VonSebastian Richterschließen
Die USA nehmen den Iran mit eigenen Waffen und Soldaten unter Beschuss. Isolationistische Republikaner verweigern die Unterstützung.
Frankfurt – Nun ist es passiert: Die Vereinigten Staaten greifen aktiv in den Krieg im Nahen Osten ein. Präsident Donald Trump bestätigte den Angriff auf drei Atomanlagen in der Nacht zu Sonntag, teils aus der Luft, teils von U-Booten abgefeuert. Mit diesem Schritt beerdigt Trump sein gern verwendetes Narrativ, ein Präsident des Friedens zu sein. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern wolle er als Präsident die USA in keinen neuen Krieg ziehen, tönte Trump noch im Wahlkampf. Ausländische Interventionen lehnte auch die Republikaner-Basis immer wieder ab, insbesondere die Isolationisten aus den Reihen der MAGA-Bewegung.
Trump steigt in Nahost-Eskalation ein: Republikaner Massie will sich „aktiv dagegen wehren“
Der engste Kreis um Donald Trump unterstützt das Vorgehen des US-Präsidenten. Dessen Vize J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth teilten auf der Plattform X das gemeinsame Statement zu den Angriffen aus der Nacht und äußerten sich nicht weiter. Eine Ebene darunter regt sich allerdings Kritik an Trumps Intervention.
So sieht der Republikaner Thomas Massie in dem Angriff einen Verfassungsbruch. Schon kurz vor dem Angriff in der Nacht schrieb der Politiker aus Kentucky auf X, dass er gegen ein Eingreifen der USA im Nahen Osten sei. „Ich werde mich sogar aktiv dagegen wehren“, so das Statement. Massie, Mitglied im US-Kongress, geriet bereits zuvor immer wieder in Konflikte mit Trump.
Eskalation in Nahost: Ultrarechte MAGA-Anhängerin sieht Schuld für US-Eingriff bei Israel
Andere MAGA-Extremisten interpretieren die Angriffe der Nacht einfach zu ihren Gunsten um. So die Ultrarechte Marjorie Taylor Greene, die erst am Freitag auf X schrieb: „Ich bin so froh, dass Präsident Trump der Diplomatie Zeit gibt, um mit dem Iran und Israel zu arbeiten. Jeder andere amerikanische Präsident würde bereits Bomben abwerfen, die viele unschuldige Menschen töten, und die neokonservativen Kriegstreiber würden feiern, ohne sich um das Abschlachten unschuldiger Menschen zu kümmern.“
Zwei Tage später hat Trump genau das getan – Bomben über dem Iran abwerfen lassen. Greene geht es damit plötzlich nicht mehr um den Tod unschuldiger Menschen. „Jedes Mal, wenn Amerika an der Schwelle zur Großartigkeit steht, werden wir in einen anderen Krieg verwickelt“, schreibt Greene nun. Und Trump musste nur wegen Netanjahu eingreifen: „Es würden keine Bomben auf das israelische Volk fallen, wenn Netanjahu nicht zuerst Bomben auf das iranische Volk geworfen hätte.“
Einfluss von Außen: Ehemalige Trump-Vertraute wollen keine weitere Eskalation im Nahen Osten
Und auch in Trumps erweitertem und ehemaligem Umfeld macht sich Wut breit. Steve Bannon, Ex-Stratege und zeitweise wichtigster Berater des Präsidenten, sagte laut ntv in seinem Podcast: „Eine überwältigende Mehrheit der Menschen will mit nichts davon etwas zu tun haben.“ Stattdessen müsse sich Trump nun an der Basis orientieren und „mit MAGA sprechen“.
Tucker Carlson, geschasster Fox-Moderator und mit Trump im Streit, machte vor der neuen Eskalation in der Nacht gegen ein Eingreifen der USA Stimmung. Dabei geriet er mit dem texanischen Senator Ted Cruz in ein regelrechtes Schreiduell. Eine aktuelle Äußerung von Carlson zum Eingreifen der US-Bomber blieb bisher aus.
Ebenso hält sich der kurzzeitig beste Freund Trumps heraus: Elon Musk hat sich zur Eskalation im Iran seit dem Ende der „Bromance“ bisher nicht geäußert. Er drohte zuletzt mit der Gründung einer eigenen Partei und setzte die Republikaner damit unter Druck. Durch Trumps Bomber-Freigabe könnte er sich als neuer Friedensbringer etablieren – und sowohl MAGA als auch Trump in Bedrängnis bringen. (spr)
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