Von Putins Chef-Ideologe geplant – AfD-Politiker nimmt an Rechtsextremisten-Treffen in Russland teil
VonLaura May
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Netzwerktreffen internationaler Rechtsextremer in Russland. Trotz Geheimhaltungsversuchen wurde die Teilnahme des AfD-Politikers Risch öffentlich.
St. Petersburg – Vertreter rechtsextremer und offen faschistischer Organisationen aus aller Welt – Frankreich, Deutschland, Italien, Mexiko, Südafrika und anderen Ländern – haben in St. Petersburg eine Gründerkonferenz der „Internationalen Anti-Globalistischen Liga“ besucht. Mit dabei: AfD-Abgeordneter Robert Risch. Das Treffen antidemokratischer Eliten fand im klassizistischen Mariinski-Palast statt und sollte den Grundstein für einen länderübergreifenden Bund zur Stärkung christlich-nationaler Werte legen.
Obwohl zahlreiche Bilder des rechten Netzwerktreffens verpixelt wurden und Risch seine Teilnahme unter dem Radar hielt, gelangte das Engagement des verkehrspolitischen Sprechers der Hamburger AfD-Fraktion an die Öffentlichkeit. Neben anderen Medienberichten dokumentierte Radio Liberty seine Teilnahme an dem Kongress rechtsextremer Organisationen, der vom „orthodoxen Oligarchen“ Konstantin Malofejew und Wladimir Putin Chef-Ideologen Alexander Dugineinberufen wurde. Der Sender identifizierte Risch mithilfe des Investigativjournalisten Sergej Mayer. Die Ähnlichkeit sei zudem auch durch Daten eines Gesichtsvergleichssystems bestätigt worden, hieß es bei Radio Liberty weiter.
AfD-Politiker Risch in Russland mit radikalen Rechtsextremen aus mehreren Ländern
Risch war auf dem Kongress laut T-Online von rechter Prominenz umringt. Zu seiner Linken nahm François van der Merwe Platz, ein südafrikanischer Aktivist und Anführer der „Bittereinders“ – einer Organisation, die ihren Namen von boerischen Widerstandskämpfern aus dem zweiten Burenkrieg ableitet. Die Gruppe versteht sich als Interessenvertretung der Buren und Afrikaaner, also der Nachfahren niederländischer, deutscher und französischer Siedler. Neben politischen Aktivitäten organisiert die Gruppierung auch Waffenschulungen. Van der Merwe und weitere Mitglieder wurden bereits rechtskräftig wegen „Aufwiegelung und Gewalt“ verurteilt.
Auf der anderen Seite saß der Ungar Tamás Boór, eine zentrale Figur der „Jugendbewegung der 64 Bezirke“ (HVIM). Der Organisationsname bezieht sich auf die Vision eines Großungarns, das über die aktuellen Staatsgrenzen hinausreicht. HVIM-Mitglieder sind regelmäßig bei Gerichtsverhandlungen gegen die non-binäre Linksaktivistin „Maja“ präsent, die sich in Budapest vor Gericht verantworten muss. Der Prozess geht auf Auseinandersetzungen zwischen einer deutschen Gruppe und ungarischen Rechtsextremisten zurück. Die HVIM ist durch LGBTQ-feindliche Demonstrationen und Blockadeaktionen bekannt geworden, die bereits mehrfach zu Konfrontationen mit den ungarischen Sicherheitskräften führten.
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AfD-Politiker Risch in Russland – „Verteidigung christlicher Werte und Kampf um nationale Identität“
Neben AfD-Politiker Risch hat Radio Liberty zufolge auch seine ehemalige Kollegin Olga Petersen an dem „anti-globalistischen“ Kongress teilgenommen. Sie wurde wegen ihrer Verbindungen zu Russland 2024 aus der AfD ausgeschlossen und zog dorthin um. Unter den Teilnehmern der Gründungskonferenz der Internationalen Anti-Globalisierungsliga befanden sich laut einem Bericht der russischen Tageszeitung MK.ru (Moskovskij Komsomolets) auch Organisationen, die offen Hitler und Franco verherrlichen.
„Mehr als 50 Delegierte von 15 rechtsgerichteten patriotischen Organisationen aus drei Kontinenten sind in St. Petersburg eingetroffen“, sagte Konstantin Malofejew, Chef der Zargrad-Unternehmensgruppe, dem Bericht zufolge „Unterschiedlich, aber vereint in ihrem Engagement für die Verteidigung christlicher Werte. Im Kampf um nationale Identität und Souveränität. Und im Widerstand gegen unseren gemeinsamen Feind – den Globalismus.“
Das Konferenzprogramm, so Malofejew, war vollgepackt: „Die Delegierten des Forums nahmen an der Prozession zu Ehren des Heiligen Großfürsten Alexander Newski teil, erörterten die globale Lage, Migrationsfragen, den Schutz traditioneller Werte und verabschiedeten einen gemeinsamen Aktionsplan und unterzeichneten eine Erklärung zu den Zielen und Aufgaben der Liga. (Quellen: T-Online, MKru, RadioLiberty/Radio Free Europe, Abgeordnetenwatch) (lm)