China und USA kündigen Militärmanöver an

Taiwan-Konflikt: China fliegt erneut in Luftverteidigungszone von Taipeh - USA reagieren

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Kampfflugzeuge des Ostkommandos der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA) führen während Kampfübungen um die Insel Taiwan Operationen durch (Archivbild, 7. August 2022).
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Die Spannungen im Taiwan-Konflikt halten an. Die USA schicken eine weitere Delegation nach Taipeh, Peking spricht eine dringliche Warnung aus und kündigt weitere Militärmanöver an.

Taipeh - Die Lage im Taiwan-Konflikt bleibt angespannt. Während China weiterhin militärisch provoziert, reisen erneut US-Politiker nach Taiwan. Peking reagiert verärgert und warnt vor einem „Spiel mit dem Feuer“. Am Montag kündigte China weitere Militärmanöver an. Doch nun wollen offenbar auch die USA mit Schiffen und Flugzeugen die Taiwanstraße durchqueren.

US-Delegation reist inmitten der Spannungen nach Taiwan

Anderthalb Wochen nach dem Besuch von US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi traf am Sonntag überraschend eine Delegation des US-Kongresses in Taiwan ein. Während ihres vorab nicht angekündigten Besuchs will die Delegation unter anderem mit Präsidentin Tsai Ing-wen zusammentreffen, wie beide Seiten in Taipeh mitteilten. China reagierte verärgert und warf den US-Politikern ein Spiel „mit dem Feuer“ vor. Es handle sich um eine fünfköpfige Delegation, die bis Montag im Rahmen „eines längeren Besuchs in der indopazifischen Region“ in Taiwan bleiben werde, erklärte das US-Institut in Taipeh. In den Gesprächen mit taiwanischen Politikern gehe es um die bilateralen Beziehungen, regionale Sicherheit, Handel und Investitionen, Klimawandel und andere wichtige Themen.

Laut taiwanischem Außenministerium sind ein Treffen mit Präsident Tsai und ein Bankett mit Außenminister Joseph Wu geplant. In einer Erklärung des Ministeriums hieß es, da China „die Spannungen in der Region weiter verschärft“, habe der Kongress der USA erneut eine hochrangige Delegation zu einem Besuch nach Taiwan entsandt, „um eine Freundschaft zu zeigen, die sich nicht vor Chinas Drohungen und Einschüchterungen fürchtet“.

Peking reagiert auf US-Besuch: Größte Militärmanöver in Chinas Geschichte

China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz. Im Jahr 1949 sagte sich Taipeh von Peking los, für Ministerpräsident Xi Jinping ist die „Vereinigung“ der Insel mit dem Festland eine „historische Aufgabe“ - notfalls auch mit Gewaltanwendung. Der chinesische Verteidigungsminister Wei Fenghe drohte kürzlich offen mit Krieg, falls Taiwan seine Unabhängigkeit erklären sollte. Militärische Drohgebährden Chinas sind nicht neu. Immer wieder traten auch schon vor Nancy Pelosis Besuch chinesische Militärflugzeuge in den taiwanesischen Luftraum ein. Teilweise sogar atomwaffenfähige Bomber des Typs Xian H-6.

China und Taiwan: Darum geht es in dem Konflikt

Taiwans F-16-Kampfjet (links) überwacht einen der beiden chinesischen H-6-Bomber, die den Bashi-Kanal südlich von Taiwan und die Miyako-Straße in der Nähe der japanischen Insel Okinawa überflogen.
Seit Jahrzehnten schon schwelt der Taiwan-Konflikt. Noch bleibt es bei Provokationen der Volksrepublik China; eines Tages aber könnte Peking Ernst machen und in Taiwan einmarschieren. Denn die chinesische Regierung hält die demokratisch regierte Insel für eine „abtrünnige Provinz“ und droht mit einer gewaltsamen „Wiedervereinigung“. Die Hintergründe des Konflikts reichen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. © Taiwan Ministry of Defence/AFP
Chinas letzter Kaiser Puyi
Im Jahr 1911 zerbricht das viele Jahrtausende alte chinesische Kaiserreich. Der letzte Kaiser Puyi (Bild) wird abgesetzt, die Xinhai-Revolution verändert China für immer. Doch der Weg in die Moderne ist steinig. Die Jahre nach der Republikgründung waren von Wirren und internen Konflikten geprägt.  © Imago
Porträt von Sun Yatsen auf dem Tiananmen-Platz in Peking
Im Jahr 1912 gründet Sun Yat-sen (Bild) die Republik China. Es folgen Jahre des Konflikts. 1921 gründeten Aktivisten in Shanghai die Kommunistische Partei, die zum erbitterten Gegner der Nationalisten (Guomindang) Suns wird. Unter seinem Nachfolger Chiang Kai-shek kommt es zum Bürgerkrieg mit den Kommunisten. Erst der Einmarsch Japans in China ab 1937 setzt den Kämpfen ein vorübergehendes Ende. © Imago
Mao Zedong ruft die Volksrepublik China aus
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Japans flammt der Bürgerkrieg wieder auf. Aus diesem gehen 1949 die Kommunisten als Sieger hervor. Mao Zedong ruft am 1. Oktober in Peking die Volksrepublik China aus (Bild).  © Imago Images
Chiang Kai-shek
Verlierer des Bürgerkriegs sind die Nationalisten um General Chiang Kai-shek (Bild). Sie fliehen 1949 auf die Insel Taiwan. Diese war von 1895 bis 1945 japanische Kolonie und nach der Niederlage der Japaner an China zurückgegeben worden. Auf Taiwan lebt seitdem die 1912 gegründete Republik China weiter. Viele Jahre lang träumt Chiang davon, das kommunistisch regierte Festland zurückzuerobern – während er zu Hause in Taiwan mit eiserner Hand als Diktator regiert. © Imago
Richard Nixon und Zhou Enlai 1972
Nach 1949 gibt es zwei Chinas: die 1949 gegründete Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan, die 1912 gegründet wurde. Über Jahre gilt die taiwanische Regierung als legitime Vertreterin Chinas. Doch in den 70er-Jahren wenden sich immer mehr Staaten von Taiwan ab und erkennen die kommunistische Volksrepublik offiziell an. 1972 verliert Taiwan auch seinen Sitz in den Vereinten Nationen, und Peking übernimmt. Auch die USA brechen mit Taiwan und erkennen 1979 – sieben Jahre nach Richard Nixons legendärem Peking-Besuch (Bild) – die Regierung in Peking an. Gleichzeitig verpflichten sie sich, Taiwan mit Waffenlieferungen zu unterstützen. © Imago/UIG
Chiang Ching-Kuo in Taipeh
Im Jahr 1975 stirbt Taiwans Dikator Chiang Kai-shek. Neuer Präsident wird drei Jahre später dessen Sohn Chiang Ching-kuo (Bild). Dieser öffnet Taiwan zur Welt und beginnt mit demokratischen Reformen. © imago stock&people
Chip made in Taiwan
Ab den 80er-Jahren erlebt Taiwan ein Wirtschaftswunder: „Made in Taiwan“ wird weltweit zum Inbegriff für günstige Waren aus Fernost. Im Laufe der Jahre wandelt sich das Land vom Produzenten billiger Produkte wie Plastikspielzeug zur Hightech-Nation. Heute hat in Taiwan einer der wichtigsten Halbleiter-Hersteller der Welt - das Unternehmen TSMC ist Weltmarktführer. © Torsten Becker/Imago
Tsai Ing-wen
Taiwan gilt heute als eines der gesellschaftlich liberalsten und demokratischsten Länder der Welt. In Demokratie-Ranglisten landet die Insel mit ihren knapp 24 Millionen Einwohnern immer wieder auf den vordersten Plätzen. Als bislang einziges Land in Asien führte Taiwan 2019 sogar die Ehe für alle ein. Regiert wurde das Land von 2016 bis 2024 von Präsidentin Tsai Ing-wen (Bild) von der Demokratischen Fortschrittspartei. Ihr folgte im Mai 2024 ihr Parteifreund Lai Ching-te. © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping
Obwohl Taiwan nie Teil der Volksrepublik China war, will Staats- und Parteichef Xi Jinping (Bild) die Insel gewaltsam eingliedern. Seit Jahrzehnten droht die kommunistische Führung mit der Anwendung von Gewalt. Die meisten Staaten der Welt – auch Deutschland und die USA – sehen Taiwan zwar als einen Teil von China an – betonen aber, dass eine „Wiedervereinigung“ nur friedlich vonstattengehen dürfe. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Die kommunistiche Diktatur Chinas ist für die meisten Taiwaner nicht attraktiv. © Dale de la Rey/AFP
Militärübung in Kaohsiung
Ob und wann China Ernst macht und in Taiwan einmarschiert, ist völlig offen. Es gibt Analysten, die mit einer Invasion bereits in den nächsten Jahren rechnen – etwa 2027, wenn sich die Gründung der Volksbefreiungsarmee zum 100. Mal jährt. Auch das Jahr 2049 – dann wird die Volksrepublik China 100 Jahre alt – wird genannt. Entscheidend dürfte sein, wie sicher sich China ist, einen Krieg auch zu gewinnen. Zahlenmäßig ist Pekings Armee der Volksrepublik den taiwanischen Streitkräften überlegen. Die Taiwaner sind dennoch gut vorbereitet. Jedes Jahr finden große Militärübungen statt; die Bevölkerung trainiert den Ernstfall, und die USA liefern Hightech-Waffen.  © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping auf einem chinesischen Kriegsschiff
Analysten halten es für ebenso möglich, dass China zunächst nicht zu einer Invasion Taiwans blasen wird, sondern mit gezielten Nadelstichen versuchen könnte, den Kampfgeist der Taiwaner zu schwächen. So könnte Xi Jinping (Bild) eine Seeblockade anordnen, um die Insel Taiwan vom Rest der Welt abzuschneiden. Auch ein massiver Cyberangriff wird für möglich gehalten.  © Li Gang/Xinhua/Imago
Protest in Taiwan
Auch wenn die Volksrepublik weiterhin auf eine friedliche „Wiedervereinigung“ mit Taiwan setzt: Danach sieht es derzeit nicht aus. Denn die meisten Taiwaner fühlen sich längst nicht mehr als Chinesen, sondern eben als Taiwaner. Für sie ist es eine Horrorvorstellung, Teil der kommunistischen Volksrepublik zu werden und ihre demokratischen Traditionen und Freiheiten opfern zu müssen. Vor allem das chinesische Vorgehen gegen die Demokratiebewegung in Hongkong hat ihnen gezeigt, was passiert, wenn die Kommunistische Partei den Menschen ihre Freiheiten nimmt. © Ritchie B. Tongo/EPA/dpa

Doch die Reaktion auf den Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses fiel heftiger aus, als je zuvor: China hielt die größten Militärmanöver seiner Geschichte in den Gewässern rund um Taiwan ab - und die militärischen Provokationen halten weiterhin an. Das taiwanesische Verteidigungsministerium erklärte am Sonntag in seinem Wochenbericht, es habe 22 chinesische Flugzeuge und sechs chinesische Schiffe in der Meerenge zwischen der Volksrepublik und Taiwan ausgemacht. Elf Flugzeuge hätten die als Mittellinie bezeichnete inoffizielle Seegrenze zwischen China und Taiwan überquert. Peking kündigte am Montag zudem weitere Militärmanöver an.

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Was die chinesischen Militärmanöver rund um Taiwan bedeuten - und wie die USA reagieren

Eine Super Hornet der Diamondbacks startet vom Flugdeck des Flugzeugträgers USS Ronald Reagan im Südchinesischen Meer (2. August 2022).

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Befürchtungen wachsen lassen, Peking könnte im Umgang mit Taiwan auf ein ähnliches Vorgehen setzen. Manche Experten halten die Taiwan-Krise tatsächlich für gefährlicher als den Ukraine-Krieg und warnen vor dem „Beginn einer Dekade maximaler Gefahr“. Peking bekräftigte nach Pelosis Besuch nochmals, dass es Taiwan „keinerlei Raum für separatistische Aktivitäten jeglicher Art lassen“ wolle. Zudem werde China „nicht der Anwendung von Gewalt abschwören“ und behalte sich vor, „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, wie es am Mittwoch vom Büro für Taiwan-Angelegenheiten hieß.

Die USA reagieren nun offenbar auf die militärischen Drohgebährden Chinas. Nach Angaben eines hohen US-Regierungsbeamten wollen die Vereinigten Staaten in den „kommenden Wochen“ mit Schiffen und Flugzeugen die Taiwanstraße durchqueren. Auch wollen die USA ihre Handelsbeziehungen zu Taiwan ausbauen, wie der US-Koordinator für die Asien-Pazifik-Region, Kurt Campbell, am Freitag in Washington ankündigte. Die US-Streitkräfte würden „im Einklang mit ihrer langfristigen Verpflichtung für die Freiheit der Navigation weiterhin fliegen, auf der See fahren und dort operieren, wo das Völkerrecht das erlaubt“, so Campbell weiter. Bereits in der Vergangenheit führten die USA Militärübungen im Südchinesischen Meer durch, die China immer stark kritisierte. Während der aktuellen Spannungen zwischen den Supermächten könnte Peking diese Bewegungen jedoch als besondere Provokation werten (AFP/dpa/bme).

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