Chamenei zunehmend isoliert

Unter Druck: Was die Iran-Proteste für das Mullah-Regime bedeuten

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Der Iran erfüllt erstmals alle fünf Kriterien für eine erfolgreiche Revolution. Die Währung brach zusammen. Eliten wenden sich von Chamenei ab.

Teheran – Der Iran wird erneut von Protesten erschüttert, die die Stabilität und Zukunft der Islamischen Republik bedrohen. Was als Demonstrationen gegen den Währungszusammenbruch und die steigende Inflation begann, hat sich rasch zu einer der destabilisierendsten Unruhen entwickelt, mit denen das Regime seit Jahren konfrontiert ist. Naht das Ende der Islamischen Republik?

Ajatollah Ali Chamenei wirkt zunehmend isoliert, während ein informeller Führungsrat aus Präsident, Parlamentschef und Revolutionsgarden-Offizieren heimlich mit Trump-Beratern verhandelt.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht jedenfalls davon aus. „Wenn ein Regime gezwungen ist, zu Gewalt zu greifen, um an der Macht zu bleiben, ist es praktisch am Ende. Ich glaube, dass wir derzeit die letzten Tage oder Wochen dieses Regimes erleben“, so Merz am Dienstag (13. Januar) während seines Besuchs in Bengaluru, Indien. Er verwies darauf, dass die iranischen Führer nicht legitim von der Bevölkerung gewählt worden seien, und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass es einen Weg geben wird, diesen Konflikt friedlich zu beenden. Es ist an der Zeit, dass das Mullah-Regime dies akzeptiert.“

Fünf Bedingungen für erfolgreiche Revolutionen: Iran erfüllt erstmals seit 1979 alle Kriterien

Regime stürzen nicht durch einzelne Rückschläge, sondern durch eine fatale Verkettung von Krisen. Der Politikwissenschaftler Jack Goldstone hat im Gespräch mit The Atlantic fünf Bedingungen identifiziert, die für den Erfolg einer Revolution zusammenkommen müssen: eine Finanzkrise, gespaltene Eliten, eine breite Oppositionskoalition, eine überzeugende Erzählung des Widerstands – und ein günstiges internationales Umfeld. Zum ersten Mal seit der Islamischen Revolution von 1979 scheint der Iran nahezu alle diese Kriterien zu erfüllen.

Die Landeswährung hat gegenüber dem Dollar mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren, die Inflation liegt bei über 50 Prozent. Die technokratische Elite, einst das administrative Rückgrat des Staates, ist weitgehend entfremdet; selbst die traditionell regimetreuen Basarhändler sind zur Opposition übergelaufen. Landesweite Proteste vereinen mittlerweile ethnische Minderheiten, Arbeiter, Frauen und die Mittelschicht – geeint durch einen neuen, aggressiven Nationalismus, der die islamistische Staatsideologie abgelöst hat. „Nein zu Gaza, nein zum Libanon, mein Leben nur für den Iran“, skandieren die Demonstranten.

Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada
Sie ist der Schrecken der Moderne und galt lange Zeit als die größte Bedrohung für das Überleben der Menschheit: die Atombombe. Ihre Erfindung nahm ihren Anfang mit der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann im Jahr 1938. Der erste Test einer Atomwaffe fand am 16. Juli 1946 im US-Bundesstaat New Mexico statt. Dieses Foto zeigt den ikonografischen Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada. © dpa
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer.
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer. Der Atomphysiker leitete das „Manhattan Project“, in dem unter höchster Geheimhaltung ein nuklearer Sprengkörper entwickelt werden sollte. Nach dem ersten erfolgreichen Test war Oppenheimer die Tragweite seiner Erfindung offenbar schnell bewusst. Das machte der Wissenschaftler mit einem aus der Bhagavad Gita, einer heiligen Schrift im Hinduismus, entliehenen Zitat deutlich: „Ich bin zum Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“ © Imago
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“ und war Teil des „Trinity Tests“, der unter Leitung Oppenheimers am 16. Juli 1945 durchgeführt wurde. In diesem Bild posiert der Atomphysiker Norris Edwin Bradbury einen Tag zuvor, am 15. Juli 1945, mit der im Bau befindlichen Bombe. Die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte hatte eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT.  © Imago
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren.
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren. Die Pilzwolke erreichte eine Höhe von etwa zwölf Kilometern. Aufgrund der enormen Hitze, die durch die Atomexplosion freigesetzt wurde, schmolz der Sand in der Umgebung zu grünlichem Glas, das auch als Trinitit bezeichnet wird. Es folgen zahlreiche weitere Tests, darunter dieser am 1. März 1954 auf dem Bikini Atoll im Pazifischen Ozean. © Imago
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945.
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945. © Imago
Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada.
In den Folgejahren testeten die USA munter weiter. Die Sprengkraft der Atombomben wurde dabei sukzessive erhöht. Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada. © Imago
Soldaten zu Versuchszwecken in der unmittelbaren Nähe von Atomtests
Zu Beginn der Atomwaffenforschung in den USA ignorierte die damalige Militärführung die Gefahren, die durch die radioaktive Strahlung für Menschen in der Umgebung der Explosion entstand. Stattdessen schickte man tausende Soldaten zu Versuchszwecken in die unmittelbare Nähe der Atomtests, wie hier im Jahr 1951 im US-Bundesstaat Nevada. Die größtenteils jungen Soldaten wurden angewiesen, während der Tests die Augen mit Händen oder Ellbogen zu schützen. © imago
Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki
Im Zweiten Weltkrieg kam es zum ersten und bislang einzigen Einsatz von Atomwaffen. Am 6. August bombardierten die USA zuerst die japanische Stadt Hiroshima mit einer Kernwaffe. Am 9. August folgte der zweite Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki (im Bild). Den Befehl zum Abwurf gab der damalige US-Präsident Harry S. Truman. Sechs Tage nach der Bombardierung von Nagasaki gab Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans bekannt. © Imago
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“. Den Sprengkörper, der kurz darauf Nagasaki zerstörte, taufte die US-Luftwaffe auf den Namen „Fat Man“. Die Militärführung der USA wählte die Großstadt Hiroshima als erstes Ziel, weil diese von Luftangriffen bis dahin verschont geblieben war. Die Auswirkungen einer Atombombe konnten so besser eingeschätzt werden. © Imago
Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft.
Die Folgen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren verheerend. Die Explosionen töteten laut Schätzungen etwa 100.000 Menschen sofort. An Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den Folgejahren starben weitere Menschen an durch die nukleare Strahlung ausgelösten Krankheiten. Japan gibt die Gesamtzahl der Todesopfer mit etwa 540.000 an. Im Bild zu sehen ist eine Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft. © Imago
Friedensdenkmal von Hiroshima
An den Einschlag der Atombombe in Hiroshima erinnert noch heute das dortige Friedensdenkmal. Untergebracht ist es einem 1915 erbauten Haus, das infolge der Explosion vollständig ausbrannte. Wegen des geringen Abstands von 140 Metern zum Einschlagsort der Atombombe blieben viele Gebäudestrukturen erhalten, darunter auch die charakteristische Stützkonstruktion des Kuppeldachs. © Imago
Sasaki-Denkmal
In unmittelbarer Nähe des Friedensmuseums befindet sich das Friedensdenkmal der Kinder. Es erinnert an die Schülerin Sadako Sasaki, die zur weltweit bekanntesten Hibakusha (Überlebende der Atombombenabwürfe) wurde. Sie wurde 1943 geboren, blieb zunächst unverletzt, erkrankte aber zehn Jahre später an Leukämie. Sie starb am 25. Oktober 1955 im Alter von 12 Jahren. Die von ihr gefalteten Origami-Kraniche sind zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Atomkrieg geworden. © Imago
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlich so die Wirkung der Atombombe.
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlicht so die Wirkung der Atombombe. © Imago
Die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit
Am 31. Oktober 1952 gelang den USA der nächste Durchbruch bei der Erforschung von Massenvernichtungswaffen. Unter dem Codenamen „Ivy Mike“ wurde die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit über dem Pazifik gezündet. Die Bombe setzte eine Energie von mehr als 10 Megatonnen TNT-Äquivalent frei, was der 800-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe entsprach. © Imago
Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch
Die USA sind bis heute die einzige Nation, die je eine Atomwaffe in einem Krieg eingesetzt hat. Sie sind aber nicht das einzige Land, das nukleare Bomben im Arsenal hat. Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch (im Bild) – und leitete damit einen nuklearen Rüstungswettlauf mit den USA ein, der die Beziehungen beider Länder die nächsten 50 Jahre bestimmen sollte. © Imago
Rakete des Typs Topol-M
Heute soll Russland über mehr als 5400 Atomsprengköpfe verfügen. Bei den jährlich stattfindenden Militärparaden in Moskau präsentiert das Land unter Machthaber Wladimir Putin immer wieder voller Stolz seine atomar bestückbaren Langstreckenraketen, so geschehen im Jahr 2010, als eine Rakete des Typs Topol-M über den roten Platz rollte. © dpa
Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte.
Am 2. Oktober 1952 wurde Großbritannien als dritte Nation der Welt zur Atommacht. Diese Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte. © Imago
Erster erfolgreicher Atomwaffentest Frankreichs nahe der Stadt Reggane in Algerien
Am 13. Februar 1960 folgte Frankreich. Die „Grande Nation“ unternahm ihren ersten erfolgreichen Atomwaffentest nahe der Stadt Reggane, die sich in Algerien befindet und von Wüste umgeben ist. Insgesamt 17 nukleare Sprengkörper zündete die französische Armee dort zu Testzwecken in den Folgejahren, davon vier oberirdisch. © Imago
die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls.
Es folgten zahlreiche weitere französische Atomwaffentests, der Großteil auf dem Moruroa-Atoll im Süd-Pazifik. Von 1966 bis 1995 sollen dort insgesamt 179 Kernwaffen gezündet worden sein. Im Bild zu sehen sind die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls. © AFP
Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris
Frankreichs Präsident Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris, geriet infolge der Atomwaffentests in den 1990er Jahren in die Kritik. Es dauerte bis ins Jahr 2008, ehe Frankreich die negativen Auswirkungen der jahrelangen Atomwaffentests auf das Mururoa-Atoll anerkannte und sich bereit erklärte, Entschädigungen für das militärische Personal und betroffene Zivilisten zu übernehmen. © AFP
chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln.
Am 16. Oktober 1964 wurde die Volksrepublik China Mitglied im erlauchten Kreis der Atommächte. Mithilfe von sowjetischer Technik gelang es den Wissenschaftlern der sozialistischen Diktatur, 15 Jahre nach ihrer Gründung eine eigene Kernwaffe zu entwickeln. Auf dem Bild zu sehen sind chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln. © Imago
indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklerwaffe kam.
Indien gilt seit 1974 offiziell als Atommacht. Im Bild zu sehen sind indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklearwaffe kam. © Imago
Atrappe der pakistanischen Atombombe
Im Jahr 1976 begann daraufhin das Atomwaffentestprogramm in Pakistan. Der erste erfolgreiche Atomwaffentest Pakistans erfolgte aber erst 1998. Seitdem gilt auch das mit Indien verfeindete Nachbarland offiziell als Atommacht. Beide Staaten streiten bis heute über die Grenzregion Kaschmir. Bei einer dortigen Demonstration im Jahr 2002 trugen Teilnehmer eine Attrappe der pakistanischen Atombombe durch die Straßen. © AFP
israelische F-15-Kampfjets
Israel gilt seit 1985 als faktische Atommacht. Offiziell ist das Nuklear-Programm des Landes aber bis heute nicht. Das Atomwaffenarsenal des Landes wird auf bis zu 200 Sprengköpfe geschätzt. Abgefeuert werden können diese unter anderem von israelischen F-15-Kampfjets (im Bild) und U-Booten der Dolphin-Klasse. © Imago
m Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben.
Im Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben. International traf diese Behauptung zunächst auf Skepsis. Doch kurz darauf schienen seismische Messungen die Angaben zu bestätigen. Im Jahr 2009 sollen weitere erfolgreiche Tests unternommen worden sein. Zweifelsfrei bestätigt ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas bis heute aber nicht. Zeitgleich entwickelte Nordkorea unter der Führung von Kim Jong-un Trägerraketen mit hoher Reichweite (im Bild). © Imago
Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, Iran
Auch der Iran betreibt seit Jahren atomare Forschung. Laut dem Mullah-Regime geht es dabei aber nur um die zivile Nutzung der Kernenergie. Sowohl Israel als auch die mit ihm verbündeten USA bezweifeln dies und gehen davon aus, dass der Iran in Uran-Anreicherungsanlagen wir hier in Natanz auch an der Entwicklung von waffenfähigem Plutonium forscht. © Imago

Revolutionsgarden bleiben dem Regime treu: IRGC schießt auf Demonstranten und stoppt Proteste

Doch obwohl das iranische Regime unter enormem Druck steht, gibt es Anzeichen dafür, dass es nicht vor dem Aus steht. Für den Machterhalt ist laut der britischen BBC entscheidend, dass die Sicherheitskräfte loyal bleiben. Und genau das tun sie bislang: In den vergangenen Wochen befolgten sie den Befehl, auf ihre Mitbürger zu schießen – die Demonstrationen sind seither weitgehend zum Erliegen gekommen. An vorderster Front der Repression steht das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), das direkt dem Obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei untersteht.

Das IRGC ist nicht nur militärische Elitetruppe, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsakteur – eine Mischung aus Macht, Geld und Ideologie, die seinen Kommandeuren jeden Grund gibt, das System zu verteidigen. Unterstützt wird es von der Basij-Miliz, einer paramilitärischen Freiwilligentruppe mit Hunderttausenden aktiven Mitgliedern. Bereits 2009 gelang es diesem Apparat, Massenproteste in Teheran innerhalb weniger Wochen niederzuschlagen. Solange diese Sicherheitskräfte geschlossen hinter dem Regime stehen, dürfte ein Umsturz schwer zu erreichen sein. Sollten sie sich jemals abwenden, wäre das Ende der Islamischen Republik besiegelt.

Mullah-Führer Chamenei wird isoliert: Informeller Führungsrat verhandelt mit Trump-Berater

In jedem Fall offenbaren die Proteste erneut die zunehmende Fragilität eines politischen Systems, das sich hartnäckig weigert, Reformen durchzuführen. Das hat man auch im Iran erkannt. Chamenei sei „zunehmend isoliert“, so der Politikwissenschaftler Ali Alfoneh gegenüber dem Tagesspiegel. Während der greise Revolutionsführer die USA verfluchte, liefen bereits Verhandlungen zwischen Außenminister Abbas Araghtschi und Trumps Berater Steve Witkoff. Laut Alfoneh hat sich ein informeller „Führungsrat“ gebildet – bestehend aus Präsident Massud Peseschkian, Parlamentspräsident Mohammad Baker Kalibaf, Justizchef Ghomalhossein Mohseni Ejei sowie hochrangigen Offizieren der Revolutionsgarde.

Diese Männer seien keine Demokraten und hätten die brutale Niederschlagung der Proteste mitzuverantworten. Doch seien sie überzeugt, dass sich etwas ändern muss, um das eigene Überleben zu sichern. Drei Faktoren haben Chameneis Position laut dem Bericht maßgeblich geschwächt: Die Streitkräfte haben sich von den israelischen und amerikanischen Luftangriffen im vergangenen Jahr nicht erholt, die Wirtschaftskrise lässt sich ohne Öffnung zum Westen nicht beheben, und die beispiellose Wucht der aktuellen Unruhen hat der Führung klargemacht, dass ein „Weiter so“ nur den nächsten Aufstand provozieren würde.

Trump droht mit militärischem Eingreifen: Iran warnt vor Vergeltung gegen USA und Israel

Zusätzlich verkompliziert wird die Krise durch die internationale Dynamik. Donald Trump hat mit einer möglichen militärischen Intervention zugunsten der Demonstranten gedroht; Teheran warnte daraufhin vor Vergeltungsschlägen gegen US-Interessen und Israel. Ein direktes Eingreifen der USA hätte dabei widersprüchliche Folgen, analysiert der britische Guardian. Es würde dem Regime Deckung geben, seine Repressionen zu verschärfen, zugleich aber die wirtschaftliche Isolation vertiefen und die ohnehin fragile Staatsfunktion weiter schwächen. Eine Liberalisierung sei unwahrscheinlich. Die Islamische Republik werde dann noch vielmehr zu einem nach innen gerichteten Staat werden, der auf Unterdrückung statt auf Zustimmung setze. (Quellen: BBC, dpa, Tagesspiegel, The Atlantic, The Guardian) (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Iranian Supreme Leader'S Office

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