- VonLisa Mahnkeschließen
Mit der Einführung eines neuen Gesetzes durch die Taliban in Afghanistan, werden Frauen strengere Verhaltensregeln auferlegt, die ihnen ihre Stimme nehmen.
Kabul – Ein neu eingeführtes „Tugend“-Gesetz der in Afghanistan herrschenden Taliban sorgt für eine verschärfte Durchsetzung der strengen Verhaltensregeln. Neben Verschleierungsvorschriften und einer Reihe anderer Regelungen nimmt das Gesetz den Frauen auch die Stimme.
Laut Angaben des afghanischen Justizministeriums hat der oberste Anführer der Taliban, Hibatullah Achundsada, das Gesetz nun bestätigt. Es sieht vor, dass „muslimische Frauen verpflichtet sind, ihr Gesicht und ihren Körper zu bedecken“, wenn sie sich in Gegenwart von Männern befinden, die nicht direkt mit ihnen verwandt sind. Frauen dürfen laut dem Gesetz laut AP News in der Öffentlichkeit zudem nicht singen, Gedichte rezitieren oder laut lesen, da ihre Stimmen als zu intim gelten.
„Tugend“-Gesetz der Taliban in Afghanistan sieht eine Reihe von Einschränkungen vor
Dazu kommt eine Reihe von weiteren Einschränkungen. Männer und Frauen dürfen sich zudem nicht anschauen, wenn sie nicht verwandt sind. Die Gesetzgebung verbietet homosexuelle Beziehungen, Ehebruch und Glücksspiel. Männer müssen zudem mindestens knielange Hosen und einen Bart tragen, der nicht zu kurz sein darf. Versäumte Gebete und Ungehorsam gegenüber den eigenen Eltern können ebenfalls bestraft werden.
Auch die Medien in Afghanistan werden durch die Gesetzgebung weiter eingeschränkt. Sie dürfen dem neuen Gesetz zufolge keine Inhalte verbreiten, die „die Gesetze der Scharia und der Religion“ missachten, „Muslime beleidigen“ oder „lebendige Wesen“ zeigen. Auch die Herstellung und das Ansehen von Videos und Bildern, die Lebewesen zeigen, ist verboten. Außerdem schränkt das Gesetz die Reisefähigkeit, vor allem von Frauen, ein.
Die Sittenpolizei kann Verstöße mit Verwarnungen, Drohungen, Geldstrafen, einer Untersuchungshaft von bis zu drei Tagen oder weiteren Sanktionen bestrafen. Im Wiederholungsfall können die Beschuldigten vor Gericht gestellt werden. Unter den Taliban reichen Strafen in Afghanistan von Haft bis hin zu Folter und Hinrichtungen.
UN warnt vor „Klima der Angst“: Sorge vor allem um Frauen in Afghanistan
Die UN-Unterstützungskommission für Afghanistan (Unama) hatte den Sittenwächtern bereits im Juli vorgeworfen, ein „Klima der Angst“ in Afghanistan zu schaffen. Fiona Frazer, die Leiterin des Menschenrechtsdienstes der Unama, sprach von einem „Anlass zu großer Sorge über alle Afghanen, insbesondere für Frauen und Mädchen“. Die Taliban wiesen den Bericht der Kommission ab.
Durch das Gesetz wird die Sittenpolizei gestärkt, die die Gesetzgebung seit der Rückkehr der Taliban an die Macht kontrolliert. Die Auslegung der islamischen Scharia-Gesetzgebung durch die Taliban gilt als menschenrechtsfeindlich. Bei dem Gesetz hält es sich laut AP News um das erste Gesetz des Ministeriums für die „Verbreitung der Tugend und die Verhütung des Lasters“ seit der Machtübernahme im August 2021. Es war Ende Juli im Amtsblatt veröffentlicht worden und wurde nun bestätigt.
Doch schon zuvor verabschiedete die Regierung immer wieder Gesetze, die die individuellen Freiheiten der Bevölkerung, besonders der Frauen, einschränkten. International bleiben die Taliban auch weiterhin isoliert. Bislang hat kein Staat die islamistischen Machthaber als formale Regierung Afghanistans anerkannt. (lismah/AFP)
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