Angriff auf Putin

„Es ist eine Niederlage“: Russischer Politiker kritisiert Desaster der Schwarzmeer-Flotte

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Außer Sichtweite: Am „Tag der Marine“ am 28. Juli in St. Petersburg sah dieser Wachsoldat kaum ein Schiff der Schwarzmeer-Flotte; dafür machte deren Fernbleiben das Versagen Putins auf der Krim offensichtlich.
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„Krawallmacher“ aus der eigenen Partei attackiert Russlands Diktator. Womöglich fällt Putin jetzt das Desaster seiner Schwarzmeer-Flotte auf die Füße.

Moskau – „Die russische Marine ist fast zur Lachnummer geworden“, kommentiert Tom Sharpe. 25 Prozent der russischen Schwarzmeer-Flotte seien im Ukraine-Krieg untergegangen, stellt der Autor des Telegraph klar – aus dem sicheren Vereinigten Königreich heraus. Noch schärfere Kritik klingt jetzt auch aus Russlands politischer Elite durch – sogar aus Wladimir Putins nächstem Umfeld.

„Das ist die Tatsache der Niederlage. Es ist eine Niederlage. Sie muss akzeptiert werden“, sagt Jewgeni Fjodorow von der Regierungspartei „Einiges Russland“ mit Sitz im russischen Parlament, wie aktuell Newsweek berichtet – aufgrund eines Videos auf X vom ehemaligen Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Heraschtschenko. Möglicherweise bläst dem russischen Diktator jetzt sogar aus der russischen Duma heraus Gegenwind ins Gesicht.

Die Schwarzmeer-Flotte hatte bisher die Herrschaft beansprucht über das Schwarze Meer mit seiner Größe von fast einer halben Million Quadratkilometern. Das Schwarze Meer allerdings ist wohl der einzige militärische Hotspot, auf dem die Ukraine uneingeschränkt die Initiative behält – wegen der westlichen Marschflugkörper, aber vor allem auch aufgrund ihrer Sea-Baby-Drohnen, die die Schwarzmeer-Flotte bereits mehrfach empfindlich getroffen haben. Die Drohnen seien inzwischen aufgerüstet worden, um mehr als eine Tonne Sprengstoff über eine Entfernung von mehr als 1.000 Kilometern zu transportieren, erklärte kürzlich, laut dem Business Insider, Artem Dehtiarenko, der Sprecher des ukrainischen Geheimdienstes (SBU).

Putins Dilemma: Russland ist unfähig, die eigenen Gewässer zu kontrollieren

Russland verfolgt im Schwarzen Meer seit Jahrhunderten sein Interesse an einem eisfreien und möglichst ganzjährig warmen Zugang zu den vitalen See­verbindungswegen um Europa herum. Ein solcher Zugang soll Russlands Anspruch als Seemacht unter­mauern, schreibt Fregattenkapitän Göran Swistek für den Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik. Laut dem deutschen Autor und Kapitän zur See, Axel Stephenson, bräuchte die russische Marine im Schwarzen Meer tatsächlich allerdings das Doppelte an Material, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Jetzt aber dampft sie ihrem eigenen Anspruch hinterher.

„Wo ist die Flotte? Sie ist weg. Das ist wirklich ein Sieg des Feindes. Das ist eine Tatsache. Die Tatsache des Sieges des Feindes. Und die Tatsache, dass die Schiffe noch irgendwo da sind, irgendwo in Sewastopol oder Noworossijsk, nun, vielleicht sind sie das. Aber sie existieren nicht als strategische Kampfeinheit. Das heißt, sie kontrollieren nicht das Schwarze Meer.“

Jewgeni Fjodorow auf X (vormals Twitter) – zitiert von Newsweek

Fakt ist, dass Russland unfähig sei, die eigenen Gewässer zu kontrollieren, ätzt der britische Autor Sharpe. Neu ist aber, dass auch ein als ausgesprochener Hardliner titulierter russischer Abgeordneter plötzlich Kritik am russischen Machthaber äußert. Bereits im Juni, nach der völkerrechtswidrigen Invasion der Ukraine, hatte sich Jewgeni Fjodorow mit – selbst zu der Zeit – radikalen Thesen hervorgetan. Fjodorow hatte laut dem Spiegel kurz nach Kriegsausbruch in der Duma erklärt, der Austritt Litauens aus der Sowjetunion 1990 sei illegal erfolgt; im Gegenzug verlange er den Ausschluss Litauens aus der Nato.

Vom Spiegel hatte er sich dafür als weltfremd abkanzeln lassen müssen: „Zu normalen Zeiten hätte man der neuesten wahnsinnigen Idee des russischen Krawallmachers Jewgeni Fjodorow wohl kaum Beachtung geschenkt. Der aus St. Petersburg stammende Abgeordnete der Regierungspartei Einiges Russland ist für seine ultranationalistischen Positionen und wilde Verschwörungstheorien bekannt. Er hält das heutige Russland für eine Kolonie der USA und wittert schädlichen westlichen Einfluss überall, sogar bei den kremltreuen Staatsmedien.“

Putins Feind im eigenen Haus: Jewgeni Fjodorow ist auf Konfrontation aus

Jetzt scheint Fjodorow auch mit seinem Präsidenten einen Strauß auszufechten zu haben; Newsweek sieht in seiner Brandrede ein „seltenes Eingeständnis der militärischen Misserfolge Russlands“ – Fjodorow beklagte sich, die Ukraine habe einen so großen Teil von Putins wertvoller Schwarzmeer-Flotte außer Gefecht gesetzt, dass sie im Wesentlichen „verschwunden“ sei, wie ihn Newsweek zitiert. Tatsächlich ist sie auch offiziell scheinbar perdu – am Sonntag, 28. Juli, hat Russland in St. Petersburg den „Tag der Marine“ gefeiert – mit einer Parade im Angesicht von Wladimir Putin; und fast ohne die Schwarzmeer-Flotte.

Lediglich die – wohl in Syrien stationierte – Korvette „Merkury“ und die Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ sollen in St. Petersburg eingelaufen sein. „Gleichzeitig wurde keines der Schiffe vorgeführt, die nach Angaben der ukrainischen Seite im vergangenen Jahr im Schwarzen Meer beschädigt oder zerstört wurden, einschließlich angeschlossener Streitkräfte anderer Flotten.“, wie der russische Dienst der britischen BBC schreibt.

Analyst über Putin: Eskalationsängste des Westens sind lächerlich

Überhaupt hatte die Sicherheitslage Putin wohl gezwungen, die Parade zu verkleinern: Die Hauptparade in Kronstadt sei abgesagt worden, während St. Petersburg den Ausweichhafen darstellte, wie Newsweek schreibt. Zum ersten Mal habe auch am Schwarzen Meer und in Noworossijsk „aus Sicherheitsgründen“ keine Parade stattgefunden, berichtete Russlands staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti laut Angaben von Newsweek.

Russlands Rückzug von der Krim lasse insofern die Eskalationsängste des Westens lächerlich erscheinen, schreibt aktuell Peter Dickinson für den Thinktank Atlantic Council: „Der Abzug russischer Kriegsschiffe von der Krim ist der jüngste Hinweis darauf, dass die Ukraine allen Widrigkeiten zum Trotz den Seekrieg tatsächlich gewinnt“, behauptet der Chefredakteur des Business Ukraine Magazine. Ihm zufolge sei das eine klare Botschaft an den Westen: Mit jedem Schiff, das sich von der Krim entferne, verliere der russische Diktator seine Glaubwürdigkeit.

Ukraine stößt Putin vom Sockel: Jedes verlorene Schiff ist Futter für die Kritiker

Die Verteidiger aus der Ukraine wollen mit ihren Attacken gegen die russische Marine nicht nur Material zerstören und die Operationsfähigkeit der Schwarzmeer-Flotte schwächen, sondern das System von Russlands Präsident Wladimir Putin stürzen. Möglicherweise haben sie in Fjedorow ihren ersten Sympathisanten gefunden. „Wo ist die Flotte? Sie ist weg. Das ist wirklich ein Sieg des Feindes. Das ist eine Tatsache. Die Tatsache des Sieges des Feindes. Und die Tatsache, dass die Schiffe noch irgendwo da sind, irgendwo in Sewastopol oder Noworossijsk, nun, vielleicht sind sie das. Aber sie existieren nicht als strategische Kampfeinheit. Das heißt, sie kontrollieren nicht das Schwarze Meer“, ereiferte sich Fjodorow laut Newsweek.

Wenn Cherson für Putin eine Blamage gewesen sei, wäre das Desaster seiner Schwarzmeer-Flotte „eine sehr persönliche Demütigung“ gewesen, schreibt Peter Dickinson. Der Analyst des Thinktanks Atlantic Council hat noch Anfang Juni sehr vieldeutig behauptet, Wladimir Putin habe stillschweigend zugegeben, dass die Krim nicht wirklich Teil Russlands sei. Allerdings schließt er das lediglich aus dem relativ unauffälligen Abzug der russischen Flotte von der Krim. Dickinson hält die Gebietsansprüche Russlands in der Ukraine insofern für „alles andere als in Stein gemeißelt“, sondern weitgehend opportunistisch definiert – jeweils individuell an die Lage auf dem Schlachtfeld angepasst.

Russland scheint zu bluffen: Zukunft der annektierten ukrainischen Gebiete „nicht in Stein gemeißelt“

Der Analyst beobachtet einen deutlichen Gegensatz in Russlands Rhetorik und dessen tatsächlichem Handeln. Putin und weitere Offizielle forderten die Ukraine immer wieder auf, die „neuen territorialen Realitäten“ zu akzeptieren; allerdings zeige der Rückzug der Schwarzmeer-Flotte, dass die ausbleibende Akzeptanz der Besatzungen auch keine Folgen zeitigt – offensichtlich ist sogar das Gegenteil der Fall – Dicksinson: „Russlands Handlungen senden ein unmissverständliches Signal aus, dass die Zukunft der ‚annektierten‘ ukrainischen Regionen noch immer zur Debatte steht“. Auch die Drohung mit einer nuklearen Apokalypse hält er angesichts verschiedener Rückzüge für „maßlos übertrieben“.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Gleiches hatte auch der Spiegel dem Verhalten Fjodorow vor zwei Jahren unausgesprochen unterstellt: „Leute wie Fjodorow empfinden den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht als Sturz eines ineffizienten, unterdrückerischen Regimes, sondern vor allem als Verlust imperialer Größe“, wie Ann-Dorit Boy schrieb. Die Spiegel-Autorin beschreibt ihn als Gründer der „Nationalen Befreiungsbewegung –  eine gegen kremlkritische Oppositionsproteste gegründete politische Bewegung“, die neoimperialistisch orientiert sei und dem Präsidenten Wladimir Putin huldige.

Fjodorow keilt aber beileibe nicht zum ersten Mal gegen seine eigenen Leute aus. 2015 soll er, laut dem Spiegel, die russische Generalstaatsanwaltschaft aufgefordert haben, die Rechtmäßigkeit der Gründung des Staatsrates der Sowjetunion durch Michail Gorbatschow zu prüfen – aufgrund des Verdachts von Landesverrat. Reine Spiegelfechterei, wie Ann-Dorit Boy angedeutet hatte: Sein damaliger „Vorstoß hat vor allem symbolische Bedeutung, soll er doch wohl Phantomschmerzen des Putin-Lagers lindern“.

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