Trotz Elite-Soldaten „Skala“: Ukraine entgleitet wichtige Donbass-Bastion gegen Putin
VonPatrick Mayer
schließen
Die Meldungen zu Pokrowsk überschlagen sich. Wladimir Putin soll vor der Einnahme der Donbass-Bastion stehen. Die Ukraine versucht ein verzweifeltes Aufbäumen.
Pokrowsk – Der Fokus liegt im Ukraine-Krieg seit Wochen auf dieser kleinen Stadt. Laut einer Einschätzung der New York Times (NYT), soll Wladimir Putin kurz vor der Einnahme der heftig umkämpften Donbass-Bastion Pokrowsk stehen. Die Ukraine hatte in einer regelrecht spektakulären Spezialoperation kürzlich Elite-Soldaten mit Black-Hawk-Helikoptern nach Pokrowsk geflogen. Verzweifelte Gegenwehr oder der Schlüssel zum Gegenschlag?
Während zeitgleich Putins Kriegswirtschaft in Russland durch US-Sanktionen schwer unter Druck steht, verweist die NYT auf die immensen russischen Verluste einzig an diesem Frontabschnitt. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll Putin bis zu 130.000 russische Soldaten eingesetzt haben, um die mittlerweile völlig zerstörte Industriestadt (vormals 60.000 Einwohner) einzunehmen. Die ukrainische Spezialeinheit „Omega“ hatte zuletzt von „gigantischen Verlusten“ auf russischer Seite berichtet.
Ukraine-Krieg: „Gigantische Verluste“ für Wladimir Putin bei Pokrowsk
In den vergangenen Tagen hatten die Analysten des Institute for the Study of War (ISW) und die ukrainischen Militärblogger von DeepState geschrieben, dass russische Truppen über die nordöstlichen und südöstlichen Stadtbezirke kommend vorgerückt seien. Sie hätten einzelne Korridore in die Stadtmitte geschlagen. Dort trafen sie offenbar auf das entsendete 425. Angriffsregiment „Skala“ der ukrainischen Armee, berüchtigte Soldaten, die bei der Charkiw-Gegenoffensive 2022 eine wesentliche Rolle hatten.
Das Regiment veröffentlichte in sozialen Netzwerken ein Video, zum Beispiel bei X, das die angebliche Rückeroberung des Stadtratsgebäudes im Häuserkampf aus Drohnen-Perspektive beweisen soll. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Auch Militärblogger hatten Fotos geteilt, wie die ukrainische Flagge wieder über dem Stadtrat gehisst wird. Von wann die Aufnahmen stammen, lässt sich ebenfalls nicht unabhängig überprüfen. Bekannt ist: Das Verwaltungsgebäude befindet sich mitten in Pokrowsk.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Die Russen waren also auch nach ukrainischen Angaben schon so weit vorgedrungen, ehe „Skala“ (Deutsch: „Klippe“) eintraf. Die Entsendung der Spezialeinheiten „Omega“ und „Skala“ dürfte indes auch auf erhebliche Verluste und Probleme auf ukrainischer Seite hindeuten. Das 425. Angriffsregiment war Ende 2022 mittendrin, als ukrainische Truppen über Wochen in verzweifelter Lage den russischen Vormarsch bei und in Bachmut aufhielten, ehe die Donbass-Stadt nach schwersten Kämpfen im Mai 2023 an Putin fiel.
Verluste für Wladimir Putin: „Skala“ kämpfte an mehreren Orten gegen die russische Armee
„Skala“ hatte zuvor im Herbst 2022 dabei geholfen, die russische Armee in der nordöstlichen Region Charkiw hinter die Grenze zu drängen. Und „Skala“ war Teil der (gescheiterten) ukrainischen Gegenoffensive im Frühsommer 2023, als die Elite-Kämpfer in Schusswechseln auf kurze Distanz, Mann gegen Mann, Schützengräben von russischen Einheiten räumten und Beiträgen bei sozialen Medien zufolge gemeinsam mit dem 3. Angriffsregiment bei Robotyne (Oblast Saporischschja) viele russische Soldaten töteten.
Aktuelles aus Pokrowsk.
Einheiten des 425. Sturmregiments „Skala“ haben das Rathaus von russischen Truppen befreit und die ukrainische Flagge darüber gehisst.
Ein symbolischer Schritt – Pokrowsk bleibt unter ukrainischer Verteidigung und die blau-gelbe Flagge weht wieder.… pic.twitter.com/MifgaxfTuX
Ob die „Skala“-Einheit, die unbestätigten Berichten zufolge über nicht viel mehr als 100 Kämpfer insgesamt verfügen soll, wirklich in der Lage sein soll, die russische Armee nochmal aus Pokrowsk zu verdrängen, ist wegen der nummerischen Unterzahl und dem Mangel an schweren Waffen wie Kampfpanzern fraglich. Laut NYT fiel geschätzt die Hälfte der heimtückischen russischen Gleitbomben zuletzt auf Pokrowsk.
Ukraine-Krieg: Russland nimmt offenbar Slowjansk und Kramatorsk ins Visier
Wie es in der Analyse der US-Tageszeitung heißt, wäre bei einer Eroberung der Stadt der Weg für die Russen frei in Richtung der benachbarten Großstädte Slowjansk und Kramatorsk. In Kramatorsk befindet sich seit Frühsommer 2014 und dem Aufstand der prorussischen Separatisten im Donbass das östliche Hauptquartier der ukrainischen Streitkräfte. Über beide Städte und deren Eisenbahnverbindungen sowie Straßennetzwerke wird die Armee im Osten des geschundenen Landes versorgt. Putins nächstes Ziel? (Quellen: NYT, DeepState, ISW, X) (pm)