Bettennot bei UN-Gipfel

UN-Konferenz in Belém: Love-Motels sollen Delegierte unterbringen

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Brasiliens Love-Motels sollen beim Klimagipfel der UN in Brasilien die Delegierten aufnehmen. Denn der Mangel an Hotels ist groß.

Brasilia – Der kommende Weltklimagipfel COP30 der Vereinten Nationen wird in Belém stattfinden, einer Hafenstadt am Rand des Amazonasbeckens. Als Gastgeberland will Brasilien mit diesem Standort Akzente setzen – und die Bedeutung des Regenwaldes für das globale Klima hervorheben. Doch die Stadt steht vor einer enormen Aufgabe: Noch nie hat sie ein Ereignis dieser Größenordnung ausgerichtet, und es fehlt an Unterkünften. Nun versuchen Regierung und lokale Wirtschaft mit teils ungewöhnlichen Lösungen, eine Logistikkatastrophe abzuwenden.

Schon jetzt sind die Hotels in Belém für den Zeitraum der Konferenz vom 10. bis 21. November so gut wie ausgebucht, wie das US-Medium Politico berichtet. Die wenigen freien Zimmer seien so teuer, dass Delegierte aus ärmeren Ländern und Vertreter der Zivilgesellschaft kaum teilnehmen könnten. Selbst wohlhabendere Staaten zögerten, viele europäische Delegationen hätten bislang nicht gebucht. Und obwohl einige Teilnehmer bereit seien, bis zu 1.000 Dollar pro Nacht zu zahlen, sei nicht ausgeschlossen, dass sie sich ihre Zimmer teilen müssen.

Für wen ist die COP gedacht? Unterkunftsfrage stellt Inklusivität der UN-Klimakonferenz infrage

Die logistischen Probleme bereiten vielen Beteiligten Kopfzerbrechen. „Alles wird von der Logistik überschattet, und wir befürchten, dass dies die Verhandlungen behindern könnte“, habe ein hochrangiger lateinamerikanischer Diplomat angemerkt. „Wir haben keine Unterkunft, niemand hat eine Unterkunft.“

Zukunftsbäume pflanzen – diese zehn Arten sind künftig besonders klimatauglich

Goldhülse, Gold-Gleditschie, Gleditsia triacanthos inermis Sunburst
Die Goldhülse oder Gold-Gleditschie ist höchst sonnen- und trockenheitsverträglich. Der im Frühjahr und Herbst gelblaubige Baum wird bis zu 12 Meter hoch und trägt im Juni duftende Blüten. © Depositphotos/Imago
Hand greift an Blasenbaum Koelreuteria paniculata.
Der Blasenbaum, auch Blasenesche genannt, liebt Wärme und wächst nur langsam. Das malerische Gehölz blüht im Sommer an langen gelben Rispen und bildet danach attraktive Kapselfrüchte. © Panthermedia/Imago
Kugelahorn Acer platanoides Globosum, Herbstlaub Herbstfärbung
Ahornbäume wie der Kugelahorn sind klimatolerant und für die Zukunft gut gerüstet. Groß, kleinwüchsig oder mit Säulenkrone: Es gibt viele Sorten für den jeweiligen Standort – die meisten mit einem spektakulär gefärbten Herbstlaub. © Zoonar/Imago
Henrys Linde Tilia henryana junge Blätter
Linden zählen zu den widerstandsfähigen heimischen Bäumen und sind sogar bienenfreundlich. Besonders extravagant: Henrys Linde mit gezahnten Blättern und goldgelber Herbstfärbung. © blickwinkel/Imago
Gelbes und rotes Laub einer Persischen Parrotie oder auch Eisenholz (Parrotia persica)
Wer hätte das bei dem majestätischen Anblick gedacht: Die Persische Parrotie (Eisenholz) lässt sich sogar im Kübel auf dem Dachgarten kultivieren. © Christian Ditsch/Imago
Zapfen an einer Douglasie (Pseudotsuga menziesii)
Nadelbäume werden es künftig besonders schwer haben. Für große Gärten ist die bis zu 50 Meter hohe stabile Douglasie aber eine geeignete Wahl. © Metodi Popow/Imago
Quitten an Baum, Cydonia oblonga
An den Anblick von klimatauglichen Quittenbäumen können Sie sich schon gewöhnen. Die Pflanze passt in den Vorgarten und das Wildobst schmeckt in Gelees, Konfitüren oder als Saft. © Depositphotos/Imago
Marone (Castanea sativa), Eßkastanie reife Früchte in stacheliger Schale
Die Biergarten-Kastanie war gestern, der Baum der Zukunft ist die trockenheitstolerante Esskastanie (Marone). Der Baum wird mit einer Kronenbreite bis zu 15 Metern recht ausladend. © imagebroker/Imago
Taiwan-Kirsche, Schneekirsche, Higankirsche, Winterkirsche, Prunus subhirtella Okame
Die Zierkirsche Prunus subhirtella ‚Okame‘ ist robust, bienenfreundlich und passt mit einer Breite bis zu 2,5 Metern auch in kleinere Gärten. Von März bis April trägt sie rosafarbene Blüten. © blickwinkel/Imago
Frost und Raureif auf Zierapfelfrüchten
Wunderschöne Blüten im Frühling und attraktive Früchte bis in den Winter: Der Zierapfel schmückt den Garten je Sorte in zahlreichen Farben und Formen. Wird vier bis acht Meter hoch. © Shotshop/Imago

Auch Panamas Klimagesandter Juan Carlos Monterrey teile die Bedenken. Er sei „besorgt, dass die COP30 die unzugänglichste COP der jüngeren Vergangenheit werden könnte. Besorgt, dass Entwicklungsländer, kleine Inselstaaten, indigene Stimmen und die Zivilgesellschaft nicht angemessen vertreten sein werden – wenn überhaupt“, so Monterrey.

Schiffe, Schulen, Kasernen: Regierung baut vor der US-Klimakonferenz Notunterkünfte für Delegierte aus

Laut Reuters drohen die explodierenden Übernachtungspreise das erklärte Ziel Brasiliens – eine möglichst inklusive Konferenz – zu gefährden. Im Zentrum des Problems stehe eine Frage, die mit dem Wachstum der jährlichen Gipfeltreffen immer drängender geworden sei: Für wen ist der UN-Klimagipfel eigentlich gedacht? „Es klingt banal, ist aber politisch sehr wichtig“, habe Tasneem Essop, Geschäftsführerin des Climate Action Network, klargestellt. Und weiter: „Die Fähigkeit, die Unterkunftsprobleme zu lösen, kann über den Erfolg oder Misserfolg einer COP entscheiden.“

Die brasilianische Regierung arbeite fieberhaft daran, die derzeit verfügbaren 18.000 Betten in Belém aufzustocken. Delegierte würden nun in umgebauten Schulen, Militärunterkünften oder auf gemieteten Kreuzfahrtschiffen untergebracht. Rund 6.000 zusätzliche Schlafplätze auf Schiffen seien vorrangig für Delegierte aus Entwicklungs- und Inselstaaten vorgesehen – zu einem reduzierten Preis von bis zu 220 Dollar pro Nacht.

Herz-Whirlpools und Stockbetten: Motelbesitzer bauen ihre Zimmer für den UN-Klimagipfel um

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Hotelkrise dennoch heruntergespielt. Bei einem Besuch in Belém habe er stattdessen vorgeschlagen, diejenigen, die keine Unterkunft finden, sollten „unter freiem Himmel schlafen – das wird wunderbar“.

Eine andere Lösung haben die Betreiber örtlicher Liebesmotels parat. Wie die New York Times schreibt, wollen mehrere Häuser, die sonst stundenweise vermieten, nun ganze Delegationen ansprechen. „Wir entfernen alles, was zu erotisch ist, aus den Zimmern“, habe Yorann Costa, Inhaber des ‚Motel Secreto‘, angekündigt. Er habe Stockbetten aufgestellt und das übergroße Bild eines nackten Hinterteils abgehangen. Beleuchtung, Tanzstange, Leoparden-Tapete und der rote Herz-Whirlpool blieben aber – schließlich müsse man auch an die Zeit nach der COP denken.

Die Tanzstange bleibt: COP30-Gäste zögern trotz Unterkunftsnot wegen erotischer Zimmereinrichtung

Viele andere Motelbesitzer hegten ähnliche Ambitionen, hätten aber Mühe, die Gipfelteilnehmer von sich zu überzeugen. Trotz der wenigen Optionen zögerten viele Besucher wegen der anzüglichen Dekoration, habe Immobilienmaklerin Giselle Robledo, die mit Delegationen auf der Suche nach Unterkünften zusammenarbeitet, zu bedenken gegeben. „Die Botschafter sind eben teils sehr konservativ“, so ihre Erklärung.

Liebeshotels sollen dabei helfen, die Betten-Notlage beim COP30-Klimagipfel in Brasilien zu lindern – teils mit unveränderter Deko. (Symbolbild)

Hinzu komme, dass auch bei den Motels die Kostenfrage bestehen bleibe. Normalerweise zahlten Gäste 10 bis 35 Dollar für die erste Stunde, eine Nacht in einer Premium-Suite koste etwa 150 Dollar. Während des Gipfels hofften einige Betreiber jedoch auf 300 bis 650 Dollar pro Nacht. „Die Preise sind absurd, sie müssen wieder auf ein realistisches Niveau gesenkt werden“, habe Frau Robledo sich empört. Der Regionaldirektor des brasilianischen Verbandes der Liebesmotels, Ricardo Teixeira, habe dem entgegengehalten: „Der Markt bestimmt diese Preise“. Zudem seien die Motels „immer noch günstiger als ein Hotel“. (tpn)

Rubriklistenbild: © Montage: Nicolas Maeterlinck/dpa/belga Imago

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