VonStephanie Munkschließen
Mangel an Treibstoff, Papier, Mobilfunkmasten, Ersatzteilen: In Russland haben die Sanktionen durch den Ukraine-Krieg zu tiefgehenden Einschränkungen geführt.
Moskau – Erst am Donnerstag (14. September) haben die USA ihre Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf den Ukraine-Krieg wieder ausgeweitet: Mehr als 150 Personen und Firmen würden mit neuen Strafmaßnahmen belegt, wie Washington mitteilte. Das Ziel: „Russlands militärische Lieferketten ins Visier zu nehmen und Putin die Ausrüstung, Technologie und Dienstleistungen zu entziehen, die er für seinen barbarischen Krieg gegen die Ukraine benötigt“, erklärte US-Finanzministerin Janet Yellen.
Mehr als 13.000 Beschränkungen gegen Russland wurden seit Beginn der Invasion in der Ukraine beschlossen, heißt es in einem aktuellen Bericht des US-Magazins Newsweek. Russland sei damit das am meisten sanktionierte Land der Welt. Im Mai räumte sogar der russische Präsident Wladimir Putin ein, dass die westlichen Sanktionen seinem Land zu schaffen machen.
Gebrauchsgüter in Russland werden knapp – Schwindet Unterstützung für Putin?
Manche Gebrauchsgüter sind in Russland 19 Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs offenbar knapp geworden. Viele Russen spüren damit die Auswirkungen des Kriegs am eigenen Leib – und könnten ihrem kriegsführendem Präsidenten Putin als Folge ihre Unterstützung mehr und mehr entziehen.
Auch Kreml-treue Propagandisten des Kremls hätten die Folgen der Sanktionen auf Russland schon beklagt, schreibt Newsweek. Zum Beispiel hätte der Fernsehmoderator Iwan Truschkin in der Sendung „Mesto Vstrechi“ gefragt, warum Russland Zugang zu verschiedenen Währungen wie Dollar und Euro habe, „aber wir sie aus genau diesen Gründen nicht für das ausgeben können, was wir wollen“.
Benzinmangel in Russland - Landwirte sehen sogar Ernte gefährdet
Vor allem Benzin wird in Russland in letzter Zeit knapp. Laut einem Bericht des BR melden russische Städte im ganzen Land Treibstoff-Engpässe und explodierende Preise, beispielsweise in Wolgograd, Astrachan und Saratow. In Russland führe dies zu Ärger und kontroversen Diskussionen.
Sogar die regierungsnahe russische Zeitung Iswestija berichtete bereits in einem ausführlichen Bericht über den Kraftstoffmangel. „An zahlreichen Tankstellen verschwinden einige Benzin- und Dieselsorten“, heißt es dort. Einige Regionen hätten bereits Beschwerdebriefe an die zuständigen Ministerien in Moskau gesandt.
Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität




Vor allem für Landwirte sei das Fehlen von Treibstoff und die steigenden Diesel-Preise fatal, schreibt das russische Blatt, denn „die Verfügbarkeit von Kraftstoff“ sei „für Landwirte während der saisonalen Feldarbeit von entscheidender Bedeutung“. Die Ernte und die Aussaat von Wintergetreide sei sogar in Gefahr.
Als Grund der Engpässe werden Lieferverzögerungen auf den russischen Eisenbahnschienen angegeben. „Angesichts der antirussischen Sanktionen war es notwendig, Lieferketten neu aufzubauen“, schreibt das regierungsnahe Blatt.
Papier, Ersatzteile, Sperrholz: Vieles wird in Russland knapp
Doch Benzin ist nicht das einzige Gut, das in Russland knapp zu werden scheint. Viele Beschränkungen würden sich auf das alltägliche Leben vieler Russinnen und Russen auswirken. Einige Beispiele:
- Papier: Russische Verlage sind offenbar gezwungen, auf inländisches Papier umzusteigen, dessen Verfügbarkeit begrenzt ist. Dies berichtet Newsweek und beruft sich dabei auf eine Aussage auf Sergej Moiseew, Präsident der „Guild of Periodical Press Publishers“, in einem Fernsehinterview: „Der gesamte Druck unterliegt Sanktionen, absolut alles … Das heißt, nicht nur Papier, sondern auch Tinte, und das Schlimmste sind Ersatzteile für Geräte, weil die gesamte Ausrüstung importiert wird“, wird Moiseew zitiert.
- Mobilfunk: Der Mobilfunkempfang in Russland scheint wegen Engpässen bei Ersatzteilen und Ausrüstung aus dem Westen eingeschränkt zu sein. Dies berichtet Newsweek unter Berufung auf lokale Medienberichte. Ausländische Unternehmen wie Ericsson und Nokia haben Russland längst verlassen, die russische Ausrüstung hinke den Anforderungen der Mobilfunk-Betreiber hinterher.
- Flugzeugteile: Die zivile Luftfahrt Russlands wurde mit erheblichen Sanktionen belegt. Das Luftfahrt-Nachrichtenportal Aero schreibt: „Russische Airlines fliegen ihre Jets zunehmend auf Verschleiß.“ Es gebe massive Bedenken hinsichtlich der Flugsicherheit. Die russische Zeitung Kommersant berichtete, dass etliche russische Flüge mit abgelaufenen Teilen stattfänden. „Wir haben viele Fälle von Verstößen beim Betrieb von Luftfahrtgeräten registriert, die sich direkt auf die Flugsicherheit auswirken“, wurde Wiktor Basargin, Leiter der staatlichen Transportaufsichtsbehörde Rostransnadzor, zitiert.
- Sperrholz: Laut der russischen Tageszeitung Kommersant herrscht in Russland aufgrund der Sanktionen ein Mangel an Phenol-Formaldehyd-Harz, das für die Herstellung von Sperrholz benötigt wird. Holzverarbeitende russische Unternehmen hätten die Putin-Regierung bereits aufgefordert, kein Sperrholz mehr zu exportieren.
Baerbock zuletzt enttäuscht über Wirkung der Sanktionen
Allerdings: Trotz aller Sanktionen ist die russische Wirtschaft zuletzt sogar gewachsen, während die deutsche zu Jahresbeginn in eine Rezession rutschte. Bundesaußenministern Annalena Baerbock zeigte sich darüber jüngst sehr enttäuscht. „Die Logiken von Demokratien“ würden in Autokratien nicht greifen, beklagte die Grünen-Politikerin. Absurderweise wurde kürzlich Europas größter Windanlagenbauer verklagt – weil er sich an die Sanktionen gegen Russland hielt. (smu)
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