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Russland hat mehr als die Hälfte seiner Panzer im Ukraine-Krieg verloren. Medwedew kündigt einen Ausgleich für die Verluste an. Rollen bald Tausende vom Band?
Moskau - Die jüngst von den westlichen Ländern zugesagten Panzerlieferungen an die Ukraine scheinen Russland nicht kalt zu lassen - ebenso wenig wie der Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den europäischen Hauptstädten Paris, London und Brüssel in den vergangenen Tagen. Denn Dmitri Medwedew, ehemaliger russischer Präsident und aktueller Vize-Chef des russischen Sicherheitsrats, nahm jetzt in einem Video direkten Bezug auf diese Ereignisse und kündigte als Antwort die „Produktion und Modernisierung Tausender Panzer“ an.
Medwedew will „tausende Panzer“ für den Russland-Ukraine-Krieg
„Wie Sie wissen, hat unser Gegner gestern im Ausland um Flugzeuge, Raketen und Panzer gebettelt“, sagte Dmitri Medwedew gestern vor den Beschäftigten eines Maschinenbau-Unternehmens in der sibirischen Stadt Omsk. Die Produktionsstätte ist auf Waffenbau spezialisiert. Medwedew hatte ein Video seines Besuches in Omsk selbst verbreitet. „Wie sollen wir antworten?“, fragt er darin. Für den Vize-Chef des russischen Sicherheitsrats ist das eindeutig: „Es ist klar, dass es für uns in diesem Fall selbstverständlich ist, die Produktion verschiedener Waffenarten und Militärtechnik - einschließlich moderner Panzer - zu steigern“, sagte er. „Die Rede ist von der Produktion und Modernisierung Tausender Panzer“, fuhr er fort.
Medwedew gilt als absoluter Befürworter des Angriffskriegs gegen die Ukraine und ist ein enger Vertrauter von Wladimir Putin. Ein im vergangenen Sommer erlassenes Gesetz ermöglicht Russland laut Experten quasi eine Kriegswirtschaft. Das heißt, der russische Staat kann seit dem Unternehmen verpflichten, Ausrüstung zu produzieren, die Russland für den Ukraine-Krieg benötigt. Und während Russland zwar stets betont, der Ukraine und seinen Partnern militärisch weit überlegen zu sein, schätzen internationale Experten die Lage ganz anders ein: Russland habe im Ukraine-Krieg bereits sehr viele Panzer verloren.
Hohe Verluste im Ukraine-Krieg: Russland hat über die Hälfte seiner Panzer verloren
Oryx, eine Open-Source-Gruppe, die visuelle Beweise (Fotos) zerstörten Kriegsmaterials auswertet, führt genaue russische Verlustzahlen auf. Gegenüber dem US-Fernsehsender CNN haben sie die von ihnen ermittelten Zahlen zu russischen Panzerverlusten jetzt genauer erklärt. Demnach habe Russland bereits mehr als die Hälfte seiner Panzer verloren: 1.000 russische Panzerverluste seien eindeutig bestätigt, weitere 544 russische Panzer seien von ukrainischen Streitkräften erbeutet, 79 beschädigt und 65 aufgegeben worden, so Oryx.
„Russland hat den Krieg mit rund 3.000 einsatzbereiten Panzern begonnen … also besteht eine gute Chance, dass Russland die Hälfte (seiner) brauchbaren Panzer verloren hat“, sagte Jakub Janovsky, ein Militäranalyst von Oryx, jetzt gegenüber CNN. Viele russische Panzer seien außerdem in einem schlechten Wartungszustand: „Auf dem Papier hat Russland immer noch viele Panzer, aber viele wurden nicht richtig gelagert und sind möglicherweise schwer schnell zu reaktivieren“, sagte Janovsky. Nach CNN Angaben hätten Experten bei den russischen Panzern zudem allgemein gravierende Schwachstellen festgestellt. Sie würden einen Konstruktionsfehler haben, wodurch ein einzelner gezielter Treffer sie zur Explosion bringen könne
Und die Produktion neuer Panzer werde für Russland schwierig sein: „Aufgrund von Sanktionen müssen sie möglicherweise Sensoren und Elektronik durch minderwertige Alternativen ersetzen – und die Menge, die sie kurzfristig produzieren können, ist ein Bruchteil dessen, was sie verlieren. Diese materiellen Verluste … sind nicht nachhaltig“, beurteilte Janovsky bereits im September die russische Lage.
Selenskyj wirbt bei EU um mehr Waffen für Ukraine-Krieg: Großbritannien will Kampfpiloten ausbilden
Der ukrainische Präsident Selenskyj hat unterdessen weitere Waffenlieferungen von den EU-Staaten gefordert, einschließlich Kampfjets. Bei seinem gestrigen Besuch in Brüssel, wo er eine viel beachtete Rede vor dem Europäischen Parlament hielt, sagte er: „Ich habe kein Recht, ohne Ergebnisse nach Hause zu kommen. Damit wir die russischen Waffen überleben, brauchen wir diese Waffen.“ Zusätzliche konkrete Zusagen in Bezug auf Waffenlieferungen waren von den EU-Mitgliedstaaten nicht gemacht worden. Am Mittwoch war er bereits zu Gesprächen in London und Paris gewesen. Und Großbritannien hatte angekündigt, ukrainische Soldaten an Kampfflugzeugen ausbilden zu wollen.
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