„Es ist ein Wunder ...“

Trump erlebt Pannen-Serie bei UN: Weißes Haus hat brisanten Verdacht

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Donald Trump erlebt bei seinem UN-Auftritt eine regelrechte Pannen-Serie. Das Weiße Haus ist sauer. Sogar absichtliche „Sabotage“ wird gewittert.

Update vom 25. September, 06.33 Uhr: Es eskaliert zwischen Donald Trump und den UN. Allerdings nicht gerade politisch, das ganze nimmt viel mehr eine persönliche Dimension an. Hintergrund ist die Pannen-Serie, die Trump rund um seine UN-Rede vom Dienstag erlebte. Die kaputte Rolltreppe macht dem US-Präsidenten noch immer schwer zu schaffen. Er fordert drastische Schritte.

Der Republikaner sprach auf seiner Plattform Truth Social von drei „unheimlichen Vorfällen“. Aus Sicht von Trump sollten die Leute festgenommen werden, die für den abrupten Stopp der Rolltreppe verantwortlich sind, auf die er und die First Lady stiegen. „Es ist ein Wunder, dass Melania und ich nicht mit dem Gesicht auf die scharfen Kanten dieser Stahltreppe gefallen sind.“

Dann funktionierte der Teleprompter nach Trumps Aussage 15 Minuten lang nicht, als er seine Rede begann. Er lobte sich selbst dafür, wie er das überstanden habe. Zudem sei ihm zugetragen worden, dass der Ton im Auditorium fehlerhaft gewesen sei. Trump sprach von „Sabotage“ und forderte eine Untersuchung.

Kurios: Die UN hatten der Dramatik der Vorfälle längst vehement widersprochen. Das Weiße Haus habe für die Rede seine eigene Ausrüstung mitgebracht, somit auch den Teleprompter selber bedient. Die Rolltreppe habe wegen eines Sicherheitsmechanismus gestoppt, die ein Kameramann der US-Delegation, welcher Trump auf der Rolltreppe filmen sollte, ausgelöst habe.

Trump erlebt Pannen-Serie bei UN: Weißes Haus äußert brisanten Verdacht

Erstmeldung: New York – Es wurde deutlich am Dienstag im UN-Hauptquartier. Ein recht wütender Donald Trump holte in seiner Rede zum Rundumschlag gegen die Vereinten Nationen aus. „Versagen“ warf er der Versammlung gar vor, behauptete, „leere Worte“ würden eben keine Kriege lösen. Nach seiner rund einstündigen Rede verbleiben gespaltene Reaktionen auf Trumps Auftritt – und wütende Äußerungen aus dem Weißen Haus.

Donald Trump im UN-Hauptquartier – auf der Rolltreppe kam es zum Problem.

Denn bei Trumps Besuch bei den UN lief bei weitem nicht alles rund. Viel mehr gab es gleich mehrere Pannen. Aus Washington kommen daher nun Vorwürfe, sogar Sabotage wird gewittert. Im Fokus steht unter anderem ein streikender Teleprompter. Trump hatte sich darüber beschwert, dass das Gerät bei seiner Rede zunächst nicht funktioniert hatte. Er monierte zudem eine defekte Rolltreppe im UN-Hauptquartier. Diese sei plötzlich stehengeblieben, als er und seine Ehefrau Melania sie benutzt hätten. „Das sind die zwei Sachen, die ich von den Vereinten Nationen bekommen habe: eine schlechte Rolltreppe und einen schlechten Teleprompter.“

Trump bei der UN mit Pannen-Auftritt: Teleprompter und Rolltreppe streiken – Sabotage?

Das Weiße Haus suggeriert nun, es könnte sich um einen Akt der Sabotage handeln. Ein Moderator des US-Senders Fox News behauptete im Gespräch mit Trumps Sprecherin Karoline Leavitt, bei beiden Fällen scheine es sich um Sabotage zu handeln. Leavitt stimmte ihm zu: „Das ist definitiv, wonach es für mich aussieht.“ Handfeste Beweise dafür präsentierte das Weiße Haus nicht.

Die Vereinten Nationen wiesen Trumps Darstellung zurück. Der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Weiße Haus habe für die Rede von Trump seine eigene Ausrüstung mitgebracht. „Der Teleprompter wurde vom Weißen Haus bedient.“ 

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Trump wütet über Rolltreppe und Teleprompter – UN liefert Erklärung

Zur Rolltreppe teilte er später mit, ein Kameramann der US-Delegation habe die Ankunft Trumps und seiner Ehefrau dokumentieren wollen, vor ihnen die Rolltreppe betreten und sei rückwärts hochgefahren. Als er oben ankam, hätten Trump und die First Lady die Stufen betreten - und just in dem Moment sei die Rolltreppe stehen geblieben. Eine Untersuchung zeigte nach Angaben des UN-Sprechers im Anschluss, dass ein eingebauter Sicherheitsmechanismus am oberen Ende der Rolltreppe ausgelöst worden war. Der Kameramann habe diese Sicherheitsfunktion womöglich versehentlich ausgelöst, hieß es. 

Im UN-Hochhaus am East River hatten zuvor Gerüchte die Runde gemacht, beide Vorfälle - an der Rolltreppe und beim Teleprompter - könnten mit Absicht herbeiführt worden sein, um Trump Anlässe für Beschwerden über die Vereinten Nationen zu liefern, wo man weitere Kürzungen am US-Beitrag zum UN-Budget befürchtet.

Weißes Haus sauer nach Trumps Pannen-Auftritt – „sieht nicht nach Zufall aus

Leavitt verwies denn auch auf einen Artikel in der britischen Sunday Times vom vergangenen Sonntag, in dem es heißt, UN-Mitarbeiter hätten anlässlich der Ankunft Trumps gescherzt, dass sie die Rolltreppen und Aufzüge abschalten und ihm einfach sagen könnten, dass ihnen das Geld ausgegangen sei, sodass er die Treppen hinaufsteigen müsse. Neben Problemen mit der Rolltreppe und dem Teleprompter erwähnte Trumps Sprecherin auch, dass Trumps Rede nicht laut genug zu hören gewesen sei.

„Wenn man all das zusammennimmt, sieht es für mich nicht nach einem Zufall aus“, sagte sie. Auch der Secret Service werde der Sache auf den Grund gehen. Leavitt drohte mit Konsequenzen, falls sich herausstellen sollte, dass UN-Mitarbeiter die Vorfälle absichtlich ausgelöst haben sollten. Im Online-Dienst X schrieb sie etwa: „Wenn jemand bei der UNO die Rolltreppe absichtlich angehalten hat, als der Präsident und die First Lady sie bestiegen, muss er sofort entlassen und überprüft werden.“

Aufregung der anderen Art kreierte der US-Präsident indes während seines UN-Besuches auch politisch. Trump kündigte eine verblüffende Kehrtwende in seiner Ukraine-Politik an. Sein Minister musste den überraschenden Schritt danach erklären. (Quellen: dpa, eigene Recherche; han)

Rubriklistenbild: © dpa/AP | Stefan Jeremiah

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