Seit Monaten greift die Ukraine vermehrt russische Langstrecken-Radarsysteme an. Ein solches hochmodernes System soll nun zerstört worden sein.
Kiew/Moskau – Ukrainische Streitkräfte haben offenbar ein hochmodernes russisches Langstrecken-Radarsystem angegriffen und zerstört. Das Equipment habe sich auf russischem Territorium nahe der Stadt Brjansk befunden, etwa 380 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Moskau- Das berichtete die ukrainische Tageszeitung The Kyiv Independent unter Bezugnahme auf Aussagen aus Kreisen des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU).
Das sogenannte Nebo-U-Langstreckenradarsystem war Berichten zufolge in der Lage, den Himmel bis 700 Kilometer in der Ukraine zu überwachen, was den russischen Truppen half, ukrainische Waffen aufzuspüren und Kampfjets zu unterstützen, die gelenkte Luftbomben abwarfen. Die Anlage hat einen geschätzten Preis von rund 100 Millionen US-Dollar.
Ukraine zerstört russisches Langstreckenradarsystem mit Kamikaze-Drohnen
Das russische Langstreckenradarsystem wurde laut Angaben des ukrainischen Sicherheitsdienstes von insgesamt sieben Kamikaze-Drohnen getroffen. Infolge des ukrainischen Angriffs ist es „nicht mehr betriebsbereit“, wie die Quelle gegenüber The Kyiv Independent mitteilte.
Dank der Zerstörung des Radarsystems blieben Russland und Wladimir Putin weniger Möglichkeiten, Luftziele entlang der Nordgrenze der Ukraine zu entdecken. „Die Radarblindheit der Russen wird unseren Truppen helfen, in diesem Gebiet effizienter Aufklärung zu betreiben, Drohnen zu starten und die Militärluftfahrt einzusetzen“, teilte der SBU mit. Durch die Ausschaltung der Radarsysteme des Kremls kann die Ukraine ihre eigenen Anlagen und Bewegungen leichter vor den russischen Truppen verbergen.
Das russische Langstreckenradarystem bei Brjansk soll bereits das zweite Nebo-U-System sein, das von Streitkräften der ukrainischen Armee zerstört worden ist. Das erste wurde nach Angaben des SBU im grenznahen russischen Oblast Belgorod abgeschossen.
Russlands Radarsysteme sind seit Monaten vermehrt Ziel ukrainischer Militärschläge
Bereits im Herbst 2023 gab es eine „beträchtliche Anzahl“ von Berichten über ukrainische Angriffe auf russische Radarsysteme, die diese zerstörten oder zumindest beschädigten, erklärte James Black, stellvertretender Direktor der Forschungsgruppe für Verteidigung und Sicherheit der Denkfabrik RAND, Ende November gegenüber Newsweek. Die erfolgreiche Ausschaltung der russischen Radarsysteme habe für Kiew Priorität, sagte Ivan Stupak, ein ehemaliger Offizier des ukrainischen Sicherheitsdienstes, der jetzt den parlamentarischen Ausschuss für Sicherheit, Verteidigung und Nachrichtendienste der Ukraine berät, dem Portal.
Zu den anderen hochwertigen russischen Zielen, die vor kurzem von der Ukraine angegriffen wurden, gehört auch das russische Radarsystem Kasta-2E2. Mitte Februar erklärte der ukrainische Militärgeheimdienst GUR, er habe eine russische Kasta-2E2-Radarstation nahe des besetzten Berdjansk in der Region Saporischschja zerstört, wie Newsweek außerdemberichtete.
Das System könne ukrainische Ziele in einer Entfernung von bis zu 150 Kilometern aufgespürt haben, hieß es in einer Erklärung des Militärgeheimdienstes damals. Mit ihm seien wahrscheinlich die ukrainischen Regionen Charkiw und Sumy an der russischen Grenze sowie die russischen Regionen Kursk und Woronesch überwacht worden.
Die russischen Equipment-Verluste im Ukraine-Krieg sind hoch
Militärisches Personal: ca. 456050 Personen (+710)
Ukraine-Krieg fordert auf beiden Seiten viele Kriegsopfer – auch unter der Zivilbevölkerung
Auch hatten ukrainische Sicherheitdienste und Medien in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder behauptet, russische Artillerie-Aufklärungsstationen vom Typ „Zoopark“ zerstört zu haben. Das britische Verteidigungsministerium berichtete, die russische Armee habe noch maximal „eine Hand voll“ davon im Einsatz. Eine der Radarstationen habe eine Reichweite von 50 Kilometern. Die Front in der Ukraine ist fast 2500 Kilometer lang.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Auf beiden Seiten fordert der seit mittlerweile mehr als zwei Jahren andauernde Ukraine-Krieg viele Ressourcen und Opfer, auch unter der Zivilbevölkerung. Russland hält sich mit Daten zu den Opferzahlen zurück und veröffentlicht kaum neue Zahlen. Anders verhält es sich auf ukrainischer Seite, die regelmäßig Daten zu Russlands Verlusten veröffentlicht. Die Zahlen der ukrainischen Behörden können jedoch nicht unabhängig überprüft werden. (fh)