Ukraine-Krieg aktuell: Selenskyj kritisiert Klitschko – „Kiew hat deutlich weniger getan“
Alle Autoren
schließen
Nail Akkoyun
Felix Busjaeger
Jens Kiffmeier
Franziska Schwarz
Aktuelle Lage im Ukraine-Krieg: Russland nimmt die Zivilbevölkerung ins Visier und attackiert Energieanlagen. Kiew verlängert das Kriegsrecht. Der News-Ticker.
Update, 15. Januar, 5:48 Uhr: In der Ukraine lebt aktuell eine alte politische Fehde wieder auf: Mit Kiew leidet die größte Stadt der Ukraine unter den Folgen eines russischen Luftangriffs. Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert jetzt das bisherige Krisenmanagement der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Vitali Klitschko.
Die Regierung habe die Lage in Kiew, Odessa, Dnipro, Krywyj Rih und Charkiw besprochen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. „Wir sehen, dass viel gemacht worden ist – insbesondere in Charkiw, wo sich die lokalen Behörden vorbereitet haben“, sagte er. „Kiew hat leider deutlich weniger getan. In der Hauptstadt wurde sehr wenig unternommen.“ Auch jetzt gingen die Reparaturarbeiten dort nicht intensiv genug voran, kritisierte er.
Selenskyj und Klitschko waren bei der Präsidentenwahl 2019 Konkurrenten. Trotz des Burgfriedens, der wegen des Krieges innenpolitisch in der Ukraine herrscht, gibt es immer wieder Sticheleien zwischen den beiden.
Transparenzhinweis
Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Update, 18:07 Uhr: In der Ukraine ist mit Mychajlo Fedorow nun der vierte Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn im Amt. Für die Ernennung des ehemaligen Digitalisierungsministers stimmte eine deutliche Mehrheit von 277 Abgeordneten. Die Kandidatur war gemäß der Verfassung von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden. Es war bereits der zweite Versuch, Fedorow einzusetzen. Am Vortag hatten sich im Parlament nicht genügend Abgeordnete gefunden, um eine Abstimmung über seine Kandidatur anzusetzen.
Drohnen-Angriff auf griechischen Tanker: Russland beschuldigt die Ukraine
Update, 15:53 Uhr: Russland hat die Ukraine für den Angriff auf einen griechischen Tanker im Schwarzen Meer am Dienstag verantwortlich gemacht. Der unter maltesischer Flagge fahrende Tanker „Matilda“ sei etwa 100 Kilometer vor der Stadt Anapa von zwei ukrainischen Drohnen angegriffen worden, erklärte das Verteidigungsministerium auf Telegram. Im Schwarzen Meer sei ein Notsignal empfangen worden.
Kiew reagierte zunächst nicht auf die Vorwürfe. Am Dienstag hatte Athen Drohnenangriffe auf die zwei griechischen Öltanker „Matilda“ und „Delta Harmony“ gemeldet. Einer der Tanker war demnach auf dem Weg nach Russland, um dort mit Öl aus Kasachstan befüllt zu werden. Das russische Verteidigungsministerium erwähnte die „Delta Harmony“ nicht.
EU-Kommission stellt Entwurf für weitere Ukraine-Gelder vor
Update, 14.34 Uhr: Die EU-Kommission hat ihren Entwurf für ein beim EU-Gipfel im Dezember beschlossenes Darlehen an die Ukraine über 90 Milliarden Euro vorgestellt. Die Kommission schlage vor, ein Drittel der Summe für Haushaltshilfe und zwei Drittel für Militärhilfe vorzusehen, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch. Demnach sollen die Verteidigungsausgaben vorzugsweise in europäische Länder fließen.
Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich bei ihrem Treffen im Dezember darauf verständigt, Kiew ein zinsloses Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 zur Verfügung zu stellen. Für den Kredit wird der EU-Haushalt als Sicherheit verwendet. Auch die Zinsen in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sollen aus dem EU-Budget bezahlt werden. Die Ukraine muss den Kredit erst zurückzahlen, wenn sie Reparationszahlungen von Russland erhält. Sollte dies nicht passieren, behält die EU sich vor, die in der EU eingefrorenen russischen Vermögen für die Rückzahlung des Darlehens zu verwenden.
Update, 13:08 Uhr: In der Ukraine ist das geltende Kriegsrecht und die allgemeine Mobilmachung laut der dpa bis Anfang Mai verlängert worden. Für beide Gesetzesvorlagen stimmte jeweils eine deutliche Mehrheit von mehr als 300 Abgeordneten. Die Entwürfe waren von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden. Wehrpflichtige Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren können das Land nicht verlassen. Es gelten nur wenige Ausnahmen, beispielsweise für Väter von mindestens drei minderjährigen Kindern.
Weitere Attacken auf Energieanlagen im Ukraine-Krieg
Update, 12:11 Uhr: Wie Ukrainska Pravda berichtet, eskaliert Russland den Energiekrieg in der Ukraine weiter. Bei Angriffen in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar wurde der Energiesektor in den Oblasten Dnipropetrowsk, Schytomyr, Saporischschja, Charkiw und Cherson angegriffen. „Das Hauptziel waren Energieanlagen und kritische Infrastrukturen, die ein normales Leben für unsere Bevölkerung gewährleisten: Wärme und Strom“, schrieb Selenskyj auf X. Laut Aussagen des staatlichen ukrainischen Stromübertragungsnetzbetreibers war durch die Raketen- und Drohnenangriffe auf Energieanlagen eine erhebliche Anzahl von Verbrauchern von der Versorgung abgeschnitten.
Ermittlungen wegen Korruptionsskandal in der Ukraine
Update, 11:51 Uhr: Das Büro der Vaterlandspartei der früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko ist von Ermittlern der ukrainischen Antikorruptionsbehörden durchsucht worden. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) informierten über eine Verdachtsmitteilung für die Chefin einer Parlamentsfraktion. Sie solle das Abstimmungsverhalten von Abgeordneten anderer Parlamentsgruppen mit Geldzahlungen beeinflusst haben.
Timoschenko selbst schrieb nach der Razzia auf Facebook: „Über 30 bis an die Zähne bewaffnete Männer haben ohne Vorlage jeglicher Dokumente faktisch das Gebäude besetzt und die Mitarbeiter als Geiseln genommen.“ Sie bezeichnete die Maßnahme als „PR-Aktion“ und wies „alle absurden Anschuldigungen kategorisch zurück“. Es seien Telefone, Parlamentsdokumente und „persönliche Ersparnisse“ beschlagnahmt worden.
Update, 10:33 Uhr: Die USA planen ein neues Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. Der Sondergesandte des Weißen Hauses, Steve Witkoff, und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sollen die Reise nach Moskau noch in diesem Monat organisieren, berichtet Bloomberg. Eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Die USA haben sich zuletzt mit der Ukraine und europäischen Verbündeten auf einen möglichen Friedensplan verständigt. Russland zeigt sich bislang skeptisch gegenüber dem Vorhaben.
Lage im Ukraine-Krieg: Russland startet Offensive an Pokrowsk-Front
Update, 9.35 Uhr: Laut den ukrainischen Behörden wurden allein in den vergangenen 24 Stunden 140 Angriffe Russlands an verschiedenen Frontabschnitten gemeldet. Putins Armee soll dabei fast 8.000 Kamikaze-Drohnen verwendet und insgesamt 42 Luftangriffe durchgeführt haben. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Besonders hart umkämpft ist die Region rund um die Stadt Prokowsk im Osten der Ukraine.
Erstmeldung vom 14. Januar 2026: Kiew – Der Winter hält die Ukraine fest in seinem eisigen Griff. Das Energienetz ist überlastet – und die russischen Angriffe fügen täglich neuen Schaden hinzu. Moskau führte in der vergangenen Woche einen der schwersten Angriffe auf Kiew aus und startete sogar eine Mittelstreckenrakete des Typs Oreschnik gegen das westukrainische Lwiw.
Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) warnt in seinem jüngsten Bericht zur Lage im Ukraine-Krieg vor einer neuen russischen Taktik. Zum einen führten russische Luftangriffe im Jahr 2025 in der Ukraine zu deutlich mehr zivilen Opfern als in den Vorjahren – weil die Armee von Kremlchef Wladimir Putin Umfang und Schlagkraft ihrer Angriffe drastisch erhöht habe, heißt es in der Analyse.
Zum anderen – und das ist Teil der Erklärung – treibe Russland die Produktion und Innovation von kostengünstigen Kampfdrohnen weiter voran, so die ISW-Militäranalysten. Die habe sich als vorteilhaft für die russischen Streitkräfte erwiesen. Russische Luftangriffe töteten im Jahr 2025 mutmaßlich etwa 2400 ukrainische Zivilisten – ein Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber 2024.
Nach fast vier Jahren Krieg spitzt sich die Lage in der Ukraine nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj immer weiter zu – sowohl an der Front als auch im Hinterland. Die Elektriker seien seit Wochen im Einsatz, um das Stromnetz einigermaßen am Laufen zu halten, sagte Selenskyj. „Das Wetter stellt zusätzliche Herausforderungen – außerordentliche Herausforderungen“, fügte er mit Blick auf die zweistelligen Minustemperaturen hinzu.
Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück
Ukraine-Krieg aktuell: Heikler Bericht zu Wladimir Putins Luftabwehr kursiert
Das Stromnetz der Ukraine ist nach den systematischen und zuletzt noch einmal verschärften russischen Angriffen stark beschädigt. Netzabschaltungen sind an der Tagesordnung. Täglich müssen die Ukrainer stundenlang ohne Strom- und Wärmeversorgung auskommen.
Die Angriffe auf die Infrastruktur kommen von beiden Seiten: Auch die Grenzregionen in Russland bekommen zunehmend die Härte des Kriegs zu spüren. Belgorod ist eine der am schwersten betroffenen Regionen im Land, und einem Bericht zufolge hadert die russische Armee mit ihren Luftabwehrsystemen.
Probleme gebe es aber auch an der Front, räumte Selenskyj ein: „Überall ist es jetzt schwer – an der Front am schwersten“, sagte er. Trotz des Frosts greife Russland weiter an. Immerhin hält seinen Angaben nach auch die Verteidigung weiter stand. Die Ukraine ist seit Monaten in der Defensive und musste im Osten und Süden des Landes zuletzt weitere Positionen aufgeben.
Gleichzeitig büßt Putins Armee für den Angriff mit hohen personellen Kosten. Wie der ukrainische Generalstab am heutigen Mittwoch (14. Januar) mitteilte, verlor das russische Militär allein am Vortag etwa 990 Soldaten in den Gefechten. Damit stieg die Zahl der russischen Soldaten, die seit Beginn der Kampfhandlungen entweder getötet oder schwer verletzt wurden, auf insgesamt geschätzt 1.221.940. (Redaktion mit Nachrichtenagenturen)