Umfrage-Beben beim Renten-Streit: Merz kriegt die AfD nicht klein
VonChristian Stör
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Trotz Streit um das Rentenpaket bleibt Schwarz-Rot unbeschadet. Die AfD hingegen scheint von der fortdauernden Auseinandersetzung besonders zu profitieren.
Berlin – Die Zukunft der Rente ist schon lange ein wichtiges Thema in Berlin. Noch aber lässt die große Rentenreform weiter auf sich warten. Was die Deutschen davon halten, wird nun aus einer neuen Umfrage ersichtlich: Sie sehen die Rentenpolitik der Bundesregierung grundsätzlich kritisch – über die konkreten Pläne sind die Meinungen aber geteilt.
Eine große Mehrheit ist demnach der Ansicht, dass die Rentenpolitik ganz allgemein zu stark zu Lasten der jüngeren Generation geht. 71 Prozent der Befragten im ZDF-Politbarometer vom 21. November sehen dies so, darunter auch 62 Prozent der über 60-Jährigen. In der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren sind es sogar 82 Prozent, bei den 35- bis 59-Jährigen 74 Prozent. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) ist hingegen nicht dieser Ansicht, der Rest positionierte sich nicht dazu.
Neue Umfrage: Deutsche beim Rentenpaket gespalten
Im konkreten Fall des Gesetzentwurfs zum Rentenpaket sind die Verhältnisse allerdings etwas anders. Ein aktueller Gesetzesvorschlag der Bundesregierung sieht vor, das aktuelle Rentenniveau bis zum Jahr 2031 unverändert bei durchschnittlich 48 Prozent der Löhne und Gehälter zu halten und dieses Niveau dann als Basis für die Rentenberechnung nach 2031 zu nutzen. Die SPD beharrt darauf, die Junge Union sieht darin eine zu große Belastung für die jüngeren Generationen.
46 Prozent aller Befragten fänden es demnach gut, wenn das unveränderte Rentenniveau trotz sehr hoher finanzieller Belastungen auch nach 2031 als Berechnungsbasis dienen würde. Unter denjenigen, die CDU oder CSU wählen, sind es 50 Prozent. Insgesamt 43 Prozent der Befragten sprechen sich angesichts der hohen Folgekosten gegen diesen Plan aus. Bei Anhängern der Union beträgt der Anteil 39 Prozent. Das sind vor allem mehr jüngere als ältere Befragte.
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Umfrage-Beben: AfD erreicht ihr bisher bestes Ergebnis im ZDF-Politbarometer
Unterdessen hat sich in der Sonntagsfrage nur wenig verändert. Union und AfD haben leicht an Zustimmung gewonnen und teilen sich weiter den ersten Platz. CDU und CSU kommen zusammen auf 27 Prozent, genauso wie die AfD. Die vom Verfassungsschutz in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei erreicht damit ihr bisher bestes Ergebnis im ZDF-Politbarometer. Beide gewinnen im Vergleich zur Umfrage Anfang des Monats einen Prozentpunkt hinzu.
Auf Platz drei landet weiter die SPD mit unverändert 14 Prozent vor den Grünen mit unverändert zwölf Prozent. Die Linke verliert einen Punkt und fällt auf neun Prozent zurück. FDP und BSW werden erneut nicht gesondert ausgewiesen, da sie beide die Marke von drei Prozent verfehlen. Die aktuellen Daten der Umfrage im Überblick:
Partei
Umfrage-Ergebnis in %
CDU/CSU
27 (+ 1)
AfD
27 (+ 1)
SPD
14 (=)
Grüne
12 (=)
Linke
9 (-1)
Sonstige
11 (-1)
Institut: Forschungsgruppe Wahlen. Erhebungszeitraum: 18. und 20. November. Fallzahl: 1207 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: zwei bis drei Prozentpunkte.
Umfragen sind keine Prognosen
Umfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Zudem ist stets ein statistischer Fehler von bis zu drei Prozentpunkten zu beachten (Fehlertoleranz).
Die Umfragen in Deutschland sind zuletzt recht genau ausgefallen. So lag die mittlere durchschnittliche Abweichung aller Institute bei der Bundestagswahl 2025 laut dem Internetportal Dawum bei gerade einmal 1,06 Prozentpunkten. Berücksichtigt wurden dabei all diejenigen Institute, die 30 Tage vor der Wahl eine Sonntagsfrage veröffentlicht hatten. (Quellen: Forschungsgruppe Wahlen, Agenturen, Dawum) (cs)