Selenskyj und Trump im Weißen Haus: Gespräche über Tomahawks und Putin-Telefonat
VonPaula Völkner
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Trump und Selenskyj beraten über den Ukraine-Krieg: Neben Tomahawks soll es auch um Trumps Telefonat mit Putin gehen. Der US-Präsident zeigt sich optimistisch.
Update vom 17. Oktober, 18:13 Uhr: In rund einer Stunde empfängt US-Präsident Donald Trump seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus. Im Vorfeld des Treffens wird spekuliert, wie sich das Telefonat zwischen Trump und Russlands Machthaber Wladimir Putin am Vortag auf das Treffen auswirken wird: Insbesondere mit Blick auf die von Kiew erhofften Tomahawk-Marschflugkörper.
Fachleute dämpfen jedoch bereits die Erwartungen mit Blick auf die Wirkung der Marschflugkörper im Ukraine-Krieg. Zwar haben die Tomahawks eine große Reichweite und würden der Ukraine damit Angriffe tief in russischem Gebiet ermöglichen, eine „Wunderwaffe“, die den Kriegsverlauf entscheidend verändern könnte, seien sie jedoch nicht, zitiert die Nachrichtenagentur AFP die Expertin Stacie Pettyjohn vom Politikinstitut CNAS.
Vor Treffen mit Trump: Selenskyj trifft Vertreter eines Herstellers von Tomahawk-Marschflugkörpern
Update vom 17. Oktober, 16:14 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist bereits am Donnerstag in der US-Hauptstadt eingetroffen. Vor dem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump am Freitag traf Selenskyj Vertreter von US-Rüstungskonzernen – darunter Vertreter eines Herstellers von Tomahawk-Marschflugkörpern und Patriot-Systemen. „Wir haben über die Produktionskapazitäten von Raytheon und mögliche Wege für eine Zusammenarbeit zur Stärkung der Luftverteidigung und der Langstreckenfähigkeiten der Ukraine gesprochen“, erklärte Selenskyj in einem Post auf der Online-Plattform X mit Blick auf den US-Rüstungskonzern.
Um mögliche Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern soll es auch bei dem Treffen mit Trump gehen: Selenskyj hofft auf Trumps Go. Mit der Freigabe für den Verkauf des US-Marschflugkörpers könnte Kiew im Ukraine-Krieg offensiver gegen Russland vorgehen. Der US-Präsident soll Selenskyj laut Zeitplan des Weißen Hauses um 19 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) empfangen. Für 19:15 Uhr ist dann ein bilaterales Mittagessen geplant.
Selenskyj trifft Trump in Washington: Ukraine hofft auf Tomahawk-Marschflugkörper
Erstmeldung: Washington D.C. – Es ist das dritte Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in der US-Hauptstadt: Nach dem Eklat beim ersten Zusammentreffen im Oval Office reiste Selenskyj zu seinem letzten Besuch im August mit europäischer Verstärkung nach Washington. Heute treffen sich Trump und Selenskyj erneut im Weißen Haus – diesmal bleiben die Staatschefs unter sich.
Der ukrainische Präsident zeigte sich vor den Gesprächen mit Trump optimistisch: Das Treffen könne wirklich dazu beitragen, den Ukraine-Krieg zu beenden, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft am Mittwoch (15. Oktober). In Washington will Selenskyj am Freitag von Trump die Freigabe für den Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern an sein Land bekommen. Die Tomahawks haben eine Reichweite von rund 2500 Kilometern, womit die Ukraine – wie bereits zuletzt intensiviert – Ziele in Russland ins Visier nehmen könnte.
Vor Selenskyj-Treffen in Washington: Trump telefoniert mit Putin – Gespräche in Budapest geplant
Ein weiterer Punkt auf der Agenda für Freitag eröffnete sich am Donnerstagabend überraschend mit einem Telefonat zwischen Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin. Auf seiner Online-Plattform Truth Social kündigte Trump nach dem Gespräch ein Treffen mit Putin in Budapest an. In der kommenden Woche solle es zunächst ein Treffen hochrangiger Berater geben – ein Ort stehe hierbei noch nicht fest.
Ob der ukrainische Präsident in den Plan in irgendeiner Weise eingebunden werden soll, erwähnte der Republikaner zunächst nicht. „Präsident Putin und ich werden uns dann an einem vereinbarten Ort, Budapest, Ungarn, treffen, um zu sehen, ob wir diesen ‚unrühmlichen‘ Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden können“, erklärte Trump. Mit Selenskyj wolle er am Freitag das „Gespräch mit Präsident Putin und vieles mehr besprechen“. Der US-Präsident zeigte sich optimistisch: „Ich glaube, dass mit dem heutigen Telefongespräch große Fortschritte erzielt wurden.“
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Putin-Gespräch könnte neue Dynamik in Trump-Selenskyj-Treffen bringen
Zuletzt hatte Trump abermals eine Wende mit Blick auf den Ukraine-Krieg hingelegt und sich zunehmend kritisch gegenüber Putin und skeptisch über dessen Friedenswillen geäußert. Das Gespräch zwischen Trump und Putin könnte nun eine neue Dynamik in das Treffen mit Selenskyj am Freitag bringen: Sowohl mit Blick auf Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs, als auch bezogen auf die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern an die Ukraine.
Bei dem Telefonat scheint Putin einen weiteren Versuch gestartet zu haben, Trump diesbezüglich ins Gewissen zu reden: Putins Berater, Juri Uschakow, erklärte nach dem Telefonat, dass der Kreml-Chef in dem Gespräch betont habe, dass die Bereitstellung amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper für die Ukraine den US-amerikanisch-russischen Beziehungen und den Aussichten auf eine friedliche Lösung „wesentlichen“ Schaden zufügen würden.
Selenskyj blickt optimistisch auf Trump-Treffen: „Putin ist nicht mutiger als die Hamas“
Ob Trump der Ukraine die Freigabe erteilt, bleibt abzuwarten. Der ukrainische Präsident jedenfalls scheint das Telefonat zwischen Trump und Putin als positives Zeichen zu werten: „Wir können bereits beobachten, dass Moskau sich beeilt, den Dialog wieder aufzunehmen, sobald es von Tomahawks hört“, schrieb Selenskyj am Donnerstagabend auf der Plattform X. Mit Blick auf das Treffen mit Trump erklärte er unter Verweis auf den Gaza-Deal und die Waffenruhe im Nahen Osten: „Putin ist sicherlich nicht mutiger als die Hamas oder andere Terroristen. Die Sprache der Stärke und Gerechtigkeit wird unweigerlich auch gegen Russland wirken.“ (dpa, New York Times) (pav)