Um das strategische Ungleichgewicht zu Kriegsgegner Russland etwas auszugleichen, hat die Ukraine offenbar Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 2.400 Kilometern bei den USA angefordert. (Archivbild)
Der Bericht beruft sich auf einen ukrainischen Beamten sowie eine weitere Quelle mit Kenntnis des Treffens zwischen Selenskyj und Trump. Das Gespräch der beiden Staatschefs fand am Rande der UN-Generalversammlung statt. In einem separaten Interview mit Axios, das am Mittwoch aufgezeichnet wurde, bestätigte Selenskyj, er habe um Langstreckenwaffen gebeten.
Selenskyj äußerte die Hoffnung, sein Land werde von den USA wirksamere Waffen erhalten, mit denen Russland tief im eigenen Territorium getroffen werden könne. Bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Dienstag in New York habe er diesen Wunsch konkret vorgetragen. Zwar nannte der ukrainische Staatschef zunächst keine Details zu den gewünschten Systemen – nun berichtet Axios, um welche Waffen es sich handelt.
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Selenskyj fordert Tomahawks: Drohendes Problem für Putin
Laut Axios sei um Tomahawk-Raketen gebeten worden. Der Name gibt einen groben Vorgeschmack auf die Brutalität der Marschflugkörper. Der Tomahawk – ursprünglich eine scharf geschliffene Kampfaxt verschiedener indianischer Stämme in Nordamerika – gilt als bewährte Abschreckungswaffe, und bewies dies bereits in verschiedenen Konflikten. So kamen die Marschflugkörper bereits im Zweiten Golfkrieg 1990 (gegen den Irak unter Saddam Hussein), im Kosovokrieg 1999 (gegen Serbien) und im Afghanistankrieg 2001 (gegen die Taliban) zum Einsatz.
BGM-109 Tomahawk
Waffentyp
Marschflugkörper
Inienststellung
1983
Waffenplattformen
Kriegsschiffe der US Navy und der Royal Navy (Großbritannien)
Geschwindigkeit
878 km/h
Gefechtsgewicht
1425 kg
Länge/ Durchmesser
5,56/ 51,8 cm
Zielortung
3-D-Messsystem INS, GPS
Laut Britannica ist der Tomahawk auf etwa 5 m genau. Die 5,56 m lange Rakete hat eine Reichweite von bis zu etwa 2.400 km – zum Vergleich: Berlin ist Luftlinie etwa 1.600 km von Moskau entfernt. Der modifizierte Marschflugkörper fliegt sehr tief und erreicht offenbar bis zu 900 km/h. Dadurch ist Tomahawk für gegnerische Radarsysteme schwer zu erfassen. Die Marschflugkörper „schmiegen“ sich an die jeweilige Landschaft. Das erschwert es, die Raketen auszuschalten.
Die weitreichende und hoch zerstörerische Waffe soll bis 2026 auch in Deutschland stationiert werden. Ziel ist es, den russischen Präsidenten im Ukraine-Krieg abzuschrecken. Das kündigten die US-Regierung und die Bundesregierung auf dem Nato-Gipfel in Washington an.
Weitere Bedrohung für Russlands „Papiertiger“: Selenskyj hat Trumps Unterstützung sicher
Die ukrainische Armee greift in ihrem Abwehrkrieg gegen die russische Invasion zunehmend auch Ziele auf russischem Territorium an. Dabei standen zuletzt verstärkt Energieanlagen im Fokus. In einem Interview berichtete Selenskyj, dass Trump die ukrainischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur in Russland „unterstützt“.
Ein Schritt, der Wladimir Putin angesichts wachsender wirtschaftlicher Probleme kaum gefallen dürfte. Die Warnzeichen für die russische Volkswirtschaft mehren sich: Selbst hochrangige Regierungsmitglieder räumen laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) einen deutlichen Rückgang der Wachstumszahlen ein. Um die enormen Kriegsausgaben zu finanzieren, greift das Kabinett inzwischen sogar zu einer überraschenden Mehrwertsteuererhöhung. Selbst der sonst Kreml-freundliche US-Präsident Donald Trump bezeichnete Russland zuletzt mit Blick auf dessen Wirtschaft als „Papiertiger“.
Einen Hoffnungsschimmer sieht Putin derzeit offenbar in Viktor Orbán. Der ungarische Regierungschef stellte sich deutlich gegen die Forderungen Trumps und von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Öl- und Gasimporte aus Russland in die EU sofort zu stoppen. Von der Leyen erklärte laut Tagesschau, Russlands Kriegswirtschaft finanziere „das Blutvergießen in der Ukraine“ und werde durch Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Brennstoffe aufrechterhalten. Orbán hingegen wehrt sich vehement gegen ein sofortiges Embargo und erklärte laut Associated Press, eine solche Maßnahme wäre eine Katastrophe für die ungarische Wirtschaft.
Trump hat „großen Respekt vor dem Kampf der Ukraine. Das ist wirklich beeindruckend“.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, lobte Trump bei seinem Treffen mit Selenskyj die ukrainische Armee: Er habe „großen Respekt vor dem Kampf der Ukraine. Das ist wirklich beeindruckend“.
Seit seiner Amtseinführung am 20. Januar 2025 zeigt US-Präsident Donald Trump einen wechselhaften Kurs im Umgang mit dem Kreml. Nach einem Eklat mit Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus (28. Februar) kappte Trump zunächst die US-Militärhilfe (3. März) und kurz darauf auch die Satellitenaufklärung für die Ukraine (5. März). Doch beim überraschenden Alaska-Gipfel mit Wladimir Putin am 15. August demonstrierte Trump demonstrative Nähe zu Moskau. Umso bemerkenswerter die jüngste Kehrtwende. (Quellen: Brittannica, Truth Social, Axios, Tagesschau, frühere Berichterstattung, afp, dpa, Associated Press) (kox)