Hoffnung auf Elitekonflikt

Experte ist sicher: „Putin und Putins Regime werden diesen Krieg nicht überleben“

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Dem russischen Oppositionellen Leonid Wolkow zufolge wird Putins Regime den Ukraine-Krieg nicht überleben. (kreiszeitung.de-Montage)
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Wann ist der Ukraine-Krieg endlich vorbei? Ein Experte stellt eine pessimistische Vermutung auf – glaubt aber gleichzeitig an einen Sieg der Ukraine.

Moskau – Der seit Februar 2022 wütende Krieg in der Ukraine ist eine humanitäre Katastrophe, die auch enorme globale Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft hat. Deswegen spekulieren Experten bereits seit Monaten über ein potenzielles Ende des Kriegs – wie dieses aussehen könnte und vor allem wann es endlich eintrifft. Der Oppositionelle Leonid Wolkow pflegt dazu eine pessimistische Meinung: Er geht davon aus, dass Wladimir Putins Krieg gegen die Ukraine noch lange andauern wird – sieht gleichzeitig aber auch „nahezu keine Möglichkeiten für Putin und für Putins Regime, diesen Krieg zu überleben“.

Vertrauter von Alexej Nawalny äußert sich zum Ukraine-Krieg – und stellt Vermutung zum Ende auf

Leonid Michailowitsch Wolkow gilt als Freund, enger Vertrauter und Berater von dem inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny. Derzeit betreibt der IT-Spezialist und Politiker laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) die digitale Vernetzung von Regimegegnern in Russland aus Litauen heraus und verbreitet von dort aus auch Informationen aus seinem Heimatland auf Russisch.

Für Nawalny leitet der Oppositionelle die sogenannte „Anti-Korruptions-Stiftung“ (ACF), auf deren Website geschrieben steht: „Wir haben Putin seit 2011 bekämpft. Wir werden ihn bekämpfen, bis wir gewinnen.“ In einem Interview mit dem Deutschlandfunk äußerte sich Wolkow auch zu dem russischen Angriff auf die Ukraine und gab im Zuge dessen seine persönliche Einschätzung zum Ende des Krieges ab.

Wann ist der Ukraine-Krieg vorbei? Wolkow zufolge erst in zwei bis drei Jahren

Demnach hält der Kreml-Kritiker einen russischen Sieg über die Ukraine für unmöglich – genauso wie einen Waffenstillstand. Denn ein Waffenstillstand sei ihm zufolge für die Ukraine „nicht akzeptabel“, „und auch hoffentlich nicht akzeptabel für den Westen“, so Wolkow laut dem Deutschlandfunk. Dabei drohte Putin erst im Juli damit, in der Ukraine noch gar nicht ernsthaft angefangen zu haben.

Weil wenn es zu einem Waffenstillstand kommt, dann bedeutet das nur, dass Putin diesen als eine Pause betrachten wird, und die nächste Situation wird dann tödlicher sein als diese.

Oppositioneller Leonid Wolkow im Interview mit dem Deutschlandfunk

„Russlands Sieg über die Ukraine, würde ich sagen, ist [...] unmöglich“, behauptet der Oppositionelle dennoch und fügt erklärend hinzu: „Eine totale Mobilisation gibt es jetzt in Russland nicht. Die Ukraine ist viel stärker geworden und es ist Putin nicht gelungen, in drei oder vier Tagen Kiew zu erobern, und ich glaube, es kann jetzt kaum geschehen.“ Demzufolge bleibe nur noch eine Möglichkeit – und zwar, dass die Ukraine den Krieg gewinnt. „Aber das braucht so viel Zeit“, prognostiziert Wolkow, „Meine Vorhersage ist leider ziemlich pessimistisch im Sinne, dass wir verstehen sollen, dieser Krieg bleibt mit uns für zwei, drei Jahre zumindest.“

Ukraine-News: Wie lange soll der Krieg noch andauern – und was könnte ihn beenden?

Der Regierung in Kiew würde das zu lange dauern. Die Kämpfe müssten dringend noch vor der Heizperiode beendet werden, sagte der Chef des Präsidialamtes, Andrij Jermak, laut der Tagesschau schon Mitte August. Ansonsten bestehe das Risiko, dass Russland die Infrastruktur für Wärme und Energie zerstöre. „Das ist einer der Gründe, warum wir maximale Maßnahmen ergreifen wollen, um den aktiven Teil des Kriegs bis Ende Herbst zu beenden“, so Jermak.

Für Leonid Wolkow ist das ein eher unrealistisches Szenario. Was der politische Direktor der Anti-Korruptions-Stiftung jedoch für möglich hält, ist ein Elitenkonflikt in Russland und eine Palastrevolution derer, die Wladimir Putin nahestehen. Die Wahrscheinlichkeit eines Volksaufstands bewerte er aufgrund der Repressionen als sehr gering, eine Palastrevolution hingegen halte er derzeit für das möglichste Szenario.

Während Putin nämlich die Emotionen der breiten Masse der Russen wohl kontrolliert und damit in Schach hält, sei die Unterstützung Putins in seiner Elite laut Wolkow jetzt schon sehr niedrig, da der russische Präsident den „Lifestyle seiner Angehörigen ruiniert“ habe. „Worauf ich eigentlich hoffe, damit dieser Krieg nicht dreieinhalb Jahre dauert, ist ein echter Elitenkonflikt in Russland“, folgert Wolkow im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Aus von Putin und seinem Regime? Nawalny-Berater sieht das Ende des russischen Präsidenten kommen

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In einem Aspekt scheint sich der Nawalny-Berater darüber hinaus sicher zu sein: „Ich sehe nahezu keine Möglichkeiten für Putin und für Putins Regime, diesen Krieg zu überleben“, äußert er. Das sei kaum vorstellbar. „Russland wird sich unheimlich verändern und jetzt sind die Sachen so schlecht, dass jede Veränderung zum Besseren wird“, schließt der Kreml-Kritiker.

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