegen wohl Moskau noch immer wegen ihm. Die Rede ist von Jewgeni Prigoschin, dem ehemaligen Wagner-Chef, der am 23. August 2023 bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben kam. Oder getötet wurde?
Russische Armee in Syrien: Beinahe Gefechte mit Wagner-Söldnern
Kreml-Machthaber Wladimir Putin hatte angekündigt, dass die Ermittlungen zum Absturz beim Ort Kuschenkino rund 200 Kilometer nordwestlich der russischen Hauptstadt einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Weil gar nicht ermittelt werden soll? Da sich sonst der Verdacht einer Bombe an Bord oder eines Abschusses mit einer Boden-Luft-Rakete erhärten könnte?
Offenbar fürchtet sich der Kreml jetzt vor Prigoschins Märtyrerstatus, wie ein Vorfall in Syrien zeigen soll. Laut eines Berichts kam es in dem Bürgerkriegsland beinahe zu Gefechten zwischen Wagner-Söldnern und regulären russischen Truppen.
Konkret: Wie der kremlnahe Telegram-Kanal „Fürst Tscherkassi“ berichtet, habe die russische Armee einem Wagner-Flugzeug mit 170 Kämpfern an Bord die Landung auf dem russischen Militärstützpunkt Hmeimim unweit der Mittelmeerküste bei Latakia verweigert. Bei den Söldnern soll es sich demnach um Syrer gehandelt haben, die für die Privatarmee in Libyen gekämpft hätten, das in den vergangenen Tagen von einem verheerenden Unwetter heimgesucht wurde. Die Angaben lassen sich nicht verifizieren.
„Es nicht ganz klar, warum das russische Verteidigungsministerium dem Wagner-Flugzeug die Landung verwehrt hat“, schreibt die US-Denkfabrik „Institute for the Study of War“ (ISW) zu dem Vorfall: „Aber der Kreml befürchtet dort vermutlich eine Auflehnung der Söldner gegen die russische Armee.“
Bericht: Russische Armee lässt Wagner-Flugzeug erst nicht in Syrien landen
Das Flugzeug sei laut „Fürst Tscherkassi“ daraufhin zum syrischen Luftwaffenstützpunkt Tiyas tiefer im Landesinneren geflogen. Laut des Telegram-Berichts von „Fürst Tscherkassi“ hätten dort jedoch russische Soldaten die Landebahn mit Fahrzeugen blockiert. Sie hätten ferner gedroht, mit Kampfhubschraubern das Feuer auf die Maschine zu eröffnen, sollten die Wagner-Söldner trotzdem landen wollen, hieß es weiter. Es wurde wohl richtig hektisch.
So sollen die Wagner-Söldner angeblich angedroht haben, Hmeimim anzugreifen, sollten sie keine Landeerlaubnis bekommen. Erst als Wagner-Kommandeure den stellvertretenden russischen Verteidigungsminister Junus-Bek Jewkurow erreicht hatten, hätte das Wagner-Flugzeug eine Landeerlaubnis für Tiyas erhalten, schrieb „Fürst Tscherkassi“. Das Transportflugzeug soll kaum noch Treibstoff gehabt haben.
Jewegeni Prigoschin: Flugzeugabsturz nach gescheitertem Wagner-Aufstand in Russland
Auf dem syrischen Luftwaffenstützpunkt habe indes große Aufregung unter syrischen Soldaten geherrscht. Derzeit versucht Moskau, die Wagner-Privatarmee nach und nach abzubauen, sowie die umstrittenen Kämpfer der PMC in die eigenen Streitkräfte zu integrieren. Nachdem Prigoschin Ende Juni erfolglos einen Aufstand seiner Söldner auf Moskau angeführt hatte. Was er mit 62 Jahren mit dem Leben bezahlen musste? Spekulation.
Die Wagner-Söldner hatten in den vergangenen Jahren in vielen Regionen der Welt für Putins Russland agiert, und diese Gebiete teils ausgebeutet. Zum Beispiel in Zentralafrika, und eben in Syrien, wo die russische Armee den brutalen Präsidenten Baschar al-Assad und dessen Regierung seit Jahren unterstützt.
Russland in Syrien: Militärflugplatz Hmeimim und Marinestützpunkt Tartus
Auch Latakia war ein Schauplatz des Bürgerkrieges. Russland, dessen Truppen in der Ukraine eine neue Kamikaze-Drohne fürchten müssen, hat in Syrien von Assad als Gegenleistung mehrere Militärbasen erhalten. Auf dem Militärflugplatz Hmeimim waren 2015 laut Washington Post zum Beispiel 28 Flugzeuge der Typen Su-24M, Su-25SM, Su-30SM und Su-34 der russischen Luftstreitkräfte stationiert.
Wie viele davon nach dem völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine noch übrig sind, lässt sich nicht verifizieren. In Tartus, rund 100 Kilometer südlich von Latakia gelegen, befindet sich zudem der einzige russische Marinestützpunkt am Mittelmeer. (pm)
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