Washington Post

Trump und das Ende des geopolitischen Westens – eine Analyse

Bei einem Treffen zwischen Trump und Selenskyj kam es im Oval Office zum Eklat. Was folgt aus Trumps offensichtlichem Bruch mit dem geopolitischen Westen?

Washington D.C. – Es war der Ausbruch, der ein Wendepunkt der Geschichte sein könnte. Wir sind immer noch dabei, die schwelenden Folgen des Zusammenstoßes im Oval Office am Freitag abzuschätzen, bei dem Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wütend zur Rede stellten. Was als ein formelles Treffen begann, bei dem es um ein Abkommen über die Bodenschätze der Ukraine ging, wurde zu einem Debakel. Trump und Vance beschimpften Selenskyj wegen seiner vermeintlich schwachen Verhandlungsposition und seiner vermeintlich mangelnden Dankbarkeit für die US-Hilfe.

Trump-Eklat im Oval Office: Streit mit Selenskyj über Sicherheitsgarantien

Das Abkommen wurde abgesagt und die ukrainische Delegation verließ vorzeitig das Weiße Haus. Später flog Selenskyj nach Europa, wo sich verunsicherte Staats- und Regierungschefs des Kontinents um ihn scharten. In Washington bejubelten Trump-Anhänger – republikanische Abgeordnete und rechtsgerichtete Medien – die öffentliche Äußerung von Beschwerden und verurteilten Selenskyj. Der Knackpunkt in dem Streit schien der Wunsch des ukrainischen Präsidenten nach klaren Sicherheitsgarantien der USA zu sein, die dazu beitragen würden, Russland von einem Verstoß gegen einen künftigen Waffenstillstand abzuhalten.

Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen

Donald Trump im Weißen Haus
Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als neuer Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt. Die Posten in seinem Kabinett sind alle verteilt. Wir stellen vor, wer Trump in die Regierung folgt. © Evan Vucci/dpa
 J.D. Vance wird Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus folgen.
J.D. Vance ist Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus gefolgt. Der 40 Jahre alte ehemalige Senator aus Ohio ist einer der jüngsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten. Nach Washington DC hat Vance seine Ehefrau Usha Vance begleitet. Die 38 Jahre alte Anwältin ist die erste „Second Lady“ der USA mit indischen Wurzeln. Das Paar hat die für den Vizepräsidenten vorgesehenen Räumlichkeiten im „United States Naval Observatory“ nahe dem Weißen Haus bezogen. © Alex Brandon/dpa
Marco Rubio soll laut US-Medien in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernehmen.
Marco Rubio hat in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernommen. Der 53 Jahre alte Senator aus Florida ist der erste US-Außenminister mit lateinamerikanischen Wurzeln. Rubio trat 2016 gegen Trump bei den Vorwahlen der Republikaner an und musste sich von dem späteren US-Präsidenten als „totaler Witz“ mit einem Schweißproblem beschimpfen lassen. Doch statt sich zu wehren, schluckte der langjährige Senator die Beleidigungen und präsentierte sich als loyaler Anhänger Trumps. In der US-Außenpolitik stellte sich Rubio in der Vergangenheit an die Seite der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images
Scott Bessent soll unter Donald Trump den Job des Finanzministers übernehmen
Donald Trumps Nominierung für den Posten des Finanzministers wirkte geradezu langweilig. Scott Bessent übernahm den Job – gegen den Wunsch Elon Musks. Der hatte sich mehrfach gegen die Ernennung des Wall-Street-Experten ausgesprochen. Bessent gilt als international erfahrener Finanzexperte und soll Donald Trump bereits 2016 mehrere Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. In seiner neuen Funktion wird Bessent zahlreiche Wahlversprechen Trumps umsetzen müssen, darunter unter anderem Steuersenkungen, neue Zölle gegen China und die Finanzierung von Projekten wie den geplanten Massenabschiebungen. © DREW ANGERER/AFP
Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden
Eine überraschende Wahl Donald Trumps war die Personalie des Verteidigungsministers. Pete Hegseth war acht Jahre lang als Moderator für Fox News tätig. Als Soldat diente Hegseth im Irak und in Afghanistan. Erfahrung in Regierungsarbeit bringt er aber nicht mit. Doch Hegseth dürfte sich die Nominierung durch Trump mit seiner langjährigen Loyalität verdient haben: Der zweifache Familienvater hält schon seit 2016 zu Trump, als viele den Milliardär noch als politische Witzfigur belächelten. © TERRY WYATT(AFP
Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen
Statt dem ursprünglich von Trump nominierten Matt Gaetz hat Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen. Die 59 Jahre alte Juristin war in ähnlicher Funktion auf bundesstaatlicher Ebene bereits in Florida tätig. 2013 stellte sie dort in dieser Funktion einen Betrugsprozess gegen die Trump University ein. 2016 unterstützte sie Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Er holte die Juristin drei Jahre später in sein Anwaltsteam, das ihn im ersten Amtsenthebungsverfahren vertrat.  © MANDEL NGAN/AFP
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner und hat im Kabinett von Donald Trump den Posten des Innenministers übernommen. Von 2016 an war der ehemalige Unternehmer Gouverneur des Bundesstaates North Dakota.  © IMAGO/Ricky Fitchett
Brooke Rollins soll im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernehmen
Brooke Rollins hat im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernommen. Die Anwältin stammt aus Texas und war bereits in der ersten Regierung Trumps tätig. Sie gilt als loyale Anhängerin des künftigen Präsidenten und als politische Vordenkerin konservativer Strategien. © MANDEL NGAN/AFP
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala, ist Donald Trump als Handelsminister ins Weiße Haus gefolgt. Der Milliardär war stellvertretender Vorsitzender im Übergangsteam Trumps und regelmäßiger Gast in dessen Luxus-Resort Mar-a-Lago. Laut der New York Times war Lutnick lange Zeit als Mitglied der Demokraten registriert, lief nach der Machtübernahme Trumps im Jahr 2016 zu den Republikanern über. © IMAGO
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ist unter Donald Trump Arbeitsministerin geworden. Die Personalie war innerhalb der Republikanischen Partei umstritten. Chavez-DeRemer unterhält enge Beziehungen zu mehreren Gewerkschaften in den USA und unterstützte während ihrer Amtszeit mehrere Gesetzentwürfe der Demokraten, darunter auch eine Amnestie für illegal Eingewanderte, die auf dem Arbeitsmarkt integriert sind. © IMAGO/Michael Brochstein
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Impf-Leugner und Verschwörungstheoretiker hervorgetan. Bei der US-Wahl 2024 trat RFK zunächst als unabhängiger Kandidat an, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück und unterstützte die Kampagne Donald Trumps. Der versprach dem 70 Jahre alten Kennedy dafür eine herausragende Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik – und nominierte ihn schließlich als US-Gesundheitsminister. © IMAGO/Robin Rayne
Scott Turner, ehemaliger NFL-Profi, soll unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung werden.
Scott Turner ist unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geworden. Der ehemalige Profi der American Football League gehörte bereits der ersten Administration Trumps an. Scott ist die erste Schwarze Person im Team des künftigen Präsidenten. Zu Scotts Aufgaben werden unter anderem Programme zur Förderung von erschwinglichem Wohnraum gehören, außerdem zur Unterstützung von Amerikanern mit geringem Einkommen, zur Verhinderung von Diskriminierung auf dem Markt und zur Förderung der Stadtentwicklung. © ANNA MONEYMAKER/AFP
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy, ist der neue Verkehrsminister in der Trump-Regierung. Duffy bringt politische Erfahrung als ehemaliger Kongressabgeordneter mit. Seine Nominierung durch Trump dürfte er aber vor allem seiner Präsenz bei Fox News verdanken. Neben zahlreichen Gastauftritten moderierte Duffy gut ein Jahr seine eigene Show namens „The Bottom Line“ auf dem Spartensender Fox Business Network. © IMAGO/Robert Deutsch
Chris Wright
Neuer Energieminister ist Chris Wright. Er soll Trump dabei helfen, Regulierungen abzubauen und so die Ausbeutung der Rohstoffe in den USA voranzutreiben. Trump hat es eigenen Aussagen zufolge vor allem auf Ölfelder in Alaska abgesehen. Burgums Aufgabe ist, als Energierminister Öl-Förderungen in dortigen Naturschutzgebieten zu ermöglichen. © Ting Shen/AFP
Linda McMahon. Die 76 Jahre alte Managerin ist die Ehefrau von Vince McMahon
Eine weitere Fernsehpersönlichkeit, die Donald Trump mit nach Washington DC gebracht hat, ist Linda McMahon. Die neue Bildungsministerin ist die Ehefrau von Vince McMahon. Gemeinsam mit ihrem Mann führte McMahon die Wrestling-Show WWE zu internationalem Erfolg. Das Vermögen des Ehepaars wird laut Forbes auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Die McMahons gelten als spendenfreudige Unterstützer der Republikaner im Allgemeinen und Donald Trump im Speziellen. Was genau ihre Aufgaben sind, ist nicht ganz klar. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder angekündigt, das Bildungsministerium abschaffen zu wollen. © imago stock&people
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins hat unter Donald Trump den Posten des Ministers für Kriegsveteranen übernommen – ein wichtiger Posten in den USA, wo die Rolle der Umgang mit den eigenen Veteranen ein konstanter Streitpunkt ist. Collins gilt als loyaler Unterstützer Trumps und verteidigte auch dessen Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug in Georgia bei der US-Wahl 2020.  © IMAGO/Robin Rayne
Kristi Noem vor der US-Wahl
Kristi Noem berichtete vor der US-Wahl in einer Autobiografie davon, wie sie ihren Hund wegen Ungehorsams erschossen hatte. Damit löste die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota eine Welle der Empörung aus – und hinderte Donald Trump wohl daran, sie zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Dafür war die Republikanerin rund ein Jahr lang als Ministerin für innere Sicherheit Teil des Trump-Kabinetts tätig. Im März 2026 musste sie aber ihren Hut nehmen.  © Samantha Laurey/Imago
Senator des Bundesstaates Oklahoma Mullin
Trump bestimmte zugleich den Nachfolger von Noem: Markwayne Mullin führt mit Wirkung zum 31. März 2026 das für Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständige Ressort. Der Senator des Bundesstaates Oklahoma und sechsfache Vater aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und loyal zu Trump. Mullin wuchs auf einer Ranch auf, übernahm als junger Mann das Familienunternehmen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und baute es zu einer großen Firma aus. Bevor er in die Politik ging, kämpfte er außerdem als Mixed-Martial-Arts-Sportler und blieb laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen. Nun verfügt Trumps Kabinett über einen neuen Kämpfer.  © J. Scott Applewhite/dpa
Der 44 Jahre alte Lee Zeldin
Lee Zeldin ist neuer Direktor der Umweltschutzbehörde. Trump selbst glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Zeldins Aufgabe soll also weniger der Schutz der Umwelt sein. Stattdessen soll der Ex-Abgeordnete laut Trump „für faire und rasche Deregulierung sorgen“. Zeldin bedankte sich für den Posten bei seinem neuen Chef via X und kündigte an, „amerikanische Arbeitsplätze zurückzubringen“. © IMAGO/Matt Bishop/imageSPACE
Russel Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“.
Russell Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“. Erfahrungen hat er bereits als Regierungsbeamter in der ersten Administration von Donald Trump sammeln können. Vought war einer der Autoren des „Project 2025“ und gilt als Hardliner in Sachen Grenz- und Einwanderungspolitik. In der neuen Administration von Donald Trump hat er die Leitung des Büros für Management und Haushalt übernommen. © Michael Brochstein/imago
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten und vertrat den Bundesstaat Hawaii von 2013 bis 2022 im Repräsentantenhaus. 2020 kandidierte sie bei den Vorwahlen der Demokrate. 2022 brach sie mit ihrer Partei und erklärte sich für unabhängig. In den Folgejahren näherte sie sich immer mehr den Republikanern an, bis sie sich vor der US-Wahl 2024 öffentlich für Donald Trump aussprach. Der dankte es der 43 Jahre alte Politikerin jetzt mit einem Amt in seinem Kabinett. Gabbard ist neue Direktorin der Geheimdienste. „Seit über zwei Jahrzehnten kämpft Tulsi Gabbard für unser Land und die Freiheiten aller Amerikaner“, sagte Donald Trump in einem Statement. © Marco Garcia/dpa
John ratcliffe
John Ratcliffe führt seit Ende Januar den Auslandsgeheimdienst der USA. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas gilt als enger Vertrauter von Trump. Ratcliffe war zuvor Co-Vorsitzender einer konservativen Denkfabrik. In der ersten Amtszeit des Republikaners war der neue CIA-Direktor als Geheimdienstkoordinator tätig. Die Demokraten warfen Ratcliffe damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. © Jemal Countess/AFP
Jamieson Greer
Jamieson Greer ist der neue US-Handelsbeauftragte – eine Schlüsselrolle angesichts von Trumps Vorliebe, hohe Zölle auf ausländische Produkte zu verhängen. Historisch habe der US-Handelsbeauftragte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden, schreibt die „New York Times“. Unter Trump habe die Rolle aber erheblich an Bedeutung gewonnen.  © Imago
Kelly loeffler
Neue Direktorin der Mittelstandsbehörde ist Kelly Loeffler. Die frühere Senatorin verlor im Januar 2021 die Stichwahl um den Sitz im US-Senat – trotz massiver Unterstützung von Donald Trump. Loeffler ist seit 2004 mit Jeffrey Sprecher, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange, verheiratet. © Imago
Susie Wiles, Spitzname „Ice Lady“, wird unter Donald Trump Stabschefin im Weißen Haus
Ebenfalls dabei ist Susie Wiles. Die sogenannte „Ice Lady“ ist Donald Trumps Stabschefin im Weißen Haus und damit die erste Frau auf dieser Position. Die 67 Jahre alte Politikberaterin leitete den Wahlkampf Trumps bei der US-Wahl 2024. In ihrer neuen Funktion wird sie vor allem dafür zuständig sein, zu regeln, wer Zugang zum künftigen Präsidenten erhält. Doch Wiles hat auf einem wahren Schleudersitz Platz genommen. In seinen ersten vier Jahren Regierungszeit benötigte Trump ganze vier Stabschefs. © Alex Brandon/dpa
Elise Stefanik wird die Vereinigten Staaten von Amerika unter der zweiten Regierung von Donald Trump als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten
Elise Stefanik sollte die USA eigentlich als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten. Doch Donald Trump hat seine Nominierung Ende März überraschend zurückgezogen. Zur Begründung erklärte er, er wolle nicht riskieren, dass Stefaniks Mandat im Kongress bei einer Nachwahl an die Demokraten falle. Stefanik ist eine loyale Verbündete Trumps. 2014 war sie mit damals 30 Jahren die jüngste Frau, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Einst zählte sie zu den eher moderateren Mitgliedern der Partei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.  © Annabelle Gordon/Imago

Diese Garantien kommen nicht von Trump, dessen Regierung bereits versucht hat, eine Annäherung mit dem Kreml einzuleiten, und letzte Woche gegen eine UN-Resolution gestimmt hat, die die russische Aggression in der Ukraine anprangerte. „Auf dem Schlachtfeld ist die Zeit nicht auf Ihrer Seite“, sagte der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Michael Waltz, und berichtete Reportern, was er Selenskyj nach dem Eklat im Oval Office gesagt hatte. „Die Zeit ist nicht auf Ihrer Seite, was die Weltlage angeht, und vor allem ist die Toleranz der USA und der Steuerzahler nicht unbegrenzt.“

Meine Kollegen stellten fest, dass das Argument „den sich vertiefenden Graben zwischen Europa und der Trump-Regierung und der Republikanischen Partei offenbart und die US-Hilfe für die Ukraine, das Ende des Krieges in Europa und die Aussicht auf eine erneute Beziehung zwischen Trump und Selenskyj gefährdet“.

Beginn des Ukraine-Kriegs: Ein entscheidender Moment für den geopolitischen „Westen“

Und es geht noch tiefer. Unter der vorherigen Biden-Regierung war der Krieg in der Ukraine ein entscheidender Moment für das, was als geopolitischer „Westen“ bezeichnet werden kann – die Nationen und Institutionen, die das transatlantische Bündnis seit Jahrzehnten prägen. Die Vereinigten Staaten erhöhten die Hilfe für die Verteidigung der Ukraine, halfen aber auch bei der Koordinierung der europäischen Reaktion.

Die Nato stärkte ihre Fähigkeiten und erweiterte ihre Mitgliedschaft. Die Europäische Union nahm Millionen ukrainischer Flüchtlinge auf und stellte enorme Summen an Finanzhilfen für Kiew bereit, während westliche Staats- und Regierungschefs sich für ihre gemeinsamen Werte bei der Verteidigung der Souveränität und der umkämpften Demokratie der Ukraine einsetzten.

Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky treffen sich am Freitag, dem 28. Februar, im Oval Office.

Ukraine-Unterstützung ohne Trump? „Die freie Welt braucht eine neue Führung“

Diese Unterstützung wird möglicherweise fortgesetzt, aber möglicherweise ohne Trump, der den traditionellen Partnerschaften der Vereinigten Staaten nie viel Bedeutung beigemessen hat. Er sieht in der Europäischen Union eine Bedrohung für die amerikanischen Interessen und in der Nato einen Club von kriminellen Juniorpartnern. „Heute wurde klar, dass die freie Welt eine neue Führung braucht“, sagte Kaja Kallas, die Spitzendiplomatin der Europäischen Union und ehemalige estnische Ministerpräsidentin, am Freitag. „Es liegt an uns Europäern, diese Herausforderung anzunehmen.“

„Jetzt ist der Moment, ruhig zu bleiben, aber nicht weiterzumachen“, schrieb Camille Grand, eine angesehene Politikwissenschaftlerin beim European Council on Foreign Relations und ehemalige Spitzenbeamtin der Nato, in den sozialen Medien. „Der Verbündete der USA hat nun offiziell beschlossen, eine Haltung einzunehmen, die nicht mit unseren traditionell gemeinsamen Interessen und Werten übereinstimmt. Dies mag vorübergehend oder dauerhaft sein, aber es wird tiefgreifende und dauerhafte Folgen haben.“

Moskau feiert Trumps Abkehr von westlichen Partnern: „Stimmt weitgehend mit unserer Vision überein“

In Moskau wird dieser offensichtliche Bruch begrüßt. In einem Gespräch mit Reportern am Wochenende wies Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf die „sich rasch verändernden [US-] außenpolitischen Konfigurationen“ unter Trump hin, der zwar Russland einen Olivenzweig entgegenstreckte, sich aber auch daran machte, die Nachbarn der USA zu schikanieren und einen neuen Handelskrieg mit Europa vorzubereiten. Peskow fügte hinzu, dass diese dramatische Wende „weitgehend mit unserer Vision übereinstimmt“.

The Washington Post vier Wochen gratis lesen

Ihr Qualitäts-Ticket der washingtonpost.com: Holen Sie sich exklusive Recherchen und 200+ Geschichten vier Wochen gratis.

Treffen zwischen Trump und Selenskyj eskaliert: Folgen des Eklats im Weißen Haus

Für die Ukraine sind das düstere Nachrichten. Selenskyj könnte Schwierigkeiten haben, sich in den Augen von Trump zu rehabilitieren: Der US-Präsident hatte erwartet, dass der ukrainische Staatschef in einem groß angelegten diplomatischen Geschäft, das über seinen Kopf hinweg arrangiert wurde, die Rolle des Bittstellers übernimmt. Während europäische Staats- und Regierungschefs zur Ruhe aufriefen, spekulierten Analysten, dass ein verärgerter Trump die Militärtransfers in die Ukraine aussetzen könnte. Ein Mangel an Munition für kritische, in den USA hergestellte Luftverteidigungssysteme, neben anderen Rüstungsgütern, wäre für ein Land, das ständigen russischen Bombardierungen und Luftangriffen ausgesetzt ist, katastrophal.

Europäische Länder, darunter Großmächte wie Großbritannien und Deutschland, versuchen, die Verteidigungsausgaben schnell zu erhöhen, um der Ukraine zu helfen. Am Sonntag, als er Selenskyj und andere Staats- und Regierungschefs des Kontinents empfing, forderte der britische Premierminister Keir Starmer „andere europäische Regierungen auf, ihre Streitkräfte zu vergrößern und sich einer ‚Koalition der Willigen‘ anzuschließen, um die Lücke in der Ukraine zu schließen“, berichteten meine Kollegen.

Aber es könnte noch viel mehr zu tun geben, wenn die Trump-Regierung ihre längerfristigen Pläne zur Reduzierung der US-Streitkräfte in Europa als Teil einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung auf den Indopazifik in die Tat umsetzt. „Ich mache mir einfach Sorgen, dass Europa angesichts der, offen gesagt, launischen Art von Präsident Trump, wirklich darauf vertrauen kann, dass es in irgendeiner Weise von den USA geschützt und verteidigt wird“, so Nigel Gould-Davies, ein ehemaliger britischer Diplomat und Senior Fellow am International Institute for Strategic Studies, gegenüber meinen Kollegen,

Trumps rücksichtsloser Umgang mit Diplomatie: Reichlich Möglichkeiten für Staaten wie China

Trump und Vance mögen es genießen, Europa zu schockieren, aber ihre Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks müssen sich mit dem Zusammenbruch eines vereinten Westens abfinden. „Trumps Rhetorik verschmilzt mit der [des russischen Präsidenten Wladimir] Putin“, schrieb der Kolumnist von Le Monde, Alain Frachon. „In weniger als zwei Wochen haben sich die Zugeständnisse an Moskau gehäuft. Selbst wenn sie bereits seit der Regierung von Joe Biden in der Pipeline waren: Keine Ukraine in der Nordatlantikvertrags-Organisation; keine Nato-Truppen zur Überwachung eines möglichen Waffenstillstands; notwendige territoriale Zugeständnisse von Kiew.“

Trumps rücksichtsloser Umgang mit Diplomatie bietet anderen reichlich Möglichkeiten. „China ist sicherlich froh zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln“, sagte Wen-Ti Sung, Dozent am College of Asia and the Pacific der Australian National University, gegenüber der Tageszeitung Australian Financial Review. „Trumps Feuerkraft, mit der er diplomatisch gegen Freunde und Feinde gleichermaßen vorgeht, führt dazu, dass Chinas eigene Wolfskrieger-Diplomatie immer menschlicher wird.“

Trump schlägt ein neues Kapitel auf: „Für China muss es derzeit eine der besten Zeiten sein“

Die Ironie, so stellten einige Analysten fest, besteht darin, dass das westliche Bündnissystem jahrzehntelang ein wichtiges Bollwerk für die Fähigkeit der Vereinigten Staaten war, globale Macht zu projizieren. Trump schlägt mit seinem Streben nach einer engeren Vision amerikanischer Interessen und seiner scheinbaren Ausrichtung auf starke Männer anderswo ein neues Kapitel auf.

„Nur einen Monat nach Trumps Vereidigung als Präsident bewegt sich Amerika auf eine strategische Autonomie zu … von sich selbst“, witzelte Kabir Taneja, ein indischer Analyst für Außenpolitik, letzte Woche in den sozialen Medien. „Für China muss es derzeit eine der besten Zeiten sein“, fügte er hinzu.

Zum Autor

Ishaan Tharoor ist Kolumnist für Außenpolitik bei der Washington Post, wo er den Newsletter und die Kolumne „Today‘s WorldView“ verfasst. Im Jahr 2021 wurde er von der American Academy of Diplomacy mit dem Arthur Ross Media Award in der Kategorie „Kommentar“ ausgezeichnet. Zuvor war er leitender Redakteur und Korrespondent beim Time Magazine, zunächst in Hongkong und später in New York.

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 2. März 2025 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Jabin Botsford/The Washington Post

Kommentare