Klartext von BSW-Mann De Masi

„Brandmauern sind gescheitert“ – BSW-Politiker reagiert auf Gespräche von Wagenknecht und AfD

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Bald könnten AfD und BSW enger zusammenarbeiten. Brandmauern würden nichts bringen, sagt uns BSW-Promi Fabio De Masi – im selben Atemzug attackiert er die Partei.

AfD-Chef Tino Chrupalla liebäugelt mit einer Zusammenarbeit aus AfD und Sahra Wagenknechts BSW, spricht öffentlich über Gespräche auf Bundesebene. Wagenknecht selbst scheint die ausgestreckte AfD-Hand anzunehmen, stehe „selbstverständlich“ für Gespräche bereit. Innerhalb des BSW gibt es aber auch kritische Stimmen. Der einflussreiche Europaabgeordnete Fabio De Masi kritisiert die AfD auf Anfrage unserer Redaktion deutlich – erklärt Brandmauern allerdings für gescheitert.

BSW-Politiker De Masi: „Man muss die AfD an den Eiern packen“

„Die AfD ist unser politischer Gegner“, so De Masi gegenüber der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA. „Sie befürwortet Hochrüstung, macht Politik für Milliardäre, will die Renten privatisieren und es gibt bei ihr auch waschechte Rassisten.“ De Masis Generalabrechnung trifft auch Chrupalla und seine Co-Chefin Alice Weidel: „Gleichzeitig machen sich ihre Vorsitzenden im Bundestag die Taschen voll. Man muss die AfD daher an den Eiern packen.“

De Masi weiter: „Wir sollten nicht vergessen: Als BSW beklagen wir in Deutschland engere Meinungskorridore, Donald Trump lässt aber unter Beifall der AfD in den USA Touristen verhaften, die irgendwann im Internet mal Trumps Regierung kritisiert haben.“

Fabio De Masi saß für die Linke im Bundestag, trat dann aber im Richtungsstreit aus der Partei aus. Bei der Europawahl war er Spitzenkandidat des BSW und zog ins EU-Parlament ein.

„Man muss die AfD inhaltlich stellen“ – De Masi gegen Ausschluss-Taktik

Diese Kritik bedeute aber nicht, dass man die AfD ignorieren sollte. „Die Brandmauern sind gescheitert“, so De Masi. „Man muss die AfD inhaltlich stellen, statt jeden Antrag aus Prinzip abzulehnen. Damit gibt man der AfD die Lufthoheit über die Stammtische.“ Dies schließe Gespräche mit den Rechtspopulisten mit ein, etwa in Thüringen, wo sich jüngst BSW-Fraktionschef Frank Augsten mit seinem Amtskollegen, AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, getroffen hatte. De Masis Ansatz: „Wenn man mit der AfD zu konkreten Anlässen Gespräche führt, muss klar sein, auf welcher Seite der Barrikade wir stehen.“

Chrupalla und Wagenknecht zu Gesprächen bereit

Laut Chrupalla gibt es neben den Gesprächen in Thüringen auch auf Bundesebene Kontakt zwischen AfD und BSW. Es habe Gespräche gegeben, „über das, was Deutschland bewegt, und wie man Mehrheiten verändern kann“, sagte der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla dem Sender Welt-TV. Auf die Frage, ob er und die Co-Vorsitzende Alice Weidel für Gespräche mit BSW-Chefin Sahra Wagenknecht zur Verfügung stünden, sagte er: „Ja, also immer.“ 

Wagenknecht selbst zeigte sich offen für politische Gespräche. Aktuell gebe es sie nicht und es handle sich um eine Phantomdiskussion, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wenn Sie mich fragen, ob ich auch mit Herrn Chrupalla reden würde, wenn es einen konkreten Anlass dafür gäbe, wie es in Thüringen bei dem Gespräch der Fraktionsvorsitzenden der Fall war: ja, selbstverständlich.“

Sahra Wagenknecht und Tino Chrupalla (hinter Grünen-Chef Felix Banaszak) bei einer Wahlsendung vor der Bundestagswahl.

Ost-Wahlen 2026 mit AfD-BSW-Koalition?

0,019 Prozentpunkte fehlten dem Bündnis Sahra Wagenknecht bei der Bundestagswahl 2025, um ins Parlament einzuziehen. Noch nie zuvor war eine Partei so knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Friedrich Merz und seine schwarz-rote Bundesregierung dürften aufgeatmet haben, denn klar ist: Säße das BSW im Bundestag, hätten CDU/CSU und SPD keine Mehrheit.

Obwohl das BSW derzeit nicht im Bundestag vertreten ist, arbeitet es am politischen Comeback. Wagenknecht will ihr Projekt noch nicht abschreiben und bei der nächsten Bundestagswahl in den Bundestag einziehen. Bis dahin will sich das BSW in Landtagen etablieren. Interessant werden hier vor allem die Ost-Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nächstes Jahr. In beiden Ländern ist die AfD in Umfrage stärkste Kraft – hat aktuell aber keine Machtoption. Mit dem BSW könnte es aber womöglich die erste AfD-Regierung geben.

Der Linke-Politiker Gregor Gysi hatte bereits vor der Bundestagswahl gesagt, dass das BSW irgendwann mit der AfD koalieren werde. „Sahra bereitet eine Zusammenarbeit mit der AfD vor“, so Gysi im Interview mit unserer Redaktion. Damals wies BSW-Generalsekretär Christian Leye das als „erbärmliche Unterstellung“ zurück. „Unsere Position war immer klar: keine Zusammenarbeit oder Koalition mit der AfD, aber Ernsthaftigkeit und Zuhören gegenüber Wählern dieser Partei, die wütend über die politischen Verhältnisse sind.“ 

Rubriklistenbild: © Imago/dta/teutopress (montage)

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