Putins Rede in St. Petersburg: Wirtschaftsforum im Schatten vom Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikt
VonLisa Mahnke
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Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg steht Putins Rede im Fokus. Doch die wirtschaftlichen Probleme Russlands werfen Schatten auf das Event.
St. Petersburg – Russlands Präsident Wladimir Putin wird an diesem Freitag (20. Juni), beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg seine Perspektive auf die globale politische und wirtschaftliche Lage präsentieren. Diese jährlich in seiner Heimatstadt stattfindende Ansprache sowie die darauffolgende Podiumsdiskussion mit internationalen Gästen gelten traditionell als Höhepunkt des Forums. Neben dem Ukraine-Krieg und dem Nahost-Konflikt wird ein weiteres Thema im Mittelpunkt stehen.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Putin präsentiert sich auf internationaler Bühne – Russland-Minister schlägt vor Rede in St. Petersburg Alarm
Das Forum dient der russischen Führung dazu, trotz westlicher Sanktionen und politischer Isolation ihre internationale Anschlussfähigkeit zu demonstrieren. Laut Veranstalterangaben sind 20 000 Gäste aus 140 Ländern angereist, darunter auch Unternehmer und Redner aus westlichen Staaten. In diesem Jahr stehen besonders der Konflikt zwischen Israel und dem Iran sowie der von Russland geführte Krieg gegen die Ukraine im Fokus.
Vor Putins Rede in St. Petersburg, hat der russische Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow Alarm geschlagen. Er äußerte beim Wirtschaftsforum in ungewöhnlich klaren Worten: „Den Zahlen nach haben wir eine Abkühlung, den aktuellen Empfindungen der Unternehmer nach sind wir schon an der Grenze zum Übergang in eine Rezession“. Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabuillina ergänzte, dass viele der Kapitalreserven „tatsächlich aufgebraucht“ seien. Sie betonte: „Wir müssen über ein neues Wachstumsmodell nachdenken“.
Wirtschaftsforum in St. Petersburg im Schatten von stockenden Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg
Während Putin sich international präsentiert, eskaliert die Gewalt in der Ukraine weiter. In der Nacht vor dem Forum griff die russische Armee erneut Ziele im Nachbarland an. Aus der ostukrainischen Stadt Charkiw wurden Explosionen und Brände gemeldet, und über dem Gebiet Sumy seien Gleitbomben abgeworfen worden. Die ukrainische Luftwaffe ortete erneut Schwärme russischer Kampfdrohnen.
Putin hatte sich zuletzt grundsätzlich zu Gesprächen mit Selenskyj bereit erklärt, stellt jedoch dessen Recht auf das Präsidentenamt infrage. Dies wird mit dem Auslaufen von Selenskyjs Amtszeit im Jahr 2024 begründet. In der Ukraine dürfen unter Kriegsrecht jedoch keine Wahlen stattfinden – eine Regelung, die auch in der deutschen Verfassung für den Verteidigungsfall vorgesehen ist. Putin selbst hat seine Macht über zwei Jahrzehnte hinweg durch Verfassungsänderungen, die Ausschaltung von Konkurrenten und zunehmend eingeschränkte Wahlen gefestigt.
Putins öffentliche Infragestellung der Legitimität von Präsident Wolodymyr Selenskyj beim Forum blieb in Kiew nicht unbeantwortet. In einer Videobotschaft konterte der ukrainische Staatschef: „Ich bin bereit, mich in jedem Format mit denjenigen zu treffen, die (…) entsprechende Autorität haben, einschließlich Putin, auch wenn er sein verfassungsmäßiges Mandat um mindestens drei Amtszeiten überschritten hat.“
Hochrangige Redner bei Wirtschaftsforum in St. Petersburg – Putin wird sich Fragen stellen
Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass werden weitere hochrangige Redner auf der Plenarsitzung erwartet. Dazu gehören der indonesische Präsident Prabowo Subianto, der bahrainische nationale Sicherheitsberater Nasser bin Hamad Al Khalifa, der chinesische Vizepremier Ding Xuexiang und der stellvertretende Präsident der Republik Südafrika Paul Mashatile. Diese werden gemeinsam mit Putin auf der Bühne stehen und im Anschluss an ihre Reden Fragen beantworten. (lismah/dpa)