Trumps große Knesset-Rede: „Historische Morgenröte eines neuen Nahen Ostens“
VonChristoph Gschoßmann
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Nach der Geiselfreilassung verkündet Trump in Jerusalem das Ende den Anbruch eines neuen Zeitalters und streckt dem Iran die Hand aus.
Jerusalem – Trump triumphiert: Mit stehenden Ovationen und „Trump The Peace President“-Käppis empfingen die israelischen Parlamentarier den US-Präsidenten. Nach der Freilassung der letzten 20 lebenden Geiseln durch die Hamas hielt Donald Trump am Montag eine emotionale 65-minütige Rede vor der Knesset – und verkündete das Ende einer Ära. Aber zuerst komplimentierte er, ganz Immobilienmagnat, das Parlamentsgebäude mit „Netter Laden!“ und erntete sofort die ersten Lacher. Ovationen gab es auch dafür, dass Trump zu Beginn der Rede „dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ dankte.
„Das ist die historische Morgenröte eines neuen Nahen Ostens“, rief Trump den Abgeordneten zu. „Israel hat mit unserer Hilfe alles gewonnen, was mit Waffengewalt gewonnen werden kann. Ihr habt gewonnen“, erklärte der US-Präsident. Seine zentrale Botschaft: „Es ist höchste Zeit, dass ihr die Früchte eurer Arbeit genießen könnt.“ Das Gaza-Abkommen markiere nicht nur das Kriegsende, sondern es sei auch „das Ende einer Ära des Terrors und des Todes“. Trump beschwor eine neue Zeit: „Es ist der Beginn einer großen Eintracht und dauerhaften Harmonie für Israel und alle Nationen dessen, was bald eine wirklich großartige Region sein wird.“
Trump: Kritik an Biden und Obama und Lob für Netanjahu
Scharf ging Trump mit seinen Amtsvorgängern ins Gericht. Joe Biden bezeichnete er als „schlechtesten Präsidenten in der Geschichte unseres Landes, und zwar bei weitem“, Barack Obama sei „nicht weit dahinter“ gewesen. Ganz anders sein Ton gegenüber Benjamin Netanjahu: „Er ist nicht der einfachste Typ im Umgang. Aber das macht ihn großartig.“
Dem israelischen Premier habe er geraten: „Bibi, du wirst für das hier viel mehr in Erinnerung bleiben, als wenn du das Ganze weiter und weiter gemacht hättest, töten, töten, töten.“ ABC News berichtete, Trump habe Netanjahu erklärt, das Timing des Friedensabkommens sei „brillant“.
Spontan forderte der in Israel gefeierte Trump Präsident Isaac Herzog auf, Netanjahu zu begnadigen. „Das stand nicht in der Rede, wie ihr wahrscheinlich wisst, aber ich mag diesen Herrn hier drüben sehr, und es ergibt einfach so viel Sinn“, sagte er. Die Korruptionsvorwürfe gegen den Premier kommentierte er lapidar: „Zigarren und Champagner, wen interessiert das schon?“ Benjamin Netanjahu steht seit 2019 in drei separaten Korruptionsverfahren vor Gericht und ist der erste amtierende israelische Regierungschef, der sich strafrechtlich verantworten muss. Er soll etwa Zigarren und Champagner für politische Gefälligkeiten angenommen haben. Kritiker werfen Netanjahu vor, den Krieg verlängert zu haben, um im Amt zu bleiben.
Überraschend streckte Trump auch dem Iran die Hand aus. „Sogar dem Iran, dessen Regime so viel Tod über den Nahen Osten gebracht hat, ist die Hand der Freundschaft und Zusammenarbeit ausgestreckt“, sagte er. Seine Botschaft an Teheran: „Wir sind bereit, wenn ihr es seid.“
Tumult während der Rede: Zwei Abgeordnete abgeführt
Während der Rede wurden zwei Abgeordnete wegen eines „Recognize Palestine“-Schildes aus dem Saal geführt wurden. Trump reagierte gelassen: „Das war sehr effizient.“ Emotional wurde der US-Präsident zum Schluss: „Wir werden Hoffnung, Harmonie, Möglichkeiten und Glück hier im spirituellen und geografischen Zentrum der ganzen Welt haben. Ich liebe Israel. Ich stehe voll und ganz zu euch.“
Während Trump zum Friedensgipfel nach Ägypten weiterflog, blieb Netanjahu in Israel. Offiziell wegen des jüdischen Feiertags - doch Medien spekulierten über Unstimmigkeiten zwischen den beiden Politikern. Das Gaza-Abkommen sieht neben der Geiselfreilassung auch die Übergabe von 28 Leichen vor. Im Gegenzug lässt Israel knapp 2.000 palästinensische Häftlinge frei. (ABC News, AFP)