Aus Nörvenich

Warum Kampfjets aktuell auch abends über NRW zu hören sind

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Bis kurz vor Weihnachten werden immer wieder Kampfjets über NRW fliegen – auch spätabends. Warum die Nachtflüge durchgeführt werden und wen sie betreffen.

Nörvenich/Köln – Wenige Kilometer von Köln entfernt liegt ein wichtiger Bundeswehr-Standort in NRW: der Fliegerhorst Nörvenich. Der Militärflugplatz im Kreis Düren ist Heimat mehrerer Eurofighter- und auch Tornado-Kampfjets, die nun über einen ganzen Monat lang auch zur späten Stunde über NRW fliegen sollen. Denn vom 20. November bis 22. Dezember 2023 sind immer wieder Nachtflüge geplant.

Kampfjets fliegen über NRW – darum sind wochenlang auch Nachtflüge geplant

Die Nachtflüge von Kampfjets dienen vor allem Übungszwecken. (Symbolbild)

Neben den Kampfjets sind am Luftwaffen-Standort auch die entsprechenden Piloten des Taktischen Luftwaffen­geschwaders 31 „Boelcke“ stationiert. Diese beabsichtigen nun „in der 47. - 51. Kalenderwoche (20.11.2023 - 22.12.2023) Nachtflüge durchzuführen“, teilt der Verband auf seiner Website mit. „Nachtflüge finden in unserem Geschwader, aus Lärmschutzgründen, immer wieder zu der Jahreszeit statt, in der es früh dunkel wird. Einen Übungszeitraum für Nachtflüge, der sich über mehrere Wochen erstreckt, hat es so bereits in den vergangenen Jahren in ähnlicher Form gegeben“, erläutert Oberleutnant Maximilian Kraft vom Taktischen Luftwaffen­geschwaders 31 gegenüber Ippen.Media. Denn normalerweise, also den Rest des Jahres, werden diese immer nur für kurze Zeiträume angekündigt.

Jeweils von montags bis freitags können die Eurofighter und Tornado nun auch spätabends über NRW fliegen. Dahinter stecken vor allem Übungszwecke. „Die Flüge sind Teil der Normalen Übungs- und Trainingsmenge, die wir absolvieren müssen, um Fähigkeiten und Qualifikationen zu erhalten“, erklärt Kraft. Sprich dadurch sollen einerseits neue Piloten ausgebildet werden und andererseits alle weiteren in Form bleiben.

Aus welchem weiteren Grund Kampfjets über NRW fliegen

Die Nachtflüge von Kampfjets dienen vor allem Übungszwecken. (Symbolbild)

Das Taktische Luftwaffen­geschwader 31 „Boelcke“ führt bis kurz vor Weihnachten aber nicht nur nachts, sondern auch tagsüber Flüge durch. Und diese haben oftmals auch einen anderen Grund: Vermessungen. Dabei werden „einzelnen Komponenten der Navigationsanlage jedes einzelnen Eurofighters mit Referenz auf den Flugplatz Nörvenich“ kalibriert, schreibt die Bundeswehr auf ihrer Website. Alle am Fliegerhorst Nörvenich stationierten Eurofighter müssen diese Kalibrierungsflüge absolvieren.

Kampfjets über NRW sorgen für „zeitweise höhere Lärmbelastung“

„Durch diese Anflüge mit erhöhter Geschwindigkeit wird es dann zu einer zeitweise höheren Lärmbelastung kommen“, erklärt die Bundeswehr. Dabei handelt es sich um einen Zeitraum von rund einer halben Stunde, die „vornehmlich im Bereich Kerpen-Süd und Türnich wahrzunehmen sein wird“. Die Flüge finden laut Bundeswehr außerhalb des Zeitraums 12:30 bis 14 Uhr statt.

Eurofighter und Tornado: Die Kampfjets der Bundeswehr im Überblick

Ein Kampfjet des Typs „Eurofighter Typhoon“ steht auf einer Landebahn.
Der häufigste Kampfjet bei der Bundeswehr: Der Eurofighter Typhoon. 138 der Mehrzweckkampfflugzeuge befinden sich im Besitz der Luftwaffe. Die Bundeswehr bezeichnet den Flieger deshalb als „Rückgrat der deutschen Kampfflugzeugsflotte“. (Archivbild) © Nicolas Economou/Imago
Ein Kampfjet des Typs „Eurofighter Typhoon“ der Bundeswehr fliegt durch die Luft
Der Eurofighter Typhoon ist ein wahrer Alleskönner. Der Flieger kann sowohl zur Verteidigung als auch für den Angriff in der Luft verwendet werden. Dabei ist der Eurofighter mit einem Leergewicht von elf Tonnen und einer Schubkraft von bis zu 90.000 Newton pro Triebwerk besonders antriebsstark. (Archivbild) © Rainer Droese/Imago
Ein Kampfjet des Typs „Tornado ECR“ startet von der Landbahn des Fliegerhorst Lechfeld.
Mit seinem geringen Gewicht und der hohen Schubkraft hat der Eurofighter dem Kampfjet des Typs „Tornado ECR“ von Panavia etwas voraus. Das Mehrzweckkampfflugzeug ist mit einem Leergewicht von 14 Tonnen deutlich schwerer. Zudem kommt der Tornado ECR“auf eine maximale Schubkraft von bis zu 69.000 Newton. (Archivbild) © StockTrek Images/Imago
Der Kampfjet Panavia Tornado ECR steht auf einer Landebahn
Seit der Einführung des Eurofighters wurde der Bestand des in die Jahre gekommenen Tornado ECR deshalb auf 85 Waffensysteme reduziert. Ab 2030 ist dann komplett Schluss: Der Tornado ECR, der zur elektrischen Lokalisierung und zur Bekämpfung gegnerischer Radarstellungen vorgesehen ist, wird dann nach über 40 Dienstjahren in den Ruhestand geschickt. (Archivbild) © Rob Edgcumbe/Imago
Ein Panavia Kampfjet des Typs „Tornado“ der Bundeswehr steht auf einer Landebahn.
Das baldige Ende gilt auch für den Kampfjet des Typs Tornado IDS von Panavia. Im Gegensatz zum Tornado ECR dient der Jet als tieffliegender Jagdbomber. Er ist für die Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft, zum Verhindern des Eintreffens neuer Bodentruppen und für den Luftangriff auf feindliche Einrichtungen und Stellungen vorgesehen. (Archivbild) © Star-Media/Imago
Ein Kampfjet des Typs „ Tornado IDS“ fliegt durch die Luft.
Der Tornado IDS führt umfangreiche Mittel und Ausrüstung zur Selbstverteidigung mit, wie die Bundeswehr schreibt. Am Rumpf des Tornados kann zudem noch das digitale Aufklärungssystem „RecceLite“ mitgeführt werden. Durch den Einsatz ist unter anderem eine Echtzeitübertragung der Aufklärungsergebnisse möglich. (Archivbild) © PIZ - Luftwaffe/dpa
Ein Tornado-Kampfjet der Luftwaffe wurde 2013 für das Nato Tiger Meet speziell foliert.
Für besondere Anlässe geben die Soldaten der deutschen Luftwaffe ihren Kampfjets auch immer wieder besondere Folierungen. Im Jahr 2013 nahmen Teile das Taktischen Luftwaffengeschwader 51 aus der Nähe von Schleswig in Schleswig-Holstein an der Militärübung „Tiger Meet“ der NATO teil. Der Name beruht auf den Wappen der ersten Teilnehmer, die allesamt einen Tigerkopf im Wappen führten. Seither ist es Tradition, dass die Fliegerstaffeln ihre Kampfjets im passenden Design präsentieren – in diesem Fall ein Tornado. (Archivbild) © StockTrek Images/Imago
Ein Kampfjet des Typs Tornado mit spezieller Folierung fliegt im Rahmen der Nato-Übung Tiger Meet im Jahr 2018 über Polen.
Auch 2018 nahm das taktische Luftwaffengeschwader 51 am Nato Tiger Meet teil. In diesem Jahr fand die Militärübung in Polen statt. Dieses mal setzten die Soldatinnen und Soldaten auf die klassischen Farben eines Tigers – orange und schwarz. (Archivbild) © Giovanni Colla/StockTrek Images/Imago
Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 verpasste einem Eurofighter anlässlich des Nato Tiger Meet ein „Ghost Tiger“-Design
Auch die Fliegerstaffel Bavarian Tigers – die durch Angehörige des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg in Bayern gegründet wurde – nahm 2018 am Nato Tiger Meet teil. Dafür wurde ein Eurofighter zu einem grün-schwarzen „Ghost Tiger“ foliert. (Archivbild) © Giovanni Colla/Imago
Ein Eurofighter wurde im Rahmen des Nato Tiger Meets und des 60. Geburtstags des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 ein Design in den bayerischen Landesfarben blau und weiß.
2021 nahmen die Bavarian Tigers nicht an dem Nato Tiger Meet teil. Zum 60. Jubiläum des Luftwaffengeschwaders aus Bayern ließen sich die Soldatinnen und Soldaten es sich trotzdem nicht nehmen, einem Eurofighter ein besonders Bayern-Design zu geben. Die Landesfarben blau und weiß sowie auch die Darstellung schemenhafter Berge sollten Heimatverbundenheit, Eleganz und Seriosität vermitteln, heißt es bei der Bundeswehr. (Archivbild) © Timm Ziegenthaler/Imago
Ein Eurofighter Typhoon der Luftwaffe der Bundeswehr wurde für eine Reise nach Japan speziell foliert.
Die Soldatinnen und Soldaten aus Bayern nahmen vergangenes Jahr an internationalen Übungen in Australien teil. Weil es im Anschluss direkt weiter nach Singapur zu einem Treffen mit Verbündeten aus Südkorea und Japan ging, erhielt ein Eurofighter dieses Design, welches die Flaggen von Australien, Japan, Südkorea und Deutschland enthält. (Archivbild) © Kento Nara/Future Image/Imago
Der speziell folierter Eurofighter Eagle Star nimmt an der Luftwaffenübung Blue Flag in Israel teil
Zu der internationalen Militärübung „Blue Flag 2021“ in Israel reisten die Soldatinnen und Soldaten des taktischen Luftgeschwaders 31 aus Nörvenich unter anderem mit dem Eagle Star an. Das Design des Eurofighter-Kampfjets sollte ein Ausdruck der Freundschaft zwischen den Luftwaffen aus Deutschland und dem Gastgeberland darstellen. (Archivbild) © Falk Bärwald/dpa
Deutschlands erste Luftwaffen-Jetpilotin sitzt in einem Übungsjet des Typs „Northrop T-38C Talon“
Doch selbst die besten Flugsysteme sind ohne gut ausgebildete Soldatinnen und Soldaten nutzlos. Dafür erhalten deutsche Flugschüler der Luftwaffe im Rahmen des Euro Nato Joint Jet Pilot Training innerhalb von 55 Kalenderwochen ihre fliegerische Ausbildung auf der Sheppard Air Force Base im Nordosten von Texas.  © DB Marcus Rott IMZ-Bw/dpa
Ein Übungsjet des Typs „Northtrop T-38C Talon“ fliegt durch die Luft.
Als Schulflugzeug dient dabei die Northrop T-38C Talon. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.380 Kilometern pro Stunde liegt das Tempo des Fliegers knapp über der Grenze zur Schallgeschwindigkeit. Mit einer Spannweite von 7,70 Meter ist der Flieger zudem deutlich schmaler als viele andere Kampfjets. (Archivbild) © StockTrek Images/Imago

Bis wie viel Uhr Kampfjets fliegen dürfen und wo sie in NRW zu sehen sind

Tatsächlich gibt es immer wieder Kampfjet-Flüge über NRW. Jedoch werden diese für gewöhnlich nur für eine Woche angekündigt und meistens auch nur tagsüber durchgeführt. Nachtflüge finden demnach nicht ganz so häufig statt. Wohin die Piloten genau fliegen, variiert dabei. „Es werden für den Zeitraum die üblichen Routen sowie Übungsräume des Geschwaders verwendet“, sagt Oberleutnant Maximilian Kraft vom Taktischen Luftwaffen­geschwaders 31. Die entsprechende Planung fände je nach Übungsthema „wöchentlich bis täglich statt“, weshalb im Vorraus keine konkreten Routen genannt werden können. Jedoch liegen diese insbesondere im Süden von NRW, also dem Bereich um Köln, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Düren. Grundsätzlich fliegen die Eurofighter und Tornados aber teils auch quer durch ganz NRW.

Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Regionen müssen jetzt fast den ganzen Tag und Abend über mit möglichem Fluglärm rechnen. Denn militärische Übungsflüge mit Kampfflugzeugen sind in Deutschland grundsätzlich montags bis freitags bis spätestens 24 Uhr Ortszeit erlaubt. Im Frühjahr 2023 hatten bereits Anwohner in Köln nachts sehr laute Kampfjet-Geräusche gehört. (os) Täglich informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Hinweis: Dieser Text wurde am 24. November um 10:05 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Aussagen der Bundeswehr zu Flugrouten ergänzt.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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