Güter werden knapp

Sanktionen greifen: Russland geht auf dem Zahnfleisch  

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Mangel an Treibstoff, Papier, Mobilfunkmasten, Ersatzteilen: In Russland haben die Sanktionen durch den Ukraine-Krieg zu tiefgehenden Einschränkungen geführt.

Moskau – Erst am Donnerstag (14. September) haben die USA ihre Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf den Ukraine-Krieg wieder ausgeweitet: Mehr als 150 Personen und Firmen würden mit neuen Strafmaßnahmen belegt, wie Washington mitteilte. Das Ziel: „Russlands militärische Lieferketten ins Visier zu nehmen und Putin die Ausrüstung, Technologie und Dienstleistungen zu entziehen, die er für seinen barbarischen Krieg gegen die Ukraine benötigt“, erklärte US-Finanzministerin Janet Yellen.

Mehr als 13.000 Beschränkungen gegen Russland wurden seit Beginn der Invasion in der Ukraine beschlossen, heißt es in einem aktuellen Bericht des US-Magazins Newsweek. Russland sei damit das am meisten sanktionierte Land der Welt. Im Mai räumte sogar der russische Präsident Wladimir Putin ein, dass die westlichen Sanktionen seinem Land zu schaffen machen.

Die Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs treffen Russlands - das gab im Mai 2023 auch Präsident Wladimir Putin zu.

Gebrauchsgüter in Russland werden knapp – Schwindet Unterstützung für Putin?

Manche Gebrauchsgüter sind in Russland 19 Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs offenbar knapp geworden. Viele Russen spüren damit die Auswirkungen des Kriegs am eigenen Leib – und könnten ihrem kriegsführendem Präsidenten Putin als Folge ihre Unterstützung mehr und mehr entziehen.

Auch Kreml-treue Propagandisten des Kremls hätten die Folgen der Sanktionen auf Russland schon beklagt, schreibt Newsweek. Zum Beispiel hätte der Fernsehmoderator Iwan Truschkin in der Sendung „Mesto Vstrechi“ gefragt, warum Russland Zugang zu verschiedenen Währungen wie Dollar und Euro habe, „aber wir sie aus genau diesen Gründen nicht für das ausgeben können, was wir wollen“.

Benzinmangel in Russland - Landwirte sehen sogar Ernte gefährdet

Vor allem Benzin wird in Russland in letzter Zeit knapp. Laut einem Bericht des BR melden russische Städte im ganzen Land Treibstoff-Engpässe und explodierende Preise, beispielsweise in Wolgograd, Astrachan und Saratow. In Russland führe dies zu Ärger und kontroversen Diskussionen.

Sogar die regierungsnahe russische Zeitung Iswestija berichtete bereits in einem ausführlichen Bericht über den Kraftstoffmangel. „An zahlreichen Tankstellen verschwinden einige Benzin- und Dieselsorten“, heißt es dort. Einige Regionen hätten bereits Beschwerdebriefe an die zuständigen Ministerien in Moskau gesandt.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Vor allem für Landwirte sei das Fehlen von Treibstoff und die steigenden Diesel-Preise fatal, schreibt das russische Blatt, denn „die Verfügbarkeit von Kraftstoff“ sei „für Landwirte während der saisonalen Feldarbeit von entscheidender Bedeutung“. Die Ernte und die Aussaat von Wintergetreide sei sogar in Gefahr.

Als Grund der Engpässe werden Lieferverzögerungen auf den russischen Eisenbahnschienen angegeben. „Angesichts der antirussischen Sanktionen war es notwendig, Lieferketten neu aufzubauen“, schreibt das regierungsnahe Blatt.

Papier, Ersatzteile, Sperrholz: Vieles wird in Russland knapp

Doch Benzin ist nicht das einzige Gut, das in Russland knapp zu werden scheint. Viele Beschränkungen würden sich auf das alltägliche Leben vieler Russinnen und Russen auswirken. Einige Beispiele:

  • Papier: Russische Verlage sind offenbar gezwungen, auf inländisches Papier umzusteigen, dessen Verfügbarkeit begrenzt ist. Dies berichtet Newsweek und beruft sich dabei auf eine Aussage auf Sergej Moiseew, Präsident der „Guild of Periodical Press Publishers“, in einem Fernsehinterview: „Der gesamte Druck unterliegt Sanktionen, absolut alles … Das heißt, nicht nur Papier, sondern auch Tinte, und das Schlimmste sind Ersatzteile für Geräte, weil die gesamte Ausrüstung importiert wird“, wird Moiseew zitiert.
  • Mobilfunk: Der Mobilfunkempfang in Russland scheint wegen Engpässen bei Ersatzteilen und Ausrüstung aus dem Westen eingeschränkt zu sein. Dies berichtet Newsweek unter Berufung auf lokale Medienberichte. Ausländische Unternehmen wie Ericsson und Nokia haben Russland längst verlassen, die russische Ausrüstung hinke den Anforderungen der Mobilfunk-Betreiber hinterher.
  • Flugzeugteile: Die zivile Luftfahrt Russlands wurde mit erheblichen Sanktionen belegt. Das Luftfahrt-Nachrichtenportal Aero schreibt: „Russische Airlines fliegen ihre Jets zunehmend auf Verschleiß.“ Es gebe massive Bedenken hinsichtlich der Flugsicherheit. Die russische Zeitung Kommersant berichtete, dass etliche russische Flüge mit abgelaufenen Teilen stattfänden. „Wir haben viele Fälle von Verstößen beim Betrieb von Luftfahrtgeräten registriert, die sich direkt auf die Flugsicherheit auswirken“, wurde Wiktor Basargin, Leiter der staatlichen Transportaufsichtsbehörde Rostransnadzor, zitiert.
  • Sperrholz: Laut der russischen Tageszeitung Kommersant herrscht in Russland aufgrund der Sanktionen ein Mangel an Phenol-Formaldehyd-Harz, das für die Herstellung von Sperrholz benötigt wird. Holzverarbeitende russische Unternehmen hätten die Putin-Regierung bereits aufgefordert, kein Sperrholz mehr zu exportieren.

Baerbock zuletzt enttäuscht über Wirkung der Sanktionen

Allerdings: Trotz aller Sanktionen ist die russische Wirtschaft zuletzt sogar gewachsen, während die deutsche zu Jahresbeginn in eine Rezession rutschte. Bundesaußenministern Annalena Baerbock zeigte sich darüber jüngst sehr enttäuscht. „Die Logiken von Demokratien“ würden in Autokratien nicht greifen, beklagte die Grünen-Politikerin. Absurderweise wurde kürzlich Europas größter Windanlagenbauer verklagt – weil er sich an die Sanktionen gegen Russland hielt. (smu)

Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/AFP

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