Kreml-Moderatorin Skebeyeva

Neue Eskalation: Putins Propaganda-TV sieht „Dritten Weltkrieg“ und will „ganze Nato entmilitarisieren“

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Russlands Machthaber Wladimir Putin nannte die sogenannte „Entmilitarisierung“ und „Denazifizierung“ der Ukraine als Ziele der Invasion.
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Im Ukraine-Krieg will Russland nach eigenen Angaben das Nachbarland „entmilitarisieren“. Im russischen Staatssender wurde dieses Ziel nun auf die gesamte Nato ausgeweitet.

München — Die sogenannte „Entmilitarisierung“ und „Denazifizierung“ der Ukraine: Nach eigenen Angaben verfolgt Russland im Ukraine-Konflikt diese Ziele. Unter diesem Vorwand erteilte der russische Machthaber Wladimir Putin am 24. Februar den Befehl für die Invasion des Nachbarlandes. Nun befinden sich seine Truppen im Osten der Ukraine im Vormarsch. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet.

Dem Propaganda-Kreis des Kreml-Chefs allerdings reicht eine „Entmilitarisierung“ der Ukraine offenbar nicht aus. Im russischen Staatssender hieß es in einer aktuellen Sendung, Moskau müsse die gesamte Nato „entmilitarisieren“. Dabei war auch von einem dritten Weltkrieg die Rede.

Ukraine-Krieg: Pro-Kreml-Moderatorin fordert „Nato-Entmilitarisierung“ - „dritter Weltkrieg hat begonnen“

Russische Staatsmedien gelten als absolute Propagandamittel von Kreml-Chef Putin. Besonders im staatlichen Sender Rossija-1 kommentieren Kreml-nahe Politiker, Historiker und militärische Analysten die aktuelle Situation in der Ukraine. Inmitten heftiger Kämpfe im Donbass verschärft sich jetzt auch dort die Rhetorik nicht nur gegen Kiew, sondern gegen die gesamte Nato. Der BBC-Journalist Francis Scarr, der sich auf die Beobachtung russischer Staatsmedien spezialisiert, veröffentlichte auf Twitter einen kurzen Ausschnitt aus der Sendung „60 Minuten“ von Rossija-1.

Moderiert wird die Sendung von Olga Skebeyeva, auch bekannt als Sprachrohr der russischen Führung. „Vielleicht ist es an der Zeit, zuzugeben, dass Russlands Sondereinsatz in der Ukraine beendet ist“, sagte sie dort. Diese Äußerung ist jedoch keineswegs etwa als Anerkennung des Scheiterns der russischen Invasion zu verstehen. Viel mehr zielte die Moderatorin darauf ab, eine aufgeheiztere Situation darzustellen.

Skebeyeva zufolge ist der Krieg nun umfangreicher als nur Zusammenstöße in der Ukraine. Die russische Moderatorin sprach an dieser Stelle von einem „echten Krieg“ - nun habe der „Dritte Weltkrieg“ begonnen. Skebeyeva leitete daraus eine Schlussfolgerung ab - mit einer Drohung zwischen den Zeilen: „Wir sind gezwungen, nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte Nato zu entmilitarisieren.“

Ukraine-Krieg: Putin-nahe Moderatorin sieht westliche Waffenlieferungen als Kriegsbeteiligung

Grund für diese Aussage der russischen Moderatorin sind wohl westliche Waffenlieferungen an die Ukraine, wie das ukrainische Magazin focus.ua berichtete. Somit sei Russland nicht nur im Krieg mit der Ukraine, sondern im Krieg mit allen Nato-Staaten, so die Auffassung von Skebeyeva laut dem ukrainischen Magazin. Demnach erwähnte sie dabei insbesondere die von den USA gelieferten kräftigen M777-Haubitzen, die inzwischen vom ukrainischen Militär an der Front eingesetzt werden. Deutschland will die Ukraine ebenfalls mit Haubitzen des Typs Panzerhaubitze 2000 unterstützen. Offenbar wird dies von Putins engem Kreis bereits als Kriegsbeteiligung gewertet.

Im russischen Staatsfernsehen wurden zuvor aber auch ungewöhnliche Töne laut. Ein ehemaliger russischer Oberst und Militärexperte machte mit düsteren Vorhersagen für Russland auf sich aufmerksam. Nach der TV-Tirade gegen Putins Feldzug änderte sich seine Meinung allerdings innerhalb von nur wenigen Tagen. Immerhin ist Kritik in russischen Medien vom Kreml nicht gern gesehen. So dürften sie weiterhin als Propagandamittel ganz im Sinne des russischen Machthabers fungieren - mit Androhung von Konzentrationslagern und Sterilisierung von Gegnern. (bb)

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